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Ex-Weltmeisterin lädt zu Eislauf und Kino ein

Ex-Weltmeisterin lädt zu Eislauf und Kino ein

Die Ex-Weltmeisterin Christine Stüber-Errath bringt ins Kino auch das Filmkleid und ihre Schlittschuhe aus dem Jahr 1976 mit. Foto: Matthias Wehnert

Nach 57 Jahren kehrt die ehemalige deutsche Eiskunstläuferin Christine Errath (heute Stüber-Errath), Weltmeisterin von 1974 sowie Europameisterin von 1973, 1974 und 1975, auf das Eis von Jonsdorf zurück, wo ihre sportliche Karriere quasi einst begann. Steffen Linke, Redakteur des „Oberlausitzer Kurier“, unterhielt sich mit ihr.

Frau Stüber-Errath, Sie laden alle interessierten Eisläufer am Donnerstag, 31. Januar, zwischen 13.00 und 14.00 Uhr, zu einer fröhlichen Eislaufstunde auf die Eisbahn in Jonsdorf ein und präsentieren am Freitag, 1. Februar, um 15.00 Uhr und um 20.00 Uhr, den berührenden Eislauf-Film „Die Anfängerin“ im Kronenkino in Zittau. Was erwartet die Eisläufer und die Kinobesucher zu diesen Events?

Christine Stüber-Errath: Eislaufen macht Spaß. Das möchte ich zeigen. Und jeder kann sich das zutrauen. Ich freue mich darauf, mit Alt und Jung gemeinsam auf dem Eis zu laufen und ich verspreche, dass wir alle eine wundervolle Zeit haben werden. Nur Mut.
Im Kino darf ich den preisgekrönten Film von Alexandra Sell „Die Anfängerin“ vorstellen. Aus meiner Sicht ist das der erste authentische Film übers Eiskunstlaufen im deutschen Kino. Und gleichzeitig spricht die Filmgeschichte alle Menschen an, denn es geht um unsere Träume und dass es nie zu spät ist, seinen Traum zu leben. In einer Nebenrolle spiele ich selbst auch mit. Und ich werde auf emotionale Weise erzählen, was ich bei den Dreharbeiten erlebt habe. Natürlich bringe ich ins Kino auch das Filmkleid mit und meine Schlittschuhe aus dem Jahr 1976, mit denen ich heute noch laufe.

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Im zarten Alter von fünf Jahren präsentierte die kleine Christine schon einen Spagat auf dem Eis. Foto: privat

Wie kam es denn zu Ihrem Engagement für diese Highlights in Jonsdorf und Zittau?

Christine Stüber-Errath: Der Film läuft seit 18. Januar 2018 in den Kinos. Leider nicht überall. Und deshalb haben wir – Alexandra Sell und ich – die Fans aufgerufen, im Kino ihrer Wahl vorzusprechen und sich zu wünschen, dass „Die Anfängerin“ gezeigt wird. Ich bin sehr gerührt, dass Christina Gärber aus Zittau genau das versucht hat. Sie verabredete sich mit Steffen Tempel von der „Hillerschen Villa“ und erzählte ihm voller Begeisterung von unserem Film. Er hatte sofort ein offenes Ohr und so haben wir schon vor vielen Monaten den Termin der Vorführungen am 1. Februar 2019 verabredet. Bei beiden Vorstellungen werde ich interessante Details zum Besten geben und auch über meine Sport-Karriere in der DDR Rede und Antwort stehen. Ohne das Engagement von Christina Gärber wären diese Events wahrscheinlich nicht möglich gewesen. Es ist großartig, dass sie auch selbst regelmäßig in Jonsdorf auf dem Eis steht und mich über einen langen Zeitraum immer wieder ermutigte, nach Zittau und Jonsdorf zu kommen. Nun freut es mich besonders, dass ich in Jonsdorf noch einmal auf der Eisbahn stehen werde.

Wie, wann und unter welchen Umständen sind Sie einst mal zum Eiskunstlaufen gekommen?

