Die Renaissance der Umgebindehäuser

Den Denkmalsort Obercunnersdorf prägen viele Umgebindehäuser. Foto: Arnd Matthes
Ebersbach-Neugersdorf. Zum Tag des offenen Umgebindehauses haben sich 139 Hauseigentümer angemeldet. Das ist laut der Stiftung Umgebindehaus ein neuer Rekord! Am Samstag, 30. Mai, öffnen 41 Objekte in Tschechien. Somit haben polnische und deutsche Interessenten die Möglichkeit, am Samstag tschechische Umgebindehäuser zu entdecken. Am Sonntag, 31. Mai, öffnen dann in der Regel von 10.00 bis 17.00 Uhr 51 Häuser in Deutschland und 47 Häuser in Polen. Das Interesse habe sich damit wesentlich erhöht, so Arnd Matthes von der Stiftung Umgebindehaus. „Vielleicht können wir von einer Renaissance der Umgebindehäuser sprechen. Der Bau mit ökologischen Materialien liegt im Trend und viele Eigentümer wollen den Umgang mit diesen Materialien selbst praktizieren“, sagt er.
Gäste, die noch nie den Tag des offenen Umgebindehauses erlebt haben, werden seiner Meinung nach erstaunt sein, welche einmaligen und original erhaltenen Dorfstrukturen erhalten geblieben sind und sich bis heute in ihrer Authentizität kaum verändert haben. Aber auch die Einzeldenkmale, die liebevoll und nach denkmalpflegerischen Kriterien saniert sind, werden Aufsehen erregen.
„Wir haben festgestellt, dass die Veranstaltung auch viele Menschen anzieht, die selbst ein Umgebindehaus besitzen und die Besuche und Gespräche als Inspiration nutzen, um sich Ratschläge für eigene Sanierungsvorhaben zu holen. Durch die Präsentation der Umgebinde- und Fachwerkhäuser soll auf die kulturelle Besonderheit der Bauweise im 18. Jahrhunderts, die in größeren Dörfern besonders ausgeprägt und von städtischen Einflüssen geprägt wurde, hingewiesen werden. Am Aktionstag kann sogar ein Verkaufsobjekt in Großschönau besichtigt werden und vielleicht findet sich ein Liebhaber“, hofft er.
Die Zahl der jährlich verloren gehenden Umgebindehäuser hält sich laut Arnd Matthes in Grenzen und liegt im einstelligen Bereich: „Trotzdem bleibt es schwierig, leerstehende Objekte zu vermitteln. Die Gründe liegen dabei oft bei zu hohen Sanierungskosten, die in den letzten Jahren explodiert sind. Deshalb fühlen sich Interessenten, die ein Umgebindehaus erwerben wollen, bei der Stiftung gut beraten. Erfolgreiche Sanierungen, die sogar den begehrten Umgebindehauspreis erhalten, sprechen für sich.“
Das Umgebindehaus ist laut seinen Auskünften schon immer als Mehrgenerationenhaus dauerhaft, also für die Zukunft, gebaut worden. Nicht selten haben die Häuser bereits mehr als fünf Generationen beherbergt und werden es auch in Zukunft leisten. Kein Haus gleicht dem anderen und die bewährten Naturbaustoffe Holz, Lehm, Stroh und Steine, aus denen sie geschaffen wurden, geben dem Haus ein individuelles Aussehen und ermöglichen ein optimales Wohnklima.
Das Holz der Blockstube bietet gute Eigenschaften der Wärmehaltung und daher wurde diese als einziger beheizbarer Raum zum Wohnen und Arbeiten genutzt. Heute ist das anders. Denn es können alle Räume für Wohnzwecke genutzt werden. Sanitär und Küche entsprechen dem neuesten Standard. Jedoch bleibt jedes Umgebindehaus ein Unikat und wird vom Eigentümer und Bewohner auch dahingehend individuell saniert oder restauriert.
Arnd Matthes wünscht sich vor allem gute inspirierende Gespräche mit Akteuren und Handwerkern, die dazu beitragen, auch zukünftig die Umgebindehäuser und damit die einmalige Umgebindehauslandschaft zu erhalten.
Die zentrale Eröffnung des Aktionstages findet am Sonntag, 31. Mai, um 10.00 Uhr, in Seifhennersdorf, An der Läuterau 27, statt.
