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Die Osterbläser sind sehr zeitig unterwegs

Die Osterbläser sind sehr zeitig unterwegs

Die Osterbläser von Berthelsdorf spielen passend während ihrer Tour zum Osterfest Choräle und Volkslieder. Foto: privat

„Morgenstund hat Gold im Mund“: Am Ostersonntag, 5. April, treffen sich die Berthelsdorfer Osterbläser um 2.45 Uhr in der Feuerwehr Berthelsdorf. Dort gibt es ein Frühstück mit belegten Semmeln und Kaffee, um erst einmal richtig munter zu werden. 

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Die Berthelsdorfer Osterbläser beeindrucken auch durch ihre österliche Ausstrahlung. Foto: privat

Berthelsdorf. Marco Glathe, gebürtiger Berthelsdorfer, spielt seit über 30 Jahren als Musiker in der Blaskapelle der Freiwilligen Feuerwehr Berthelsdorf: „Am 3. April 1994 bin ich das erste Mal im zarten Alter von 13 Jahren mit den Osterbläsern durchs Dorf gezogen. Seit Oktober 2022 führe ich die Kapelle als Abteilungsleiter musiktreibender Zug der Freiwilligen Feuerwehr Berthelsdorf und bin somit auch für das Osterblasen verantwortlich.“

Bei deren neuen Auflage starten die Osterbläser 3.30 Uhr, sodass spätestens 3.45 Uhr der erste Choral von der Freitreppe vom Haus Friedenshoffnung in den jungen Morgen klingt. Dann geht es nach alter Route die Südstraße hinauf, bis zur Ortsgrenze zu Strahwalde, über Rohlands Teiche zur Fichtelrode, die Kemnitzer Straße und die Hauptstraße bis zur Feuerwehr, wo die Osterbläser gegen 6.30 Uhr das zweite Frühstück einnehmen. Nach der Stärkung geht es dorfabwärts über die Schulstraße und Hauptstraße bis zur Ortsgrenze Rennersdorf. 

Jetzt folgt der anstrengende Teil. Denn die Musiker haben schon einige Kilometer Fußmarsch und das ein oder andere „Ansatzwasser“ hinter sich und müssen nun bergauf über steile Schleichwege, über den Bergweg und einen Feldweg nach Neuberthelsdorf. Je nach Laune stimmen die Musiker auf dem unbewohnten Feldweg mal einen Walzer oder eine Polka an. „In Neuberthelsdorf werden wir freudig von den Anwohnern erwartet und das Osterblasen mit den Chorälen und Volksliedern geht weiter“, berichtet er. Der Weg führt zurück ins Dorf, durch die Kränke und über den Harzweg, zur letzten Station, in „Schäfer´s Hof“, wo das letzte Lied der circa 90 bis 100 Choräle gespielt wird. 

Abschluss ist gegen 11.00 Uhr in der Feuerwehr zur Auswertung. Zu Mittag ist dann jeder Musiker wieder zu Hause bei seiner Familie.

Nach Unterlagen von Berthelsdorfer Brauchtumspflegern sind bereits 1870 Kirchenbläser durch das Dorf gezogen und spielten an vielen Stellen Choräle und Volkslieder. Nachdem die Kapelle 1957 in ihrer heutigen Form gegründet wurde, führten die Musiker der Blaskapelle der Freiwilligen Feuerwehr Berthelsdorf diese Tradition fort. Insgesamt ziehen circa sechs bis acht Musiker in ziviler Kleidung durch das Dorf. Das Dorf wird fast zweimal abgeschritten und so kommen etwa neun bis zehn Kilometer – und dank moderner Technik gemessen – circa 16.000 Schritte zusammen.

Ostern ist mit der Auferstehung Jesu Christi laut Marco Glathe das höchste kirchliche Fest. Somit werden dazu passend Choräle wie zum Beispiel „Auf, auf mein Herz mit Freuden“, „Lobe den Herren“ und Volkslieder wie unter anderem „Das Heidenröslein“, „Ännchen von Tharau“ etc. gespielt.

Um früh aus den Federn zu kommen, gehen einige Musiker gegen 22.00 bzw. 23.00 Uhr schlafen, aber es gibt auch welche, die direkt vom Ostertanz oder vom Osterfeuer ohne Schlaf zum Osterblasen kommen. „Ich versuche wenigstens zwei bis drei Stunden zu ruhen und stelle mir zur Sicherheit den Wecker“, sagt Marco Glathe. Und ist es denn auch schon vorgekommen, dass es Osterbläser zum Startschuss verschlafen haben? „Zu Ostern ist schon öfter die Zeit umgestellt worden und da ist es auch schon passiert, dass ein Musiker vergessen hat, die Uhr umzustellen, aber gerade noch pünktlich zu Beginn eingetroffen ist“, antwortet er. 

Und er fährt fort: „Mittlerweile sind wir selber für das erste und zweite Frühstück verantwortlich, welches meine Frau oder meine Kinder mit mir vorbereiten. 

Auf Strecke erwarten uns dann bereits zahlreiche Bewohner, um die musikalische Osterbotschaft zu empfangen. Ab und zu gibt es zwischendurch kleine Stärkungen oder wir werden zu einem Getränk eingeladen – und das nehmen wir natürlich gern an. Somit muss keiner Hunger oder Durst leiden.“ Direkt beim Frühstück sitzen die Musiker in gemütlicher Runde zusammen, unterhalten sich unter anderem über Neuigkeiten, den Verlauf des Osterblasens oder eventuelle Liedwünsche, „die wir unterwegs sehr gern erfüllen.“

Interessante und lustige Anekdoten gibt es auf der Strecke immer wieder. „Gerade am frühen Morgen, wenn es noch dunkel ist, ist es schön zu sehen, wer extra für die Osterbläser aufsteht oder wer ein Frühaufsteher ist“, betont Marco Glathe. Oder: „Viele Jahre haben wir bei einer älteren Frau mit ihrem Bruder, der in Australien wohnte, aber mit Berthelsdorf verbunden war, telefonieren können. Bei uns hatte der Tag erst angefangen und dort war schon später Nachmittag.“ Und in Berthelsdorf würde auch nach wie vor auch die Tradition des Osterschießens stattfinden. „So kommen wir zu manchem Osterfeuer, wo geschossen wird, oder die Osterschießer begleiten uns ein Stück des Weges“, berichte er. 

Herausfordernd kann laut Marco Glathe das Wetter sein. Von leichten Minusgraden und Schneefall bis zu 20 Grad Celsius und Sonnenschein sei schon alles dabei gewesen. „Manchmal muss sich der ein oder andere Osterbläser zwischendurch umziehen, aber über die Jahre bringen wir auch da viel Erfahrung mit. Wenn wir am Zielpunkt angekommen sind, macht sich trotz allem bei den Musikern Erleichterung breit. Wir können uns endlich ausruhen und das Osterfest genießen“, sagt er. 

Der Kapellmeister wünscht sich für die neue Auflage des Osterblasens jedenfalls trockenes Wetter: „Ich freue mich auf die vielen schönen Begegnungen im Dorf und wünsche allen ein frohes und gesegnetes Osterfest.“

Steffen Linke / 04.04.2026

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