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Hilfe für Tschernobyl auch nach 30 Jahren

Hilfe für Tschernobyl auch nach 30 Jahren

Vereinschefin Christina Zickler plant und koordiniert auch in diesem Jahr wieder den Aufenthalt der beiden Kindergruppen. Hinter ihrem Schreibtisch hängen die Dankeschön-Plakate des vergangenen Jahres. | Foto: kk

Kamenz. 30 Jahre sind vergangenen, seit am 26. April 1986 in Tschernobyl der Reaktor des Atomkraftwerkes explodierte. Seit 1990 kommen Kinder aus einer betroffenen Region in Weißrussland nach Kamenz, organisiert vom Verein Initiative Kinder von Tschernobyl.

Für dieses Jahr sind die Aufenthalte der Kinder aus Weißrussland gesichert. Schon im vergangenen Jahr hatte die Initiative Kinder von Tschernobyl begonnen, Geld- und Sachspenden zu sammeln. Froh über die vielen Unterstützer ist die Vereinsvorsitzende Christina Zickler. „Wir sind sehr erleichtert, dass auch im 30. Jahr nach der Reaktorkatastrophe wieder Kinder zu uns kommen können“, sagt die 63-Jährige.  



Die Situation in Weißrussland habe sich seitdem nicht grundlegend verändert. Die durch den radioaktiven Niederschlag verseuchte Erde bleibt für Generationen ein Problem. Auch außerhalb der 30-Kilometer-Sperrzone rund um das Atomkraftwerk ist die Natur nicht gesund. Doch die Radioaktivität sieht, riecht und schmeckt man nicht. Und die Menschen in den Dörfern der Region Buda-Koschelewo können nirgends anders hin. Sie leben von dem, was sie nah ihrer Häuser im Garten anbauen können. „Auf dem Land scheint die Zeit stehen geblieben“, berichtet Christina Zickler. Bestimmt schon zehn Mal war sie in der Region Buda-Koschelewo. Sie hat Gasteltern begleitet, die „ihre“ Tschernobyl-Kinder besucht haben. In der Stadt Minzk ist die Situation etwas besser, doch auch hier lasse die medizinische Versorgung zu wünschen übrig.

Gründe, weshalb die aktuell 42 Vereinsmitglieder – viele sind seit der Gründung der Initiative im Jahr 1991 dabei – sich weiter intensiv um die Kinder von Tschernobyl kümmern. In diesem Jahr werden wieder 14 neun- bis zwölfjährige Mädchen und Jungen mit zwei Betreuern zu Gastfamilien nach Kamenz, in Oßling, Haselbachtal und anderen Orte kommen. Drei Wochen lang erholen sie sich in der Oberlausitz. Der Verein hat einige Ausflüge in die Sächsische Schweiz, den Saurierpark und die Schwimmhalle geplant und die Gasteltern werden mit ihren Schützlingen an den Wochenenden Ausflüge in die Umgebung unternehmen.  

Die zweite Gruppe mit 20 Kindern zwischen zehn und 16 Jahren ist drei Wochen im August im Kinderhaus Pfiffikus untergebracht. Alle haben Diabetes Typ I. Eine Erkrankung, deren Auftreten in den Jahren nach der Reaktorkatastrophe zugenommen hat, bestätigt eine Minsker Ärztin, mit der der Kamenzer Verein seit 1996 zusammenarbeitet. In Kamenz lernen die Kinder ganz intensiv, mit dieser dauerhaften Beeinträchtigung umzugehen. „Sie sollen annähernd normal leben können“, erklärt Christina Zickler. Aus Berichten weiß sie, dass den Kindern der Aufenthalt in Kamenz gut getan hat.

Diese positiven Rückmeldungen sind es, die den Vereinsmitgliedern jedes Jahr wieder Kraft geben, die Mühen auf sich zu nehmen. Unterstützung gibt es auch von der Stadt Kamenz. So kann der Verein das Kinderhaus mietfrei nutzen, muss aber für die Betriebskosten aufkommen und sich um das Außengelände kümmern. Für die Zeit der Kinderaufenthalt hat Christina Zickler wieder 1-Euro-Jober zur Unterstützung in der Küche und für Hausmeisteraufgaben beantragt. Bei größeren Maßnahmen, beispielsweise dem Baumverschnitt, gibt es wiederum Hilfe von der Stadt.
Damit ist das Engagement der 42 Vereinsmitglieder noch nicht erschöpft. Die Kamenzer Initiative unterstützt Hilfstransporte nach Weißrussland. Im Vereinsstützpunkt in der Fichtestraße werden Kleiderspenden angenommen und sortiert. Nach Weißrussland bringt die Sachen der Tschernobylverein in Ottendorf-Okrilla. „Früher haben wir die Hilfstransporte selbst organisiert und auch drei Kindergruppen im Jahr nach Kamenz eingeladen“, sagt die Vereinsvorsitzende. Doch die Arbeit war damals auf mehrere Schultern verteilt, es gab ABMer, die den Verein übers Jahr unterstützten und mehr Mitglieder. „Nachwuchs haben wir kaum“, so Christina Zickler. Das Interesse der Menschen nehme 30 Jahre nach der Katastrophe ab. Erfreut ist sie, dass sich trotzdem neue Gastfamilien finden.

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Die weißrussischen Kinder haben bei ihren Aufenthalten in Kamenz immer viel Spaß. | Foto: privat



Die Hauptverantwortung liegt beim Verein und zu großen Teilen bei der Vorsitzenden. Sie organisiert den Bustransport der Kinder, die Versicherung und die Hygieneüberwachung, entwirft den Betreuungsplan und wirbt um Spenden. Eine Aufgabe, bei der alle Vereinsmitglieder sehr rührig sind. „So ist der Kraftakt gelungen, für dieses Jahr den Aufenthalt der Kinder zu sichern“, sagt sie. Einen Blick voraus wagt die Rentnerin nicht. „Im Herbst, wenn auch der Hilfstransport abgeschlossen ist, schauen wir, wie es weitergeht.“

 

Katrin Kunipatz / 26.04.2016

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