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"Manchmal muss man das Brett erneuern"

"Manchmal muss man das Brett erneuern"

Hat wieder gut lachen: "Spiritus Rector" Jürgen Bergmann sieht die Kulturinsel Einsiedel zwei Jahre nach der Insolvenz auf einem guten Weg. | Foto: Redaktion

Neisseaue. Knapp zwei Jahre ist es her, dass sich die Kulturinsel Einsiedel, am östlichsten Ende Deutschlands in der Neißeaue nördlich von Görlitz gelegen, in der Insolvenz befand. Die Macher des "grüngeringelten Freizeitparkes" sahen in dem Verfahren die Chance für einen Neubeginn und nutzten sie. Heute, in ihrem 25. Jahr, steht die "Künstlerische Holzgestaltung Bergmann GmbH" - so die heutige offizielle Firmenbezeichnung – wieder auf soliden Füßen.

Jürgen Bergmann hat sicher einen der außergewöhnlichsten Büroräume Deutschlands. Über eine sich mehrfach windende Kette von Holzstufen führt der Weg in ein in großer Höhe über dem Freizeitpark thronendes Baumhaus. Von hier aus hat der "Inselkönig Bergamo" alles im Blick. Denn auch wenn Jürgen Bergmann seit der Insolvenz nicht mehr Inhaber des Unternehmens ist, so blieb er doch als "künstlerischer Leiter und strategischer Entwickler" der Spiritus Rector im "grüngeringelten Freizeitpark an der Neiße."

Als im Jahre 2013 die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Unternehmens bekannt wurden, war die Betroffenheit groß. Drohte doch die Region im äußersten Osten Deutschlands eines ihrer größten touristischen Zugpferde zu verlieren. "Wir waren zu schnell und zu stark gewachsen", benennt Jürgen Bergmann mit zwei Jahren Abstand den auf den ersten Blick überraschenden Grund für die damalige Misere.

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Und dieses Wachstum kann man wohl tatsächlich als rasant bezeichnen: Aus kleinsten Anfängen mit Jahreseinnahmen von 7500 DM war in 23 Jahren ein ein für hiesige Verhältnisse fast schon riesiges Unternehmen mit 170 Mitarbeitern entstanden. Auch heute hat die Künstlerische Holzgestaltung Bergmann GmbH mit 110 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 6,2 Millionen Euro (2014) noch eine beachtliche Größe.

"Eine gewisse Schlagkraft benötigen wir auch", wie Jürgen Bergmann betont. Der Freizeitpark trägt zu diesem Geschäftsvolumen einen Anteil von einem Viertel bis einem Drittel bei. Der große "Rest" kommt aus der Anfertigung von Spiel- und Freizeitlandschaften für Auftraggeber in ganz Europa, für die der Name "Bergmann" zu einem ganz speziellen Markenzeichen geworden ist. Denn: "Wir stellen ausschließlich Unikate her."

Die Umwandlung von einem reinen Privatunternehmen, dessen Inhaber der Firmengründer war, zu einer GmbH erfolgte im Zuge des Insolvenzverfahrens. Dieses gab auch den Anstoß für weit reichende innerbetriebliche Veränderungen: "Wir benennen für jedes Projekt einen Verantwortlichen, der wie ein Unternehmer agiert", erläutert Jürgen Bergmann. Die Mitarbeiter würden am Erfolg beteiligt. Dies führe zu einer mehr leistungsorientierten Arbeit und zum Effekt der "Selbsterziehung."Auch die Zeiterfassung wurde im Unternehmen eingeführt – eine Maßnahme, die sich Bergmann früher "nie hätte vorstellen können." Allerdings führe sie nicht zur Gängelung, sondern zu "mehr Freiheiten und Flexibilität der Mitarbeiter." Die Einführung all dieser Maßnahmen sei sehr arbeitsintensiv und mache "bürokratische Kontrollmechanismen" erforderlich, jedoch: "Es hat sich bewährt."

Beim Freizeitpark – dem Aushängeschild des ganzen Imperiums – bedeutet Stillstand Rückschritt. "Eine gewisse Zeit lang genügen kleine Änderungen, quasi andere Figuren auf dem Schachbrett. Doch von Zeit zu Zeit muss man das ganze Schachbrett erneuern", wählt Jürgen Bergmann einen anschaulichen Vergleich. Einen solchen Stellenwert hatte sicher die Eröffnung des Krönums, durch die kulturelle Abendangebote nebst standesgemäßer kulinarischer Versorgung möglich wurden. Dadurch konnte auch das Volk der Turiseder, das der (inseleigenen) Legende nach einst in der Neißeaue lebte und sich wie ein roter Faden durch das Marketing zieht, einen neuen Stellenwert erhalten.

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In den vergangenen beiden Jahren indes stand eher die Erneuerung der "Figuren" im Vordergrund – so durch den Bau des Wasserspielplatzes, das schwimmende Café auf der Neiße oder den ab Herbst zur Verfügung stehenden Indoorspielplatz. Mit der avisierten Erweiterung des Freizeitparkes nach Norden steht dann wieder ein größerer Umbruch bevor.

"Wir wollen uns mehr und mehr zu einer Destination für den Kurzurlaub entwickeln", erklärt der Firmengründer das strategische Ziel. "Dazu genügt es nicht, nur eine einzige Attraktion anzubieten. Deshalb soll sich der neue Teil unseres Geländes auch klar und deutlich von dem bislang Bestehenden abheben, um als separates Angebot wahrgenommen zu werden." Übernachten konnte man freilich auch bisher schon, und gerade das "Baumhaushotel" war es, was den größten Bekanntheitszuwachs auslöste.

Doch auch der Reiz der größten Innovation lässt irgendwann nach, und so sind ständig neue Ideen gefragt. Dazu zählt auch die immer enger werdende Beziehung zu Polen, das als Markt, aber auch als zusätzlicher Standort eine ständig wachsende Bedeutung hat. So ist im benachbarten Bielawa Dolna schon eine ganze Spielelandschaft entstanden, und Polen machten 2014 sechs Prozent der Gäste und damit einen so großen Anteil wie noch nie aus.

Mit 88 000 Gästen konnte die Kulturinsel gegenüber 2013 (72 000) wieder einen beachtlichen Gästezuwachs verbuchen, ohne jedoch an die Rekordwerte von circa 100 000 heranzukommen. Und wo sieht Jürgen Bergmann die Kulturinsel in weiteren 25 Jahren? "Dann gibt es hier, in der Ferienregion ‚Herz der Zentrallausitz‘, so viele Attraktionen, dass die Gäste eine ganze Woche bleiben."
 

Uwe Menschner / 13.09.2015

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Kommentare zum Artikel ""Manchmal muss man das Brett erneuern""

Die in Kommentaren geäußerten Meinungen stimmen nicht unbedingt mit der Haltung der Redaktion überein.

  1. Kris schrieb am

    Faszinierende Geschichte, die mich neugierig auf mehr gemacht hat.

    Der Region kann man zu Jürgen Bergmann nur gratulieren, und hoffen, daß sich noch weitere solcher Leuchttürme finden. Meine Hochachtung vor solch einem Lebenswerk.

    Kris aus Pforzheim

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