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Christine Stüber-Errath: Das war in Berlin. Eigentlich wollte ich Ballett-Tänzerin werden. Mit fünf Jahren hatte ich einen ausgeprägten Bewegungsdrang. In diesem Alter gab es aber noch keine Möglichkeit, auf eine Tanzschule zu gehen. So versuchte ich es beim Rollschuhlaufen. Einige talentierte Kinder sollten dann im Winter zum Eislaufen ausgewählt werden. Ich habe mich unglaublich angestrengt. Die Übungsleiterin sagte dann: „Die kleene Errath nehmen wir mit aufs Eis. Die ist zwar pummlig, aber ulkig.“ Und mein Humor hat mich auch mein ganzes Leben lang nicht verlassen.

Mit fünf Jahren hat Ihre Karriere als Eiskunstläuferin in Jonsdorf ihren Anfang genommen. Sie sind damals sehr oft bei Schaulaufen auf der offenen Bahn aufgetreten und haben viele unvergessliche Trainingslager in Jonsdorf absolviert. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

Christine Stüber-Errath: Meine Erinnerungen sind noch heute sehr intensiv. Zunächst weiß ich noch, dass in Jonsdorf damals sehr viel Schnee lag. Das hat dann auch einen meiner Trainingskollegen veranlasst, viele kleine Schneebälle auf der Bande zu stapeln, obwohl er doch eigentlich Pirouetten üben sollte. Und beim Schaulaufen durfte ich immer der kleinste Clown sein. Der blieb am Ende als Letzter auf dem Eis und hat den meisten Beifall bekommen.
Besonders gern denke ich daran zurück, dass es in Jonsdorf eine Eisdiele gab, in die wir heimlich einkehrten. Eigentlich war es uns ja untersagt, süße Sachen zu essen – wegen der Figur.

Wie viel Aufwand, Mühen, Fleiß und Entbehrungen haben Sie als Kind, Jugendliche und später als erfolgreiche Sportlerin aufgebracht, um Weltmeisterin und mehrfache Europameisterin zu werden?

Christine Stüber-Errath: Das Eislaufen hat mir als Kind immer Spaß gemacht. Das Training war für uns etwas Besonderes. Wir sind schon als Kinder viel unterwegs gewesen zu Wettkämpfen und Schaulaufen. Die Herzen der Menschen flogen uns zu. Ich denke noch heute daran, wie ich schon mit neun Jahren bei einem internationalen Wettbewerb dabei war und mit zwölf Jahren sogar bei den Europameisterschaften in Garmisch-Partenkirchen an den Start ging. Je älter ich wurde, desto höher wurden allerdings die Anforderungen und ich musste den ganzen Tag auf der Eisbahn verbringen. Früh um 7.00 Uhr ging das Training los. Es war kalt und wenn man hingefallen ist, tat das auch weh. Eis ist hart. All das wird in dem Film „Die Anfängerin“ auch thematisiert. Die Dreharbeiten fanden genau auf der Eisbahn in Berlin statt, auf der ich als Kind und Teenager viele Stunden hart trainiert habe. In meinem 60. Lebensjahr bin ich nun als Hobbyläuferin für den Film dorthin zurückgekehrt.

Wie haben Sie Ihre sportlichen Sternstunden damals erlebt?

Christine Stüber-Errath: Das ist echt schwer zu beschreiben. Ein ganzes Jahr bereitet man sich jeden Tag auf eine Meisterschaft vor. Freizeit gab es kaum. Meine Welt war die Eishalle. Und dann kommt es wirklich am Wettkampftag auf wenige Minuten an, in denen man auf die Sekunde fit sein muss. Wenn ich über mein Lampenfieber heute nachdenke, dann bin ich schon beeindruckt, dass ich das geschafft habe. Und wenn man dann auf dem obersten Treppchen steht und alle Menschen jubeln, dann ist das schon ein ausgesprochenes Glücksgefühl. Besonders die Anteilnahme in der Heimat beflügelte mich über die Jahre. Noch heute gibt es Fans, die sich mit Freude an meine aktive Eislaufzeit erinnern. Das berührt mich sehr. Auf diese Weise ist auch der Kontakt zu Christina Gärber entstanden. Sie hat mir früher die Daumen gedrückt und ist noch heute begeistert.

Gab es denn auch ganz lustigen Anekdoten in Ihrer sportlichen Karriere auf dem Eis?

