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Update: Förderverein will Krone zu neuer Blüte verhelfen

Update: Förderverein will Krone zu neuer Blüte verhelfen

Im vergangenen Jahr machten sich anlässlich des Denkmaltages mehr als 1.000 Besucher ein Bild von der Stadthalle Krone. Diesmal soll das Haus auf Anweisung der Stadtspitze geschlossen bleiben. Foto: Archiv

Bautzen. Das Krone-Areal bleibt auch nach seinem Verkauf an die städtische Wohnungsbaugesellschaft (BWB) ein lukratives Geschäftsfeld. Das zeigen Zahlen auf, die die Stadt in dieser Woche auf Anfrage veröffentlichte. Allein aus der Parkplatzvermietung würden um die 160.000 Euro erzielt, wie Stadtsprecher André Wucht sagte. Zum Vergleich: Der bisherige Eigentümer – die Berliner Onnasch-Gruppe – hatte zuletzt gegenüber dem Oberlausitzer Kurier von rund 150.000 Euro im Jahr gesprochen. Das geht auch aus einem Schreiben hervor, das der Redaktion vorliegt. Hinzukommen die Einnahmen aus Vermietung – etwa 85.000 Euro.

Alles steht und fällt mit dem Brandschutz

Wohl auch vor diesem Hintergrund haben sich jüngst fraktionsübergreifend Stadträte für eine Wiederbelebung des Stadthallensaales ausgesprochen. Dieser ist seit Ende Januar vergangenen Jahres ungenutzt. Allerdings, so André Wucht: „Die größte Unsicherheit liegt nach wie vor beim Brandschutz und den technischen Anlagen. Die BWB versucht derzeit auf Basis der vorliegenden Unterlagen eine verlässliche Aussage zu erhalten, ohne dafür hohe Ausgaben tätigen zu müssen. Möglicherweise wird dies jedoch ohne eine Beauftragung eines Architekten mit dem gesamten Umfang eines ganz neuen Brandschutzgutachtens nicht möglich sein.“ Ein in den Unterlagen vom früheren Besitzer erwähntes und mit dem 2. Juli 2002 datiertes Schriftstück fehle bislang. „Dieses Brandschutzgutachten taucht in einigen Unterlagen nur als Verweis auf. Der Eigentümer hat es nicht übergeben.“ Es liege weder der Stadtverwaltung noch der Feuerwehr, dem Landkreis oder dem Theater vor, das den Saal jahrelang als Interimsstätte nutzte.

„Zum Betreiben des Saales kann man unterschiedliche Brandschutzlösungen anwenden“, betonte indes FDP-Mann Mike Hauschild. „Die Umbauten zu Horrorkosten sind da die Luxusvariante. Ich habe mich mit erfahrenen Fachleuten beraten und wurde auf einfachere und nur einen Bruchteil so teure Lösungen aufmerksam gemacht. Es richtet sich am Ende alles nach der gewünschten Nutzung. Die Monstersumme von fünf Millionen Euro ist nur für eine Komplettsanierung auf den neuesten Stand kalkuliert. Das aber fordert niemand.“ Trotz aller Hürden, die die Stadt möglichen Betreibern nach wie vor in den Weg zu stellen versucht, bleibt die Zuversicht: „Sobald es einen konkreten Nutzer gibt, kann es ganz schnell gehen. Wir leben doch auch im Land der Ingenieure und nicht nur der Verhinderungspolitiker. Schon der Fall Bombardier-Brücke zeigt: Wenn man will, geht alles. In dem Fall haben wir Millionenausgaben beschlossen, ohne einen Euro Fördergeld sicher zu haben. Ich setze als ersten Nutzer auf das Sorbische Nationalensemble.“

Dieses hatte nach unseren Informationen bereits Interesse an einer Nutzung des Krone-Saales bekundet – und zwar für die Zeit, in der das Haus an der Äußeren Lauenstraße umgebaut wird. Das dürfte auch im Rathaus nicht ungehört bleiben. Von dort hieß in dieser Woche einmal mehr: „Sofern es private Interessenten gibt, die die Kosten und das Risiko tragen, wird sich die Verwaltung nicht dagegen verwehren.“ Die Kommune selbst hält Abstand von einer Betreibung. Zu groß seien der finanzielle Aufwand und die rechtlichen Schranken für den Betrieb einer Veranstaltungshalle an dieser Stelle. Sie betrachte vielmehr den gesamten Standort, zu dem auch die Steinstraße 15 gehört. Allerdings musste sich die Verwaltung eingestehen, dass es für das etwa 9.000 Quadratmeter große Gelände im Herzen von Bautzen „noch kein greifbares Konzept gibt“. „Dazu verfügt das Areal noch nicht über die notwendige Priorität“, meinte André Wucht in dem Zusammenhang.

