Neue Küche für das „Gelbe Elend“

Küchenchef Mario Peters ist seit 20 Jahren im Dienst und freut sich auf die Arbeit in der neuen Küche. Foto: Markus Michalk

Jaroslaw Golaszewski, Leiter der SIB-Niederlassung Bautzen (l.), übergibt symbolisch eine Bratpfanne an den Leiter der JVA , Oliver Schmidt. Foto: Markus Michalk
In der JVA Bautzen können künftig bis zu 760 Essen am Tag zubereitet werden. Der Neubau der Küche soll auch neue Möglichkeiten für die berufliche Ausbildung von Gefangenen schaffen.
Bautzen. In einer Justizvollzugsanstalt gehört die Küche zu den Bereichen, die täglich funktionieren müssen. Hunderte Mahlzeiten wollen vorbereitet, gekocht und verteilt werden. In der JVA Bautzen übernimmt diese Aufgabe künftig eine neue Anstaltsküche. Am vergangenen Mittwoch wurde das Gebäude offiziell übergeben. Hinter dem Neubau steckt allerdings mehr als eine modernisierte Küche: Er soll auch neue Möglichkeiten für Arbeit und Ausbildung schaffen.
Entstanden ist das dreistöckige Gebäude unter Leitung der Bautzener Niederlassung des Staatsbetriebes Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB). Rund 1.400 Quadratmeter Nutzfläche stehen zur Verfügung. Bis zu 760 Essen täglich können hier für Gefangene, Bedienstete und Gäste zubereitet werden. Damit erhält die Justizvollzugsanstalt eine Küche, die auf die Anforderungen des heutigen Vollzugs zugeschnitten ist. Die bisherige Einrichtung war technisch veraltet und genügte den aktuellen Anforderungen nicht mehr. Für das Vorhaben investierte der Freistaat Sachsen nach Angaben des SIB rund 23 Millionen Euro. Mit der Übergabe endet damit ein mehrjähriges Bauprojekt auf dem Gelände des „Gelben Elends“.
Dank an alle Beteiligten
Im Rahmen der feierlichen Übergabe reichte Jaroslaw Golaszewski, Leiter der Niederlassung des SIB in Bautzen, symbolisch eine Bratpfanne an Oliver Schmidt, den Regierungsdirektor und Leiter der JVA Bautzen, weiter. Beide dankten in ihren Reden ausdrücklich allen Beteiligten für die gute Zusammenarbeit während der gesamten Bauphase. Schmidt hob die immense Bedeutung des Neubaus für das Zusammenleben in der Anstalt hervor und betonte, die Küche sei eine Kommunikationszentrale, die man am meisten vermisst, wenn es sie nicht gibt. Entsprechend groß ist die Freude über die Fertigstellung des modernen Gebäudekomplexes.
Zum Gebäude gehört außerdem ein Speisesaal mit 50 Sitzplätzen. Ein besonderes Detail unterstreicht dabei die interne Wertschöpfung der Anstalt: Die dort aufgestellten Tische und Stühle wurden komplett in der hauseigenen Gefängnis-Tischlerei gefertigt.
Das Kochen und die Logistik sind im Neubau auf einen reibungslosen und wirtschaftlichen Betrieb ausgelegt. Die Lebensmittel werden angeliefert, gelagert und gekühlt, bevor sie verarbeitet werden. Anschließend kommen die fertigen Speisen in Essenswagen, erklären Jaroslaw Golaszewski und Oliver Schmidt. Über einen sogenannten Wagenbahnhof werden sie in die einzelnen Hafthäuser und internen Arbeitsbetriebe gebracht. Auch benutztes Geschirr gelangt auf diesem Weg zurück zur Reinigung. Eine technische Änderung betrifft die Energieversorgung: Während in der bisherigen Küche dampfbetriebene Kochgeräte eingesetzt wurden, wird im Neubau ausschließlich elektrisch gekocht. Die Verpflegung ist dabei straff kalkuliert, denn der Verpflegungssatz beträgt lediglich 4 Euro pro Person und Tag.
Eine weitere Besonderheit des Projekts ist die integrierte Lehrküche, die das Kochen mit dem Berufsalltag verbindet. Rund 20 Gefangene können dort in den Bereichen „Kochen“ und „Service am Gast“ professionell ausgebildet werden. Weitere Arbeitsplätze sind für die Mitarbeit in der Hauptküche vorgesehen. Damit verbindet der Neubau die tägliche Versorgung der Anstalt mit der Möglichkeit, berufliche Kenntnisse zu erwerben und praktische Erfahrungen zu sammeln. Die Beschäftigung schafft nicht nur eine feste Aufgabe innerhalb des Vollzugsalltags, sondern die Ausbildung kann auch konkrete Perspektiven für die Zeit nach der Haft eröffnen. Wer grundlegende Fertigkeiten in Küche und Service erlernt, hat damit zumindest zusätzliche Voraussetzungen für den Einstieg in entsprechende Berufsfelder. In den sächsischen Justizvollzugsanstalten wird deshalb traditionell großer Wert darauf gelegt, Mahlzeiten möglichst selbst zuzubereiten und Gefangene aktiv in die Arbeitsabläufe einzubeziehen.
Der Neubau wirbelt dabei auch das interne Beliebtheitsranking der Arbeitsstätten durcheinander. Denn bislang war die Tischlerei die unangefochtene Nummer eins bei den Gefangenen. Mit nunmehr 38 Arbeitsplätzen übernimmt die neue Küche ab sofort den Spitzenplatz im Ranking. Bis der Normalbetrieb vollständig läuft, dauert es allerdings noch einen Moment: „In den nächsten Wochen wird der Neubau erst einmal komplett eingeräumt“, erklärt Küchenchef Mario Peters, der sein 20 Jahren im Dienst ist.