Hühnerflüsterer mit viel Hang nach Görlitz

Gregor Gysi am Geburtshaus seines Urahnen Robert Oettel am Untermarkt Foto: Matthias Wehnert
Linken-Politiker Gregor Gysi pflegt eine innigliche Verbindung zu Görlitz, denn der Begründer der „Hühneroligie“ Robert Oettel ist sein Urahn. Dem hat sich Gysi dieser Tage erneut gestellt.
Görlitz. Der Familienname Gysi ist erstmals im 15. Jahrhundert in Läufelfingen im Fürstbistum Basel belegt und leitet sich vom Vornamen Giso ab, einer Koseform für Gisbert oder Gisolf. Doch Gregor Gysi blickt nicht nur auf eine Berliner Familiengeschichte mit dem Stammvater und Seidenfärber Samuel Gysin, geboren 1681, zurück, der im frühen 18. Jahrhundert aus der Schweiz nach Spreeathen zog, sondern in väterlicher Linie auch auf seinen bekanntesten Urahn aus Görlitz – Robert Oettel. Gregor Gysi ist also Görlitz sehr anhänglich, der Niederschleische Kurier konnte ihn schon 2018 zum Grab Robert Oettels aus Görlitzer Kaufmannsfamilie auf den Nikolaifriedhof begleiten.
Am 1. Februar saß Gregor Gysi wieder einmal auf der Bühne des Görlitzer Gerhart-Hauptmann-Theaters „Auf ein Wort!“ mit dem Journalisten Hans Dieter Schütt vor dem Mikrofon. Nach der Übernachtung in Görlitz zog es ihn aber erneut zum Geburtshaus des Begründers der Deutschen Rassegeflügelzucht. Robert Oettel (1798 – 1884) setzte als erfolgreicher Geflügelzüchter Maßstäbe für eine zielgerichtete Zucht und erkannte früh die volkswirtschaftliche Bedeutung der Geflügelhaltung. Er importierte als Erster asiatische Fleischhühner, die auch im Winter Eier legten, und kreuzte sie mit heimischen Rassen. 1852 gründete er in Görlitz den „Hühnerologischen Verein“, den er bis zu seinem Tod leitete – den ersten Geflügelzuchtverein Deutschlands.
An der Gedenktafel für seinen Urahn erklärt er: „Ich hatte väterlicherseits – wie es sich gehört – auch eine Urgroßmutter. Diese Urgroßmutter hatte einen Großvater, und das war der Oettel. Demnach ist er mein Urururgroßvater. Aber ich räume ein, ich habe ihn nicht mehr persönlich kennengelernt.“ So verschmitzt kennt man Gysi – quasi als humorvollen Hühnerkasper hühnerologischer Herkunft. Spaßige Attitüden gäbe es viele, ob Eierkopf, Gockelberater, Geflügelpapst oder Stallphilosoph. Den Philosophen gab Gregor Gysi ja routiniert am Vorabend. Ob bei persönlichen oder politische Themen und aktuellen Debatten. Der Tonfall sitzt routiniert immer, selbst wenn das gebannte Publikum nicht jeden Ausflug inhaltlich teilt. Am Ende ist Gregor Gysi vielleicht zuvorderst ein echter Hühnerflüsterer.