Christine Stüber-Errath: Jeder, der sich für meine verrückte Lebenskür interessiert, wird ganz bestimmt Freude an meinem Buch „Meine erste 6,0“ haben. Die Geschichten erzählen Spannendes und Unterhaltsames aus meinem Leben auf und hinter der Eisbahn. Es ist ein tiefer Blick in meine Seele. Das Buch ist im Selbstverlag erschienen, mit über 100 Fotos, hätte auch ein Roman über Liebe, Lust und Leidenschaft werden können. Ich bringe auch einige Exemplare am 1. Februar mit ins Kino. Ich in sehr abergläubisch und hatte vor den Wettkämpfen so meine Zeremonie. Unter anderem gehörte dazu, dass ich immer in eine Zitrone vor dem Auftritt gebissen habe, damit der Mund nicht trocken wurde. Einen Glückspfennig in der Landeswährung des Wettkampfortes zu finden, gehörte auch zu meinen Ritualen. Besonders 1974 bei den Europameisterschaften in Zagreb, wo ich das erste Mal einen dreifachen Sprung in der Kür zeigen wollte, war es ein großes Glück, dass ich auf dem Weg zur Eishalle vor meiner Kür diese Münze gefunden habe. So war ich mir sicher, dass das „klappen“ wird mit dem Sprung. Hat es auch. Verrückt, oder?

Wie viel Wehmut war dann bei Ihnen dabei, als Sie Ihre sportliche Karriere 1976 beendet haben?

Christine Stüber-Errath: Im Film „Die Anfängerin“ gibt es eine Szene, in der gesagt wird, dass ich mit 19 Jahren schon mit dem Eislaufen aufgehört habe. Das stimmt. In dem Alter fängt man heute eigentlich erst richtig an. Ich hatte mit 19 Jahren schon alle großen Titel gewonnen. Ich war dann in der Olympischen Saison 1976 auch verletzt. Der schwerwiegendste Grund, warum ich dann aus eigener Entscheidung aufgehört habe, war die Tatsache, dass ich „die Nase voll hatte“ von den Funktionären des DDR-Eislaufverbandes und den Ungerechtigkeiten, die es in diesem Sport leider gibt und die mich als Berlinerin immer sehr hart trafen. Ich trainierte ja nicht in Karl-Marx-Stadt, wo Jutta Müller das Sagen hatte. Meine Trainerin war Inge Wischnewski. Ihr habe ich meine Erfolge zu verdanken. Wir mussten gemeinsam immer gegen Windmühlen kämpfen. Als ich meine Entscheidung bekannt gab, bin ich im DDR-System, wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen worden. Das war mit 19 Jahren schwer zu ertragen. Ich musste mich von ganz unten wieder hoch kämpfen. Allein die Schilderung meiner zahlreichen Krisen im Leben und wie ich damit klargekommen bin, lohnt schon, mein Buch zu lesen.

Wie hat sich Ihr Leben nach dem Sport verändert?

Christine Stüber-Errath: Na ja, das einzige, was ich wirklich gut konnte, war Eislaufen. Es war aber nicht möglich, bei einer Eisrevue zu laufen. Dafür gab es keine Erlaubnis. Überhaupt durfte ich nach dem Ende meiner Karriere auch nicht mehr ins westliche Ausland fahren.Ich beendete meine Schule, legte das Abitur mit sehr gut ab. Ich bin immer gern zur Schule bzw.KJS gegangen. Dann absolvierte ich ein Volontariat beim DDR-Fernsehen. Es war immer mein Wunsch, als Journalistin zu arbeiten. Allerdings studierte ich Germanistik, bin Diplom-Germanistin. Während der Jahre an der Humboldt-Uni kamen meine beiden Kinder auf die Welt. Das war echt eine Herausforderung, Studium, Kinder und Familie unter einen Hut zu bekommen. Nach dem Studium ist es mir dann tatsächlich gelungen, beim Fernsehen als Moderatorin zu arbeiten. 15 Jahre gehörte ich auch zum Team von „Außenseiter-Spitzenreiter.“ Da bin ich vielen Menschen sehr nah gekommen, durch die unzähligen Geschichten, die mir für die Sendung erzählt wurden. Diese Begegnungen trage ich wie einen Schatz in meinem Herzen.

Inwieweit verfolgen Sie heute noch die Eiskunstlaufszene im Hochleistungssport?

