Kaum mehr Verkehrsunfälle im Landkreis Bautzen

Dieser Gefahrgutlaster legte sich am Montagnachmittag auf der A 4 quer. Bis in die späten Abendstunden war die Autobahn in beiden Richtungen gesperrt.| Foto: Rocci Klein
Schwer verletzte Autofahrer, getötete Motorradfahrer, umgekippte Lkw – kaum eine Woche vergeht, in der nicht von Unfällen auf der Autobahn und den Straßen im Landkreis berichtet wird. Scheinbar kracht es immer häufiger. Die Statistik vermeldet jedoch keine echte Zunahme.
Landkreis Bautzen. „Die A 4 in Richtung Dresden ist wegen eines Unfalls gesperrt. Es kommt zum Stau.“ Berufspendler spielen nach solchen und ähnlichen Meldungen im Verkehrsservice sofort die möglichen Ausweich- und Umleitungsstrecken durch, überlegen, wie lange sich die geplante Ankunft verzögert und wen sie darüber informieren müssen. Wohl jeder Berufspendler aber auch viele Urlaubsreisende haben schon wegen eines Unfalls im Stau gestanden. Der Verkehrsfunk ist ein Muss geworden, um der unliebsamen Warterei Stoßstange an Stoßstange zu entgehen. Und irgendwie scheinen es immer mehr Unfälle zu werden – nicht nur auf der Autobahn, sondern auch auf den Bundes-, Staats- und Kreisstraßen im Landkreis kracht es oft.
Polizeisprecher Tobias Sprunk erläutert: „Der Eindruck trügt. Die Polizeidirektion Görlitz registrierte zwischen Januar und Mai dieses Jahres insgesamt 230 Unfälle auf der A 4, davon 14 mit Personenschäden.“ Tatsächlich sei die Zahl der Unfälle auf der Autobahn sogar leicht gesunken. Im vergangenen Jahr wurden in den ersten fünf Monaten 239 Unfälle registriert, in 18 Fällen wurden Personen verletzt.
Die Verkehrsunfallkommission des Landkreises Bautzen hat zwar noch keine Zahlen für dieses Jahr, jedoch lässt sich im Rückblick auf die Jahre 2010 bis 2015 eher ein Rückgang der Unfallzahlen ausmachen. Im genannten Zeitraum wurden für das Jahr 2010 mit 9.554 die meisten Unfälle registriert. Die wenigsten Unfälle gab es 2014 (7.758). Im vergangenen Jahr hat sich die Zahl leicht auf 7.880 erhöht. Die Zahl der Verletzten hat sich nach dem Maximum im Jahr 2011 (1.445) und dem Minimum 2013 (1.221) bis zum Jahr 2015 mit 1.298 Verletzten wieder leicht erhöht. Die Anzahl Schwerverletzter bei Unfällen ist im gesamten Zeitraum relativ konstant. 2015 wurden 333 Schwerverletzte gezählt, 2011 waren es mit 363 die meisten und 2010 mit 308 die wenigsten. Die Anzahl der bei Verkehrsunfällen getöteten Personen lag 2015 mit 16 im Mittelfeld, weniger waren es 2010 (13 Tote) und deutlich mehr im Jahr 2012 mit insgesamt 25 Toten. Im Landratsamt Bautzen geht man trotz des leichten Wiederanstiegs bei fast allen Unfallzahlen von einer Fortsetzung des Rückgangs in diesem Jahr aus.
Oft wird auch die Zunahme des Verkehrs und vor allem des Schwerlastverkehrs als Unfallursache angenommen. Aktuelle Zahlen, wie viele Autos zurzeit auf Sachsens Straßen unterwegs sind, gibt es nicht. Die bundeseinheitliche Verkehrszählung fand im April 2015 statt, die Auswertung soll im Herbst 2016 vorliegen, erläutert Isabel Siebert vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr (LASuV). Schaut man sich den Bestand der Kraftfahrzeuge in Sachsen an, wird klar, dass zum 1. Januar 2016 etwas mehr 2,5 Millionen Fahrzeuge zugelassen sind. Diese Zahl hat sich seit 2010 um 100.000 Kraftfahrzeuge erhöht. Jedoch lag der Wert zwischen 2000 und 2007 schon darüber.
2007 waren 2,7 Millionen Pkw, Lkw und Kraftfahrzeuge in Sachsen angemeldet.
Die Ursachen für die Verkehrsunfälle ist wohl eher im Fehlverhalten der Autofahrer zu suchen. Die Polizei benennt für die Autobahn als Unfallursachen ungenügenden Sicherheitsabstand, Fehler beim Überholen oder Überholtwerden sowie überhöhte Geschwindigkeit. Die Verkehrsunfallkommission ermittelt Vorfahrtfehler, überhöhte Geschwindigkeit und mangelnden Abstand zum Vorausfahrenden als Hauptunfallursachen. Wildunfälle machen auf den Straßen im Landkreis fast 22 Prozent aller Unfälle aus.
| Jahr | 2010 | 2011 | 2012 | 2013 | 2014 | 2015 |
| Unfälle insgesamt | 9.554 | 8.364 | 8.478 | 8.380 | 7.758 | 7.880 |
| Anzahl der Verletzten | 1.310 | 1.445 | 1.354 | 1.221 | 1.232 | 1.298 |
| Anzahl der Schwerverletzten | 308 | 363 | 341 | 329 | 339 | 333 |
| Anzahl der Unfalltoten | 13 | 18 | 25 | 23 | 15 | 16 |
Interessant ist ebenfalls die Betrachtung des Alters der Unfallverursacher. Während die Unfallzahlen mit Fahrern, die älter als 60 Jahre sind, ansteigen, sinken die mit jüngeren Fahrern im Alter zwischen 18 und 24 Jahren. Landratsamtssprecher Gernot Schweitzer sieht als Grund dafür keine Verhaltensänderung bei den Autofahrern, sondern eine Veränderung der Bevölkerungsanteile. Während bei älteren Fahrern Unfälle vor allem aus Vorfahrtsfehlern und zu geringem Abstand resultieren, sind es bei den Jüngeren meist überhöhte Geschwindigkeit und mangelnder Abstand.
Und natürlich gibt es Unfallschwerpunkte. An der Autobahnanschlussstelle Burkau wurde bereits umgebaut. Die B 98 und die S 94 bleiben trotzdem Unfallhäufungsstellen.
In Kamenz kracht es besonders oft an der Kreuzung Hohe Straße/Fichtestraße und der Kreuzung Nordstraße/An der Windmühle/Siedlungsweg. Und selbst durchführende Straßen können zu Unfallschwerpunkten werden. Dies trifft auf die B 96 bei Holscha, die B 97 bei Schmorkau und die B 156 nördlich von Niedergurig zu. Für die Kreuzung in Siebitz gibt es bereits Überlegungen seitens des LASuV mit baulichen Veränderungen für mehr Verkehrssicherheit zu sorgen. Gleiches gilt für den Knoten S 106 und K 7275 bei Salzenforst.