Hingegen steht eine Bürgerinitiative seit Wochen in den Startlöchern. Sie trug nicht nur Zahlenmaterial zusammen, um für sich einen Überblick zu gewinnen. Auch mit unterschiedlichen Veranstaltern sei man bereits im Gespräch, so BI-Sprecherin Utta Winzer. Zudem haben sich Krone-Befürworter auf die Fahnen geschrieben, den Kontakt zum benachbarten Hotel aufzufrischen, um ihm die Stadthalle unter anderem als Tagungsstätte schmackhaft zu machen. Damit würden sie an eine frühere Kooperation beider Einrichtungen anknüpfen. Unabhängig davon soll es nicht bei einer reinen Bürgerbewegung bleiben. „Wir haben bereits eine Satzungsvorlage ausgearbeitet“, betonte Utta Winzer. „Ziel ist, demnächst einen Förderverein Krone Bautzen eintragen zu lassen. Unabhängig davon haben wir erste Unterstützer für das Bürgeranliegen, wieder kulturelles Leben in die Krone zu bringen, gewinnen können.“

Krone lädt nun doch zum Besuch ein

Die inzwischen Tausenden Befürworter eines Krone-Probebetriebes haben indes Grund zur Hoffnung: Wie schon im vergangenen Herbst wird der momentan ungenutzte Stadthallensaal am Tag des offenen Denkmales für eine Stippvisite zugänglich sein. Nach mehreren Gesprächen habe man sich darauf geeinigt, dass die Krone durch die BWB nun doch geöffnet werden kann, teilte die Stadtverwaltung am Montagnachmittag in der von ihr veröffentlichten Medieninformation mit. Formal sei die Stadthalle zwar weiterhin kein eigenständiger Teil des Programms, aber den Bürgerinnen und Bürgern solle ermöglicht werden, die Räumlichkeiten zu besichtigen. Dazu sagte Oberbürgermeister Alexander Ahrens: „Das Thema der Öffnung der Krone zu Besichtigungszwecken ist keinen erbitterten Streit wert. Die BWB und die Bürgerinitiative können die Krone an dem Tag öffnen, da wir einer Besichtigung des Areals nicht im Wege stehen wollen“.

Noch vor wenigen Tagen klang das ganz anders. Damals schloss die Stadtspitze ein solches Entgegenkommen kategorisch aus. Über Rathaussprecher André Wucht ließ sie verlauten, dass es wenig nutze, das Haus ohne jeglichen Hinweis auf die tatsächlichen Probleme vorzuzeigen. Utta Winzer hält dagegen: „Schon im vergangenen Jahr haben auch wir während der Rundgänge durchs Gebäude gesagt, dass der Brandschutz noch zu klären ist. Dass sich dieses keinesfalls auf dem aktuellen Stand der Technik befindet, wurde ebenfalls nicht verschwiegen.“ Doch die Führungsriege im Rathaus schob zunächst noch einen anderen Grund vor, weshalb die Krone am 8. September nicht für Neugierige geöffnet werden könne. Sie sei kein Denkmal.

Denkmalschutzexperten im Bautzener Landratsamt hingegen wollen diese Aussage nicht zu hundert Prozent unterstreichen. Es käme durchaus auf eine Prüfung an, hieß es von dort auf Anfrage. Die Eigenschaften des Gebäudes und der zeitliche Bezug würden eine solche rechtfertigen. 1967 war die Stadthalle Krone im Zuge der Arbeiterfestspiele errichtet worden. Zum Vergleich: Der nur zwei Jahre später erbaute Kulturpalast in Dresden – ein modernistischer DDR-Bau des Architekten Wolfgang Hänsch – steht seit 2008 unter Denkmalschutz. Indes ist sich nicht nur Utta Winzer sicher, dass die Krone dem Motto des diesjährigen Denkmaltages Rechnung trägt. Dieses lautet 2019 „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“.

Das Anwesen selbst war im vergangenen Jahr auf Grundlage eines Stadtratsbeschlusses für rund 2,19 Millionen Euro von der BWB erworben worden. Dafür hatte das Unternehmen, das auch 2019 Gewinne schreibt, einen Kredit in Höhe von rund einer Million Euro aufgenommen, der nun mit Hilfe eines Teils der Einkünfte getilgt wird.

Roland Kaiser / 02.07.2019

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Kommentare zum Artikel "Update: Förderverein will Krone zu neuer Blüte verhelfen"

Die in Kommentaren geäußerten Meinungen stimmen nicht unbedingt mit der Haltung der Redaktion überein.

  1. Diethold Tietz schrieb am

    Lobenswerter Sieg der Vernunft von dialogbereiten Gegnern wie Befürwortern! Es gilt das Prinzip: Demokratie ist das Organisieren von Mehrheiten.