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Wie geht es weiter mit Simul+Kreativ ?

Wie geht es weiter mit Simul+Kreativ ?

Auch das Kunstobjekt „Rad der Zeit“ im Schirgiswalde-Kirschauer Stadtteil Crostau erhielt ein Preisgeld aus dem Wettbewerb Simul+.

Landkreis Bautzen. Was haben die „Insel“ in Räckelwitz, der Prinzenpfad im Weißenberger Stadtteil Lauske, die „PaKu“-Kommunikationsarena Panschwitz-Kuckau und die sorbisch beschrifteten Tüten der Bäckerinnung Bautzen gemeinsam? Richtig: Sie wurden mithilfe von Preisgeldern des Wettbewerbs Simul+ in unterschiedlichen Kategorien verwirklicht. Der Wettbewerb bildete für viele Kommunen, aber auch Vereine und private Initiatoren eine willkommene Möglichkeit, die Eigenmittel für geplante Projekte aufzustocken, um diese in einem nächsten Schritt mit Fördermitteln zu veredeln. Auf diese Weise kamen Projektideen von teils durchaus erheblichem Umfang zur Verwirklichung – für die Gestaltung der Räckelwitzer Insel flossen beispielsweise 100.000 Euro.

Doch ist bei dem Wettbewerb immer alles mit rechten Dingen zugegangen? Die AfD-Fraktion im Sächsischen Landtag hat daran Zweifel. So reichte sie im Dezember 2025 einen Antrag unter dem Titel „Die Kritik des Sächsischen Rechnungshofes umsetzen – Simul+ Initiative einstellen und umwandeln“ bei der Landtagsverwaltung ein. Das normale Prozedere sieht vor, dass der Antrag zunächst – oft im Rahmen einer öffentlichen Expertenanhörung – im zuständigen Ausschuss behandelt wird. Dieser gibt eine Empfehlung für das Plenum, das den Antrag nach entsprechender Debatte entweder annimmt oder ablehnt. Doch was führt die AfD gegen Simul+ zu Felde? „Träger ist der Verein Sächsisches Landeskuratorium Ländlicher Raum e. V. (SLK). Zusammen mit den Vereinen Landurlaub in Sachsen e. V. und dem von CDU-Funktionären geführten Christlich-Soziales Bildungswerk Sachsen e. V. (CSB) teilt sich dieser Verein eine Anschrift in 01920 Nebelschütz (OT Miltitz). Zugleich wird der Verein Sächsisches Landeskuratorium Ländlicher Raum durch den ehemaligen sächsischen CDU-Landtagsabgeordneten Aloysius Mikwauschk geführt. … Geschäftsführer des SLK ist Marko Klimann, der zugleich als CDU-Bürgermeister der Gemeinde Crostwitz amtiert.“ Die erst- und die letztgenannte Behauptung lassen sich durch einfache Internetrecherche schnell verifizieren; für die Bestätigung der Funktion von Aloysius Mikwauschk muss man schon das Vereinsregister bemühen. Auf der Website des SLK wird als Vorsitzender lediglich Dirk-Martin Mütze aufgeführt, der laut Registerauszug mit Mikwauschk zusammen als Co-Vorsitzender fungiert. 

Doch was wirft die AfD den Wettbewerbs-Verantwortlichen nun konkret vor? Dazu heißt es in dem Antrag: „Gemäß dem Jahresbericht 2025 des SRH (Sächsischer Rechnungshof, Anm. d. Red.) konnte trotz steigenden Mittelansatzes kein belastbarer Nachweis für einen nachhaltigen Mehrwert in der Regionalentwicklung erbracht werden. Der SRH stellte ferner fest, dass für viele der prämierten Projektideen alternative landeseigene Finanzierungsmöglichkeiten bestanden hätten. Zudem kam es im Rahmen des Wettbewerbs zu mehrfachen Prämierungen identischer Projekte, was nach Ansicht des SRH den Haushaltsgrundsätzen der Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit widerspricht. Die Kritik des Rechnungshofes belegt ein systemisches Fehlmanagement und massive Risiken bei der unsachgemäßen Verwendung öffentlicher Mittel.“ Nur durch eine vollständige Aussetzung und grundlegende Neugestaltung des Programms, so heißt es weiter, „lässt sich das Vertrauen in die regionale Förderpolitik wiederherstellen.“

Das Staatsministerium für Infrastruktur und Landesentwicklung (SMIL) weist die erhobenen Vorwürfe zurück. „Simul+Kreativ war bisher ein Wettbewerb, der in einem bürokratiearmen und beteiligungsorientierten Verfahren Ideen und innovative Lösungen vor Ort in den sächsischen Regionen identifiziert und befördert hat“, erklärt Ministerin Regina Kraushaar. Seit 2018 seien etwa 1.500 Projektideen mithilfe der Preisgelder realisiert worden oder befänden sich noch in der Umsetzung. „Der Wettbewerb hat … den gemeinschaftlichen Zusammenhalt durch Kommunikation und Kooperation vor Ort in den Regionen gestärkt“, schätzt die Ministerin ein. Die Evaluierung habe gezeigt, dass „der simul+Mitmachfonds den Zusammenhalt in sächsischen Kommunen stärkt, Gemeinschaftsgefühl stiftet und die Bürgergesellschaft stärkt.“ Das Sächsische Landeskuratorium ländlicher Raum sei nicht aus parteipolitischen Gründen mit der Durchführung beauftragt worden, sondern aufgrund der „fachlichen, zuwendungsrechtlichen und wirtschaftlichen Eignung.“ Für 2026 beabsichtige das SMIL, „einen landesweiten Wettbewerb simul+Kreativ als innovatives und zukunftsorientiertes Mitmachformat mit Fokus auf junge Menschen im ländlichen Raum auszuloben.“ Weiter heißt es: „Dabei können Jugendliche Projektideen umsetzen, die ohne diesen Wettbewerb möglicherweise nicht realisierbar wären.“ Auch in den regionalen Juries sollen größtenteils „junge Menschen bis 25“ sitzen.

Uwe Menschner / 05.02.2026

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