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Elektro-Offensive beginnt in Kamenz

Elektro-Offensive beginnt in Kamenz

Das „Showcar“ markierte 2016 den Beginn des elektrischen Zeitalters bei Mercedes-Benz. Erstmals präsentiert wurde es in Paris – und in Kamenz. Foto: Archiv

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Die Batteriefabrik setzt auf hochmoderne Anlagen und nutzt vielfältige Industrie 4.0-Technologie zur Fertigung von Batterien, unter anderem für den EQC. Foto: Mercedes-Benz AG

Mercedes-Benz hat weiterhin große Pläne für seine Kamenzer Tochter Accumotive. Bei einer wichtigen Kennziffer hat bislang aber die Konkurrenz die Nase vorn.

Kamenz. Die Mercedes-Benz-AG will in den beiden Werken ihrer Tochterfirma Accumotive in Kamenz schon bald ein jährliches Produktionsvolumen von mehr als einer halben Million „Batteriesystemen für Hybrid-, Plug-in-Hybrid- und rein elektrische Fahrzeuge“ erreichen. Das wäre in etwa so viel, wie bislang seit dem Produktionsstart 2012 insgesamt hergestellt wurde. Bereits seit der Inbetriebnahme des zweiten Werkes 2018 steigere man „die Produktionskapazitäten sukzessive“, wie die zuständige Pressesprecherin von Mercedes-Benz, Madeleine Hrdlitschka, mitteilt. „Als Kompetenzzentrum innerhalb unseres globalen Batterie-Produktionsverbunds kommt dem Standort Kamenz für die Umsetzung unserer Elektro-Offensive ’Electric first’ eine entscheidende Rolle zu“, erklärt Jörg Burzer, Vorstand für Produktion und Supply Chain Management der Mercedes-Benz AG. Kamenz bildet demnach das Herz eines „atmenden globalen Netzwerks“, in dem „die Produktionskapazitäten flexibel zwischen den Werken in aller Welt angepasst werden können.“ Neben den beiden Kamenzer Accumotive-Werken gehören dazu noch sieben weitere Fabriken in Europa, Asien und Nordamerika. Welch hohen Stellenwert die Batteriefertigung in Kamenz für Mercedes-Benz einnimmt, wurde auch während des Corona-Shutdowns deutlich: Sie bildete eine von nur wenigen Einheiten, deren Tätigkeit nahezu unverändert aufrecht erhalten blieb. 
Eine solche Offensive, wie jetzt angekündigt, erscheint allerdings auch dringend erforderlich. Mahnen Branchenkreise und Fachpresse doch bereits seit Jahren, dass die bisherige Produktionskapazität in Kamenz nicht ausreicht, um die selbst gestellten Ansprüche zu befriedigen. So bezeichnete die „Automobilwoche“ Kamenz im September 2019 als „Flaschenhals“ bei der Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben zur CO2-Emission durch den Daimler-Konzern. Auch beim Absatz läuft es noch nicht nach den Vorstellungen.

So verkaufte der Accumotive-Mutterkonzern laut Kraftfahrt-Bundesamt von Januar bis April 2020 gerade einmal 300 Fahrzeuge seines Elektro-Flaggschiffes EQC. Das Tesla Model 3 hingegen kam auf 3420 Verkäufe. 
Auch die deutsche Konkurrenz von Audi und BMW erzielte deutlich höhere Zahlen.
Das kann die Pläne für den Ausbau der voll- oder teilelektrisch betriebenen Fahrzeugflotte jedoch nicht bremsen, im Gegenteil: „Der Fokus liegt dabei ganz klar auf der schrittweisen Erhöhung des Anteils rein elektrisch fahrender Fahrzeuge im Portfolio. Bis Ende dieses Jahres wird die Marke Mercedes-Benz fünf vollelektrische Modelle sowie 20 Plug-in-Hybride anbieten“, erklärt Madeleine Hrdlitschka. In „wenigen Jahren“ sollen es zehn vollelektrische Modelle sein. Dazu die Sprecherin: „Die lokale Fertigung von Batterien stellt einen wichtigen Erfolgsfaktor für die Elektro-Offensive von Mercedes-Benz dar und ist der entscheidende Baustein, um die weltweite Nachfrage nach elektrifizierten Fahrzeugen flexibel und effizient bedienen zu können.“ Am Standort Kamenz sind aktuell rund 1.300 Mitarbeiter beschäftigt. Insgesamt investiert Mercedes-Benz mehr als eine Milliarde Euro in den Aufbau seines globalen Batterie-Produktionsverbunds, wobei Kamenz laut Vorstand Jörg Burzer „eine Art Blaupause für die anderen Werke“ darstellt. Noch 2020 soll das Werk im polnischen Jawor in Betrieb gehen.

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Uwe Menschner / 13.06.2020

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