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Gemeinde am Schiebocker Stadtrand will weiter wachsen

Gemeinde am Schiebocker Stadtrand will weiter wachsen

Während in Großharthau noch kräftig an einigen Neubauten gewerkelt wird, denkt die Gemeindeverwaltung bereits über ein weiteres größeres Wohngebiet in unmittelbarer Nähe nach. Foto: RK

Großharthau. Jens Krauße hat ein Ziel vor Augen. Der langjährige Bürgermeister der Gemeinde Großharthau will den namensgebenden Ortsteil in den kommenden Jahren weiter aufwerten und somit für noch mehr Familien von außerhalb attraktiv machen. Nach zwei bereits erschlossenen neuen Wohngebieten denken er und seine Verwaltung inzwischen über ein drittes nach – samt Zufahrtsstraße, die die künftigen Baufelder mit den bereits bestehenden verbinden soll. Und das alles in unmittelbarer Nähe von Grundschule und Kindertagesstätte.

„Auch wenn wir damit in Dresden und Bautzen auf Gegenwind stoßen: Uns liegt ein seit 1999 behördlich genehmigter Flächennutzungsplan vor, der uns diese Freiheiten einräumt. Den werden wir, wie an uns herangetragen wurde, auch nicht abändern lassen. Denn das kostet viel Geld“, meint das Gemeindeoberhaupt. Damit widerspricht der Bürgermeister den Landesplanern, denen laut Jens Krauße die Entwicklung in dem im Dresdener Speckgürtel gelegenen Dorf offenbar zu schnell voranschreitet. „Dabei haben wir alles zu bieten, was die Menschen zum Leben hier benötigen. Die kommen von ganz allein zu uns, auch weil die Grundstückspreise noch bezahlbar sind“, fügte er hinzu. Dass vonseiten einzelner Behörden Großharthau der Riegel vorgeschoben werden soll, kritisiert er aufs Schärfste. „Genau wie jede andere Gemeinde im ländlichen Raum, dessen nachhaltige Entwicklung immer wieder seitens der Landespolitik betont wird, benötigen wir junge Menschen, die unsere Bildungs- und Kindertageseinrichtungen auslasten und die Reihen der Feuerwehr verstärken. Ich fordere deshalb, dass der ländliche Raum auch endlich aus landesplanerischer Sicht die gleichen Chancen bekommt wie es vonseiten der Landesregierung oft propagiert wird.“ Bislang sehe die Wirklichkeit gerade in Hinblick auf den Landesentwicklungsplan anders aus.

Großharthau verfügt seit Jahren über keinen besonderen Status. Deshalb sei nur eine Eigenentwicklung zulässig, also das Schließen von einzelnen Baulücken, nicht aber die Errichtung ganzer Wohngebiete, versucht der Bürgermeister die Denkweise der Landesplaner zu erklären. Das aber deckt sich nicht mit den Vorstellungen, die die Kommune hat. Sie plant die Erschließung von weiteren 30 Bauplätzen und hofft dabei weiterhin auf eine breite Unterstützung im Gemeinderat. Damit würde das Dorf Großharthau insgesamt über etwa 90 neue Eigenheimstandorte, die im Zeitraum der zurückliegenden Jahre entstanden. Darüber hinaus ist perspektivisch angedacht, auf einer Wiese neben dem Feuerwehrgerätehaus Platz für acht Wohngebäude zu schaffen.

Bevor es jedoch mit der Erschließung des dritten Wohngebietes losgehen kann, soll der dem zugrundeliegende Bebauungsplan noch einmal öffentlich ausgelegt werden. „Während der Corona-Hochzeit konnte die Bürgerbeteiligung nicht in dem notwendigen Maße erfolgen.“ Allem Druck von außen zum Trotz geht Bürgermeister Jens Krauße davon aus, dass spätestens im kommenden Jahr mit der Erschließung begonnen werden kann. Und noch ein Vorhaben verknüpft er damit. Dem Gemeindeoberhaupt schwebt mittelfristig der Bau eines Hortzentrums vor, in dem einmal bis zu 100 Betreuungsplätze vorgehalten werden könnten. Allerdings ist in dem Fall bislang noch fraglich, wie die Kommune die Finanzierung stemmen soll. In dem Zusammenhang werden große Hoffnungen in das beschlossene Strukturstärkungsgesetz gelegt, das Anfang Juli im Zuge des bis 2038 anvisierten Ausstiegs aus der Braunkohleverstromung verabschiedet wurde. Demnach sollen die Kohleregionen bis dahin Finanzhilfen von bis zu 14 Milliarden Euro für besonders bedeutsame Investitionen von Ländern und Gemeinden erhalten. Großharthau ist zwar nicht von dem Bodenschatz abhängig, möchte aber gern etwas vom Kuchen abhaben. Inwieweit das gelingt, wird sich zeigen.

Roland Kaiser / 19.07.2020

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Kommentare zum Artikel "Gemeinde am Schiebocker Stadtrand will weiter wachsen"

Die in Kommentaren geäußerten Meinungen stimmen nicht unbedingt mit der Haltung der Redaktion überein.

  1. Tigram schrieb am

    Das hört sich gut an. Vielleicht sollte man in diesem Zuge mal an die Verbesserung der Radwege denken. Die Radwege rund um Großharthau sind lebensgefährlich. Vorwiegend nur steinig, matschig, sandig. Größere Löcher werden mit grobem Kies gestopft, was bei einer Bremsung zum Sturz führen kann.

    Man kann die schöne Landschaft nicht genießen, weil man nur auf den Weg achten muss, um Stürze zu vermeiden. Eigentlich müsste an jedem Hinweisschilder für die Radwege "Benutzen auf eigene Gefahr" stehen.

    Es ist ja sicher nicht im Sinne des Erfinders, dass die neuen Bewohner aus den drei neuen Wohngebieten ihre Räder auf das Auto schnallen, um zu einem besseren Radweg zu fahren. Umwelttechnisch wäre dies vollkommen unverantwortlich.

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