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Die letzte Fahrt der Straßenbahn

Die letzte Fahrt der Straßenbahn

Die Route der Städtischen Straßenbahn in Zittau führte einst auch entlang der Äußeren Weberstraße. Bildquelle: Historische Postkarte/privat

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Diese Modelle im Maßstab von 1:24 erinnern an die Städtische Straßenbahn in Zittau vor über 100 Jahren. Foto: Steffen Linke

Im Foyer des Kulturhistorischen Museums Franziskanerkloster in Zittau können die Besucher derzeit in Form einer Kabinettausstellung ein Stück Zittauer Straßenbahngeschichte erleben. Anlass ist die letzte Fahrt der Städtischen Straßenbahn in Zittau vor 100 Jahren.

Zittau. Bereits 1902 betrieb der Stadtrat und Baumeister E. Hennig während der Oberlausitzer Gewerbe- und Industrieausstellung eine Ausstellungsbahn, die zwischen Haberkornplatz und dem Ausstellungsgelände in der Weinau verkehrte. „Für diese Route gab es nur eine provisorische Strecke mit einer vorübergehenden Betriebserlaubnis von 100 Tagen,“ berichtet Norbert Brosig vom Zittauer Geschichts- und Museumsverein e.V. Die Schienen seien zu jener Zeit quasi in den Dreck gelegt und mit Stangen verbunden und mit Bolzen im Boden befestigt worden, um ein stabiles Konstrukt zu schaffen.

„Die erste Straßenbahn wurde noch mit Akkumulatoren betrieben“, erklärt Norbert Brosig. Die Akkus seien an den Endstationen wieder aufgeladen worden. Der Strom hierfür kam von einer Musteranlage in der Gewerbe- und Industrieausstellung.


Die weitere Entwicklung führte dazu, dass die Stadt Zittau noch im Jahr 1904 mit dem Bau einer ständig verkehrenden Städtischen Straßenbahn und des dazu erforderlichen Elektrizitätswerkes begann, die noch im gleichen Jahr in Betrieb genommen wurden. Die Höchstgeschwindigkeit der Bahn lag bei circa 15 Kilometer pro Stunde. Die Kapazität umfasste 18 Sitzplätze. Teilweise wurde bei Bedarf mit Beiwagen gefahren. Die Straßenbahn fuhr damals im sechs Minuten Abstand von früh 7.00 Uhr bis 1.00 Uhr nachts. Bei der Route Töpferberg war aufgrund des steilen Gefälles zur Sicherheit zusätzlich eine Fallklotzbremse in der Straßenbahn erforderlich.

Die Fahrmarken in dreieckigen und sechseckigen Ausführungen, rund und später infolge von Tarifänderungen durchbohrt, kosteten ursprünglich zehn Pfennig im Normaltarif. Für Arbeiter, Soldaten und Postangestellte im Dienst gab es Sondertarife. Kinder zahlten die Hälfte.

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Die Fahrer der Straßenbahnen waren manchmal dazu gezwungen, anzuhalten, weil jemand Kohlen bekommen hatte und diese erst von den Gleisen geschippt werden mussten. Schwere Unfälle habe es nicht gegeben, so Norbert Brosig, auch wenn vielleicht mal ein Kutscher angefahren worden sei. Im Depot sei aber mal jemand tödlich verunglückt, aus welchen Gründen auch immer ist heute nicht mehr bekannt, fügt er hinzu.

Fünfzehn Jahre, bis 1919, fuhr die Bahn, bis sie sich für die Bevölkerungszahl Zittaus dann doch als zu unwirtschaftlich erwies. Die Bedingungen seien in den Kriegsjahren immer schlechter geworden, sagt er. Norbert Brosig führt in diesem Zuge unter anderem weniger Fahrgastzahlen und teure Reparaturen in der damaligen Zeit an.

Nach dem Aus wurden Straßenbahnen, Triebwagen und Beiwagen verschrottet oder nach Spanien und Rumänien verkauft. Über deren Verbleib ist nichts bekannt. Einige Straßenbahnen waren im tschechischen Brüx (heute Most) noch bis 1953 und in Dresden noch bis 1969 im Einsatz. Einige Beiwagen wurden in den 60er Jahren auch für die Aufzucht von Geflügel genutzt. Sammler und Straßenbahnliebhaber können an der Museumskasse originale Fahrmarken aus der Betriebszeit der Städtischen Straßenbahn Zittau, gefertigt aus Messing, für je neun Euro käuflich erwerben.

Die Ausstellung kann bis zum 19. Januar 2020 während der regulären Öffnungszeiten der Städtischen Museen Zittau besichtigt werden. Norbert Brosig beantwortet am Mittwoch, 4. Dezember, und am Mittwoch, 8. Januar 2020, jeweils von 14.00 bis 16.00 Uhr, die Fragen interessierter Besucher und steht nach Vereinbarung per E-Mail museum@zittau.de auch für Führungen bereit. Die Öffnungszeiten der Städtischen Museen Zittau – jeweils Dienstag bis Sonntag von 10.00 bis 17.00 Uhr.

Steffen Linke / 03.12.2019

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