Was kommt bei Strommangel und Krieg auf Görlitz zu?

Stromzähler Foto: Symbolfoto
Bonn/Berlin. Die Bundesnetzagentur bereitet sich auf Strommangel über „mehrere Tage bis Wochen“ vor. Einen Geheimplan zur Energiekrise, der sich auch aus Flatterstrom infolge der Energiewende nährt, hatte das Online-Nachrichtenportal Apollo News offengelegt. Die Berichterstattung veranlasste den Niederschlesischen Kurier bei der Stadtwerke Görlitz AG im Hinblick auf regionale Auswirkungen nachzufragen.
Appollo News berichtete, dass die Bundesnetzagentur mit der „Sicherheitsplattform Strom“ ein System für den Fall länger anhaltender Strommangellagen entwickelt. Über eine zentrale Plattform sollen nun stromintensive Unternehmen mit einem Jahresverbrauch ab acht Gigawattstunden erfasst und im Krisenfall angewiesen werden können, ihren Stromverbrauch oder ihre Produktion zu reduzieren. Kommen sie dieser Aufforderung nicht nach, könnte ihnen der Strom abgeschaltet werden. Die Plattform ist für Mangellagen gedacht, die sich bereits Tage im Voraus abzeichnen, und ergänzt die bestehenden kurzfristigen Notfallmaßnahmen der Netzbetreiber. Aufbau und Betrieb übernimmt der Übertragungsnetzbetreiber Amprion im Auftrag der Bundesnetzagentur. Laut Unterlagen einer Informationsveranstaltung für Netzbetreiber sei das Projekt bislang nicht öffentlich kommuniziert worden.
Gegenüber dem Niederschlesischen Kurier bestätigte Belinda Brüchner – Referent Vertrieb/Marketing/PR – bei den Stadtwerken am 7. August: „Die Stadtwerke Görlitz wurden direkt von der Bundesnetzagentur über das Thema informiert. Unsere Rolle beschränkt sich aktuell auf die Bereitstellung unserer Stammdaten für die Kontenerstellung auf der Sicherheitsplattform Strom als hiesiger Netzbetreiber.“
Die Stadtwerke Görlitz hatten für ihr Stromnetz 2024 insgesamt 288,7 GWh (Gigawattstunden) entnommene Jahresarbeit ausgewiesen: 114,5 GWh auf Mittelspannung, 86,6 GWh über die Umspannung und 87,7 GWh auf Niederspannung. Infolgedessen hatte die Redaktion in ihrer Anfrage gemutmaßt, dass entsprechende jährliche Verbrauchswerte von acht Gigawattstunden aufwärts im Grunde wohl nur bei Alstom bzw. Nachfolger KNDS, Siemens Energy bzw. neu Omterra sowie TKG Turbinenkomponenten Görlitz GmbH denkbar seien und fragte daher: Gehen die SWG Görlitz davon aus, dass die Planungen Görlitz überhaupt betreffen werden: a) Wegen der Verbrauchswerte und b) infolge des Umstandes, dass die genannten Unternehmen bzw. welche von diesen (?) ggf. als potenziell kriegswichtig bewusst ausgespart werden sollen?
Eine Antwort zu b) und zur Frage: Wie würden die SWG ggf. anderweitig einen Auftrag zur Drosselung des Stromverbrauchs nachkommen, konnten die SWG nach derzeitigen Verbrauchswerten abwenden. Belinda Brüchner teilte mit: „Nach derzeitigem Stand sind keine Unternehmen mit den benannten Verbrauchsgrenzen an unserem Stromnetz angeschlossen. Eine Kommunikation an die betroffenen Unternehmen erfolgt direkt durch den Bundeslastverteiler unter Nutzung der auf der Sicherheitsplattform gespeicherten Daten der in Frage kommenden Lasten. Wir als Netzbetreiber wären nicht verpflichtet, die Umsetzung der angewiesenen Maßnahmen zur Lastreduzierung zu überwachen.“ Im Hinblick auf Privatanschlüsse hieß es: „Privatpersonen zählen als geschützte Kunden und sind nicht für eine vorbeugende Lastabsenkung vorgesehen.“
Da die Redaktion davon ausgeht, dass Einsparplanungen für einen Kriegsfall – für Görlitz durch KNDS relevant – nicht zur öffentlichen Diskussion gestellt werden, sah die Redaktion von weiterführenden Nachfragen bei der Bundesnetzagentur zunächst ab.