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Fans spaltet Neustart in der Bundesliga

Fans spaltet Neustart in der Bundesliga

Das runde Leder rollt wieder in Deutschland – zumindest in der Beletage. Die Politik hat trotz Corona-Krise grünes Licht für den Neustart im Profifußball gegeben. Die Bundesliga darf mit hygienischen Auflagen und Geisterspielen die Saison beenden. Wenn alles gut geht, gibt es somit eine sportliche Entscheidung in der Meisterschaft und keine am „grünen Tisch“. Steffen Linke, Redakteur des „Oberlausitzer Kurier“, holte dazu Reaktionen von einigen Fans in der Region ein.

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Peter Moc

Peter Moc (62 Jahre) aus Zittau sagt dazu: „Vereine im Profifußball sind Wirtschaftsunternehmen, die wieder in die Gänge kommen müssen.“ Für den Neustart sei ein schlüssiges Konzept vorgelegt worden. Diese Möglichkeiten gebe es für kleine Vereine oder in anderen Sportarten leider nicht. Die Profis sollen die Saison zu Ende spielen. „Ich finde es gut, dass es wieder losgeht. Natürlich geht das nur mit Geisterspielen. Da müssen wir aufgrund der Situation die Kirche im Dorf lassen“, sagt er. Der Fußball     würde wieder Freude bereiten und die Menschen ablenken. Und endlich käme im Fernsehen mal etwas anderes als nur Wiederholungen. „Was nützt mir ein Klassiker von 1992 im TV? Ich komme mir da immer vor wie ein Hellseher, weil ich das Ergebnis schon kenne“, sagt er.

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Markus Neugebauer

Laut Markus Neugebauer, alias DJ Herr Voragend aus Löbau, gibt es derzeit aufgrund der Corona-Pandemie weitaus wichtigere Dinge, als sich auf die Fußball-Bundesliga zu konzentrieren, weil die Menschen auch mit vielen Einschnitten leben müssen: „Wie soll ich jemandem erklären, dass Kinder eine ganze Weile nicht auf den Spielplatz durften, aber Fußball-Profis getestet werden, um ihren Job nachzugehen? Natürlich wird sich der ein oder andere Fan auch die Spiele in der Sportschau ansehen. Bei mir kommt aber im Endspurt der Fußball-Bundesliga nur wenig Lust und Laune auf, wenn ich mir zum Beispiel das Revierderby Borussia Dortmund gegen Schalke 04 vor leeren Rängen anschauen soll.“ Markus Neugebauer hofft auch, dass durch die Corona-Krise das gesamte System der Vermarkung etwas gesundet: „Mir wäre es lieber gewesen, die Saison wie in anderen Ländern abzubrechen, anstatt den Fußballern eine Extrawurst zu braten.“

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Steffen Tille (54) aus Zittau findet es nicht in Ordnung, „dass die Bundesliga wieder starten darf. Alle anderen bekommen vorgeschrieben, wie sie sich zu verhalten haben – nur die Fußballer in dem Sinn nicht. Für mich steht die Gesundheit der Menschen an erster Stelle. Ich vermute aber, dass das wie früher ist – ,Brot und Spiele für die Gesellschaft’.“ Und er fügt hinzu: „Ich hätte die Saison – wie auch in anderen Ländern in Europa gehandhabt – abgebrochen und den letzten aktuellen Tabellenstand gewertet. Geisterspiele kann ich sowieso nicht nachvollziehen. Da herrscht keine Atmosphäre und kein Fluidum im Stadion.“
Und was erwartet Steffen Tille nun vom Rest der Bundesligasaison? „Dass Bayern München deutscher Meister wird“, antwortet er als jahrelanger Fan seiner Roten.

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Mirko Engelmann

Mirko Engelmann (30) aus Zittau kann sich nicht wirklich für den Neuanfang begeistern und findet es schade, „dass die Medien immer berichten, dass zu wenige Corona-Tests zur Verfügung stehen, im Fußball nun aber vor jedem Spiel mehrere hunderte Tests gemacht werden können. Ich hätte die Meisterschaft ohne Auf- und Absteiger beendet und wäre mit den aktuell selben Teams in die neue Saison gestartet.“ Und er fährt fort: „Geisterspiele finde ich einfach nur langweilig. Das letzte Spiel in der UEFA Champions League von Borussia Dortmund bei Paris Saint-German ohne Fans war grausam, weil keine Stimmung aufkam. Für mich fühlte sich das an, als würde ich einen aktuellen Kinofilm ohne Ton anschauen.“

Mirko Engelmann glaubt, „dass der Fußball gegenüber anderen Sportarten bevorzugt wird. In der Bundesliga geht es um sehr viel Geld. Gerade jetzt sollten die ganzen Topverdiener mit gutem Beispiel vorangehen und Abstriche bei ihren Gehältern machen. Niemand redet von anderen Sportarten, die finanziell noch größere Probleme haben, da keine Wettkämpfe stattfinden.“ Nochmals Mirko Engelmann: „Ich erwarte vom Rest der Bundesligasaison ein faires Ende und vor allem ein Transferverbot für alle Mannschaften. Die Clubs und Spieler sollten wenigstens einmal nicht nur an das Geld denken.“

Nach Auffassung von Lars Müller (51) aus Zittau hat bei der Entscheidung, die Spiele in der Bundesliga wieder anzupfeifen , der Kommerz über die Vernunft gesiegt: „Das ist mir aber völlig egal. Ich hatte an den Wochenenden ohne Fußball richtige Entzugserscheinungen. Ich drücke meinen Lieblingen immer die Daumen – und das schon seit vielen Jahren. Ich freue mich absolut darauf, dass es wieder losgeht.“ Natürlich seien Geisterspiele ohne Kulisse sehr gewöhnungsbedürftig. „Trotzdem spüre ich in mir das Adrenalin, wenn meine Jungs wieder spielen“, sagt er.

Redaktion / 17.05.2020

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