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Löbau lebt 10 Jahre auch in neuer Form

Löbau lebt 10 Jahre auch in neuer Form

Jana Lambrich (links) und Micha Wagner vom Löbaulebt e.V. freuen sich auf viele Gäste zum 10. Vereinsgeburtstag am 10. Oktober an Löbaus kleinster Immobilie. Foto: Bettina Hennig

Am 10. Oktober hatte der Löbau lebt e.V. seinen 10. Geburtstag gefeiert. Doch wie gingen die Aktivitäten des Vereins damals eigentlich los und welche Entwicklung nahm der Verein?

Löbau.
Graffiti, Müll und leerstehende Gebäude – das fiel einigen auf. Der junge Löbauer René Seidel fotografierte die verwahrlosten Ecken der Stadt und machte über Facebook darauf aufmerksam. Unter dem Hashtag „Löbau antwortet“ verfasste er als anonymer Absender provokante Posts. Diese fanden viele witzig und mit einer Prise intelligenter Satire versehen. Das fiel schnell auf und erzeugte im beschaulichen Löbau viel Aufmerksamkeit und Gespräche. Seidel, Absolvent der Hochschule Zittau/Görlitz, hatte einen längeren Auslandsaufenthalt hinter sich, war Sportler und vor kurzem Vater geworden und war damals schon ein aktiver Zeitgenosse. Bloßes Hinnehmen der Zustände entsprach nicht seiner Auffassung vom lebenswerten Kleinstadtdasein. Mit weiteren fünf jungen Löbauern organisierte er gemeinsam eine für Löbau bisher ganz neue Aktion. Ein leerstehendes Gebäude sollte im Pop-up-Stil wiedereröffnet werden. Dafür kamen über eine Crowd-funding-Plattform mehr als 3.000 Euro zusammen. „Diese Summe und auch die historische Ausstellung mit Plakaten aus einem Löbau zum Teil aus den 20er-Jahren im Gewandhaus, begleitet von Musik, Theater und Catering, übertraf damals all unsere Erwartungen. Löbau hat im Mai 2016 geantwortet mit einer unglaublichen Besucherzahl von mehr als 800 Menschen“, erinnert er sich an das Event. Mit diesem frischen Wind beschlossen die Initiatoren die Gründung eines Vereins zur kulturellen Stadtbelebung. Das war vor gut zehn Jahren. Ingo Seiler, Inhaber der traditionsreichen Wendler Drogerie, gefiel die unbequeme Art der jungen Löbauer. Er bot ihnen die Nutzung von Räumen als Vereinsdomizil an. Es folgten Veranstaltungen der unterschiedlichsten Art, wie Glühweinfest, digitale Workshops für Kinder, Seniorentreffen oder Kinoabende. Alle hatten ein Ziel: die Löbauer in ihrem ruhigen Leben positiv zu ‚stören’, sie zusammenzubringen und die Vorteile gemeinsamer Aktionen erleben zu lassen.

Bald wurden die Vereinsräume der ersten Stunde zu klein und ein Umzug in die Bahnhofstraße 26, kurz B26 genannt, stand an. Die Vereinsmitglieder fanden ein nahezu leerstehendes Haus vor, das Ladengeschäft war längst verlassen. Eine Löbauer Immobilienverwaltung kümmerte sich im Auftrag der entfernt wohnenden Erben um das Gebäude. Lediglich eine der Wohnungen im oberen Teil des Gründerzeithauses war noch durch eine einzelne Person bewohnt. René Seidel und das Vereinsteam schafften es mit finanzieller Förderung, das komplette Erdgeschoss und die darüber liegende, ebenfalls als Gewerbe genutzte Etage zu entkernen und für die Vereinszwecke in sehr viel Eigenleistung umzugestalten. Als der DDR-Beton vom Fußboden weggestemmt wurde, kam mit alten Fliesen die Geschichte des Hauses buchstäblich ans Licht. 1925 wurde es als Bäckerei und Café Schnabel eröffnet, zehn Jahre später übernahm es Paul Rutsch. Bis in die 50er-Jahre war es als Café Rutsch bekannt. Vielen älteren Löbauern ist das sogar noch ein Begriff gewesen. Neugierig guckten sie damals durch große Fensterscheiben, als wieder Leben in das Gebäude einzog. Über die Jahre hinweg wurden dann wechselnde Waren wie Herrenmode, Möbel oder Obst und Gemüse angeboten.