Christine Stüber-Errath: Das werde ich oft gefragt. Natürlich interessieren mich die Wettkämpfe. Und ich gehöre zu denen, die extrem berührt und begeistert waren von dem wundervollen Sieg unseres Paares Aljona Savchenko, Bruno Massot bei den vergangenen Olympischen Winterspielen. Mit Alexander König, dem Trainer der beiden, bin ich noch gemeinsam gelaufen. Meine Freude war so groß, dass der Sieg noch möglich war, obwohl es eigentlich unmöglich erschien. Insgesamt jedoch bin ich von der Entwicklung im Eiskunstlaufen nicht begeistert. Es ist mir inzwischen viel zu technisch geworden. Die vielen Dreifach- und Vierfachsprünge, zum Teil in Kombination, lassen den Läufern zu wenig Freiraum für Eiskunstlauf. Aus meiner Sicht verliert dieser schöne Sport dadurch an Attraktivität. Viele Stürze sind die Folge, weil die Sprünge sehr hoch bewertet werden und jede bzw. jeder versucht das Schwierigste, um viele Punkte zu bekommen. Mir gefällt das nicht.

In dem Film „Die Anfängerin“ spielen Sie     – wie schon erwähnt – in einer spannenden Nebenrolle selbst mit. Wie war es nach so vielen Jahren, wieder auf dem Eis zu stehen? Mussten Sie da wieder ganz von vorn anfangen? Oder saßen die Abläufe auf dem Eis noch wie früher?

Christine Stüber-Errath: Na, ganz im Gegenteil. Ich stand 20 Jahre gar nicht auf dem Eis und habe für den Film 2012 wieder mit dem Eislaufen angefangen. Es hat lange gedauert, bis ich das „Eisgefühl“ wiederfand. Das ist eben anders als beim Radfahren oder beim Schwimmen. Das Eislaufen kann man ohne regelmäßiges Training auch wieder verlernen. Heute allerdings fühlt sich das Gleiten auf dem Eis wieder an wie Schweben. Und ich gehe weiter regelmäßig zum Training. Allerdings in eine Hobby-Eislaufgruppe. Meine Mitstreiterinnen wirken im Film auch mit. Eine von ihnen wird in diesen Tagen 80 Jahre jung. Das beweist doch, dass Eislaufen fit hält und dass es sich lohnt, in jedem Alter Sport zu treiben.

Um was ging es Ihnen ganz konkret in dem Film?

Christine Stüber-Errath: Die Idee zu diesem berührenden Film hatte Alexandra Sell. Sie hat mich schon 2010 gefragt, ob ich sie unterstützen würde bei der Vorbereitung. Wenn man so will, haben Alexandra Sell und ich acht Jahre unseres Lebens für den Film gekämpft. Um diese wundervolle Filmidee umzusetzen, brauchte es eben auch viel Geld. Gern werde ich im Kino dazu etwas sagen. Was mich jedoch besonders gereizt hat, in dem Film auch selbst mitzumachen, ist die Tatsache, dass ich anderen Menschen Mut machen möchte, sich in jedem Alter etwas zuzutrauen. Im Film erfüllt sich eine 58-jährige Frau den Kindheitstraum vom Eislaufen. Es ist großartig, dass Ulrike Krumbiegel als Hauptdarstellerin alle Szenen auf dem Eis selbst läuft. Ich finde das bewundernswert. Und die Tatsache, dass nichts gedoubelt wurde, macht den Film auch so glaubwürdig.

Welche Wünsche begleiten Sie für die Events in Jonsdorf und Zittau?

Christine Stüber-Errath: Ich wünsche mir, dass viele Eislauf-Fans den Weg zur Eisbahn nach Jonsdorf und zum Kino „Hillersche Villa“ in Zittau finden werden. Ich freue mich so sehr auf die Begegnungen mit Menschen, die mich vielleicht noch als Eisläuferin aus den Siebzigern „des vorigen Jahrtausends“ kennen. Das verbindet, weil wir alle über 40 Jahre älter geworden sind. Ich kann versprechen, dass wir gemeinsam eine emotionale und unvergessliche Zeit erleben werden. Und ich habe wirklich viel zu erzählen.

Steffen Linke / 30.01.2019

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