Die Oberlausitz wird im Tourismus künftig ohne Schlesien vermarktet

Es geht im Tourismus auch gleichberechtigt: Am Freizeit- und Campingpark Thräna in der Gemeinde Hohendubrau wird die Oberlausitz-, wie die Schlesischeflagge gehisst. Foto: Till Scholtz-Knobloch
Region. Der deutsche Teil der Oberlausitz geht mit einem neuen „Tourismusverband Oberlausitz e.V. (TVO)“ in die Vermarktung ihrer landschaftlichen und architektonischen Vorzüge. Der neue Verband vereint Kommunen, Unternehmen beider deutsch-oberlausitzer Landkreise und übernimmt nach eigener Sprachregelung schrittweise die Aufgaben der bisherigen Marketing-Gesellschaft Oberlausitz-Niederschlesien mbH (MGO). Eine Neukonzeption war nötig geworden, da die Sparkassen aus der bisherigen Tourismusvermarktung ausgestiegen waren. Der Austritt der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien, der Kreissparkasse Bautzen und der Ostsächsischen Sparkasse Dresden war zum 31. Dezember 2025 wirksam geworden.
Der neue Verband schaffe nun eine tragfähige Struktur für die touristische Entwicklung der Region, die man bei der MGO nun also nicht in passender Struktur sah. Dabei eliminiert der neue Verband allerdings auch das namentliche Alleinstellungsmerkmal mit dem Bestandteil „Niederschlesien“ en passant aus seinem Auftrag. Faktisch hatte dieser touristische Trumpf aber auch in der Pressearbeit der MGO keine wirkliche Rolle mehr gespielt.
In der Pressemitteilung des Landkreises Görlitz hingegen wird ohne Hinweis auf den Neuausrichtungsdruck ohne Sparkasse natürlich erst einmal alles besser: „Ziel war es, bestehende Strukturen weiterzuentwickeln, Verantwortlichkeiten klarer zu ordnen und den Tourismus organisatorisch wie finanziell zukunftsfähig aufzustellen.“
Mit Kommunen, touristischen Gebietsgemeinschaften (TGG) und Unternehmen sei jedenfalls bereits die „Destinationsstrategie 2030“ erarbeitet, die künftig als Grundlage dienen wird. „Mit dem Tourismusverband Oberlausitz schaffen wir eine stabile Grundlage für die touristische Entwicklung unserer Region“, strahlt Udo Witschas, Landrat des Landkreises Bautzen und neuer Vorstandsvorsitzender des Tourismusverbandes Oberlausitz Selbstsicherheit aus. Der gemeinnützige Verband sei nicht auf wirtschaftlichen Gewinn ausgerichtet und verstehe sich als parteipolitisch sowie konfessionell unabhängig. Dass dies jedoch erst einmal gängiger Textbaustein des Marketingsjournalismus ist, verrät die Vorstandsstruktur: Außer Landrat Witschas und als Stellvertreter seinem Görlitzer Amtskollegen Meyer und als 2. Stellvertreter Zittaus Oberbürgermeister Zenker tummeln sich neben Vertretern vom Best Western Hotel, Dehoga (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband) Sachsen und IHK Dresden sonst fast nur Bürgermeister der Städte der Region, die gleich auch einige Haltungshülsen abspulen: „Zugleich setzt er sich für eine weltoffene, tolerante und gastfreundliche Region ein.“ In der Theorie könnte man natürlich auch eine Demokratisierung des Tourismusmarketings herleiten, da eine Lenkung über gewählte politische Vertreter der Kommunen nun unzweifelhaft die erste Geige spielt.
Die Verzahnung der Gebietskörperschaften dürfte aus Sicht eines gemeinsamen Verständnisses der Produktentwicklung sowie des Fördermittel- und Projektmanagements gleichwohl sinnvoll sein. Dieses unterscheide klar zwischen „gemeinschaftlichen Grundaufgaben und projektbezogenen Leistungen, um Ressourcen effizient einzusetzen. So vermeidet er (der Verband) Doppelstrukturen und stärkt die Zusammenarbeit zwischen kommunalen und privaten Akteuren“, heißt es in der neuen Selbstcharakterisierung. Nach der erfolgten Gründung am 29. Januar habe der TVO sofort seine Arbeit aufgenommen. Im Februar wird ein Marketingausschuss eingerichtet. Anfang März findet die erste Vorstandssitzung statt. Bis Ende Mai sollen die rechtlichen Schritte abgeschlossen sein, sodass der TVO dann vollständig als Rechtsnachfolger der MGO agiert.
In der Alltagsvermarktung läuft zunächst alles scheinbar nach altem Schema, denn am Dienstag berichtete die TGG Neißeland – einer der Verbandsgründer – über seine Beteiligung auf der Reisemesse Dresden vom 30. Januar bis 1. Februar mit 30.000 Besuchern. Auf Nachfrage der Redaktion, ob die TGG Neißeland informell oder weiterreichend bestehen bleibe oder welche anderen Auswirkungen der neue Rahmen auf die TGG habe, räumte Maja Daniel-Rublack von der TGG Neißeland ein, dass all diese Fragen derzeit noch offen seien. Es sei auch denkbar, dass die einzelnen TGG ganz unterschiedliche Entscheidungen zum Ob und Wie eines eigenen Weiterbestehens treffen.
Dieser Tage hatte auch die Stadt Görlitz im Benigna ihr neues Tourismuskonzept „Zukunft Görlitz 2030“ vorgestellt. Als Schwerpunkte wurden definiert – Geschichte und Architektur, Kultur, Gastfreundschaft sowie Nachhaltigkeit.
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