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Jacob Böhme kehrt nach Görlitz zurück

Jacob Böhme kehrt nach Görlitz zurück

Bei den Jakuby (Jakobsfest), die das polnische Pendant zum Altstadtfest am Ostufer der Neiße darstellen, hat Jacob Böhme jedes jahr als Historienfigur seinen Auftritt. Foto: Matthias Wehnert

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Die Dreifaltigkeitskirche am Obermarkt soll zum Görlitzer „Jacob-Böhme-Zentrum“ werden. Foto: Matthias Wehnert

Nachdem die Ausstellung über den Philosophen erfolgreich in Dresden lief, soll sie dauerhaft in seine Heimatstadt wechseln. Das „Wo“ ist klar, das „Wann“ und „Wie“ noch nicht.

Görlitz/Dresden. Was gilt der Prophet im eigenen Land? Nicht viel, wenn man der Spruchweisheit glauben will. Über viele Jahrzehnte traf dies auch auf den in Görlitz geborenen Schuhmacher und Philosophen Jacob Böhme (1575 bis 1624) zu, dessen Wirken und Bedeutung bestenfalls speziell Interessierten bekannt war.

Dabei gibt es bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten Überlegungen, wie die Persönlichkeit Jacob Böhmes in Görlitz im Rahmen einer Ausstellung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann. „Der generelle Mangel an originalen Exponaten zu Leben und Werk Jakob Böhmes und die daraus resultierende Textlastigkeit des Überlieferten stellen für ein solches Vorhaben allerdings hohe Hürden dar“, formulierte der für Kultur zuständige Bürgermeister der Stadt Görlitz, Michael Wieler (parteilos), bereits im Juni 2016 in einer Beschlussvorlage für den Stadtrat. Damals war das Vorhaben der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) bekannt geworden, sich Jacob Böhme mit einer zeitweisen Ausstellung anzunähern. Warum, so fragte man sich in Görlitz, sollen nicht auch wir an diesem Projekt partizipieren? Und so trug die Stadtspitze das Anliegen an die SKD heran, die Ausstellung „nach ihrer temporären Exposition an anderem Ort dauerhaft in Görlitz zu präsentieren und in geeigneter Weise zu einem Zentrum der Böhme-Rezeption zu entwickeln.“

Zwischenzeitlich ist die Jacob-Böhme-Ausstellung der Staatlichen Kunstsammlungen mit großem Erfolg in der Schlosskapelle des Dresdner Residenzschlosses gezeigt worden. Der Görlitzer Oberbürgermeister Siegfried Deinege zeigte sich von ihr begeistert: „Die Ausstellung ‚Alles in allem. Die Gedankenwelt des mystischen Philosophen Jacob Böhme‘ beeindruckt aufgrund des Arrangements und der Klarheit der Aussagen zur Ideenwelt und Philosophie von Jacob Böhme.

Für Görlitz und Zgorzelec ist es wichtig, Jacob Böhmes Werk und die Bedeutung der Philosophie dieses Denkers weiter herauszuarbeiten und würdig zu präsentieren.“

Doch wie weit sind die Vorbereitungen für die dauerhafte Böhme-Schau in Görlitz mittlerweile tatsächlich gediehen? Immerhin liegt die letzte Befassung im Stadtrat, die mit einem Grundsatzbeschluss endete, schon wieder zwei Jahre zurück. Seitdem verliefen die Bemühungen hauptsächlich im Hintergrund, ohne in der Öffentlichkeit große Resonanz zu finden. Klar ist, dass die Dreifaltigkeitskirche am Obermarkt den Standort bilden wird: „Gespräche mit der Evangelischen Innenstadtgemeinde zur konkreten Nutzung des Kirchengebäudes haben stattgefunden. Beide Partner sind sich über die Grundsätze einer zukünftigen gemeinsamen Nutzung einig geworden. Jetzt geht es an die Feinabstimmung. Außerdem gab es ein erstes Treffen mit Vertretern des Landes und des Bundes zu Fragen der Finanzierung und zum Projektablauf“, fasst Bürgermeister Michael Wieler den aktuellen Stand zusammen. Die Dreifaltigkeitskirche bildet laut Wieler „einen authentischen Ort, den Böhme mit Sicherheit kannte und der somit Teil seiner Lebenswelt war. Zudem sollen die Themen Kulturerbe und touristischer Empfangsort in der Kirche mit berücksichtigt werden. Dafür ist die Kirche nicht nur räumlich, sondern in hervorragender Weise auch inhaltlich geeignet, weil sie gewissermaßen selbst einen Leitfaden durch das Kulturerbe der Stadt darstellt.“

Wer mit Interesse und offenen Augen durch Görlitz geht, kann aber auch jetzt schon zahlreiche Anklänge an Jacob Böhme finden. So beherbergt sein Wohnhaus am Neißeufer von Zgorzelec eine kleine Ausstellung über den laut Hegel „ersten Philosophen Deutschlands.“

Am Untermarkt steht noch die Schusterbank, an der er eigenhändig seine Schuhe verkaufte. Und das Restaurant Vino e Cultura hat seltene Erst- und Gesamtausgaben zu einer Sammlung zusammengestellt.

uwe Menschner / 24.07.2018

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