Die Ausstellungsfläche im oberen Gewerbegeschoss wurde zu einem gemütlichen Programmkinosaal umgebaut. Nun zog Kultur ein, mit einem großen Fokus auf die Jugendarbeit. Im Erdgeschoss gründete sich mit Schülern des Geschwister-Scholl-Gymnasiums der Löbauer Makerspace Geistesblitz und widmete sich Themen aus Wissenschaft und Technik. Löbauer konnten zum Beispiel den ersten öffentlichen 3D-Drucker der Stadt erleben. Als die Sanierung der großen Fläche in der Bahnhofstraße weitgehend abgeschlossen war, nahm sich der Verein Löbaus kleinster Immobilie an, dem Kiosk an der Brunnenstraße. Er war ebenfalls von Leerstand gezeichnet. Dieser wurde koordiniert vom Verein durch Handwerksbetriebe umfassend saniert und öffnet immer noch für besondere Höhepunkte des Vereinskalenders. Zudem wurde der Verein in das Förderprogramm des sächsischen Justizministeriums „Orte der Demokratie“ aufgenommen, welches René Seidel bis 2024 betreute.

Jubiläumsfeier am 10. Oktober 

Nach vielen ereignisreichen Jahren im Vorstand des Vereins mit circa 40 Mitgliedern übergab René Seidel 2024 die Vereinsgeschicke in neue Hände. Die Eigentümerin des Spielzeuggeschäfts Mlink und Marja in der Bahnhofstraße ist mittlerweile vom Vereinsmitglied in den Vorstand gewechselt. Sie teilt sich dieses Ehrenamt mit Max Hilse und Sylvio Pfeiffer-Prauß, einem Gründungsmitglied und neben Seidel ebenfalls langjähriger Motor von Löbau lebt. Der Verein erlebte einige Turbulenzen, da der angestammte Vereinssitz überraschend verkauft wurde. Die Mitglieder hielten zusammen und suchten nach neuen Vereinsräumen, um das Angebot für die Löbauer, wie Kino, Musikabende, Kneipenquiz, Makerspace oder Frauenformate, fortführen zu können. Fündig wurden sie in der Johannisstraße 2. Diesmal mit einem bereits sanierten Gebäude. Um den kulturellen Fokus zu stärken, engagierte sich vor allem der Löbauer Musiker David Brand für die Anschaffung eines Bürgerklaviers. Löbauer und Freunde der Stadt waren aufgerufen, Tastenpate zu werden und somit den Kauf eines Klaviers aus der Löbauer August-Förster-Manufaktur zu ermöglichen. Auch dieser Aufruf wurde von den Löbauern erfolgreich unterstützt. Der Verein lädt regelmäßig zu Mitmach-Chorveranstaltungen oder Singer-Songwriter-Abenden ein. Im November können sich Interessierte für Yoga und Piano, eine Yoga-Session mit Live-Piano, anmelden. Zuvor feiert der Verein aber am 10. Oktober ab 17.00 Uhr offiziell sein 10-jähriges Bestehen mit einem Oktoberfest am kleinen Kiosk an der Brunnenstraße. „Diesen Ort haben wir nicht zufällig gewählt“, sagt Jana Lambrich. „Der kleine Kiosk steht für sehr viel rund um den Verein, fast wie ein Maskottchen. Hier war die erste große Party, nachdem sich Löbau lebt zu einer unübersehbaren Kraft in Löbau entwickelt hat. Der Kiosk spiegelt zudem den großen Wunsch nach schönen Veränderungen in der Stadt wider. Er ist der Teil des Vereins, der jeden Tag für die Löbauer sichtbar ist“, ergänzt sie. Zum Vereinsgeburtstag werden die Löbauer Bergmusikanten erwartet, zudem gibt es oktoberfesttypische Köstlichkeiten. Auf die ersten 100 Besucher warten frische Brezeln als kleines Geschenk. Der Makerspace bereitet eine Mitmachaktion vor. Das aktuelle Veranstaltungsprogramm und weitere Infos zu Löbau lebt sind unter www.loebaulebt.de zu finden.

Bettina Hennig / 11.10.2026

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