Nichts los in der Bautzener Neustadt?

Als in der Neustadt mal was los war: Im März fand der zweite und bislang letzte Familientreff statt, wie Projektkoordinatorin Manja Gruhn hier zeigt.
Im Bautzener Westen lässt es sich gut leben. Um etwas zu „er“leben, muss man ihn jedoch verlassen. Wer das ändern will, muss dicke Bretter bohren.
Bautzen. Wer in der Bautzener Neustadt lebt, kann diesen Satz wohl problemlos unterschreiben: Es handelt sich um ein ruhiges, angenehmes Wohnviertel mit kurzen Wegen für die alltäglichen Notwendigkeiten. Viele „Neustädter“ leben schon seit Jahrzehnten und gern hier, sind in zwei Minuten auf der Autobahn, in zehn Minuten in der Innenstadt und in 15 Minuten im „Grünen.“ So weit, so gut. Doch will man etwas erleben, dann bietet der Stadtteil westlich der Friedensbrücke nicht allzu viele Möglichkeiten. Gastronomie ist nur sehr punktuell vorhanden, und einen Wohngebiets-Treffpunkt, wie es ihn beispielsweise im Allende-Viertel gibt, sucht man hier vergeblich.
Zeit, das zu ändern – fanden zumindest der Steinhaus-Verein und das Witaj Sprachzentrum. Gemeinsam initiierten sie den „Familientreff Neustadt“, der nun bereits zwei Mal stattgefunden hat: Am 9. November 2025 und am 22. März 2026 jeweils in der Turnhalle der Fichte-Grundschule. Die Wahl des Veranstaltungsortes zeigt bereits in Ansätzen das Dilemma: „Im Kern des Wohngebietes hat sich die Suche nach einem geeigneten öffentlichen Raum, in dem man so ein Projekt durchführen könnte, schwierig gestaltet“, sagt Manja Gruhn, die den Familientreff vonseiten des Steinhaus-Vereins betreut. Doch selbst in die doch eher in die Seidau zu verortetende Fichte-Turnhalle kamen etwa 15 Leute, die sich freuten, dass auch in der (erweiterten) Neustadt mal etwas los ist. „In den Gesprächen bestätigte es sich: Die Neustadt ist ein wunderbarer Ort zum Wohnen, doch los ist hier nichts“, so Manja Gruhn. Die Verbindung zwischen den Generationen – den älteren „Ur-Neustädtern“ und den durchaus auch vorhandenen jungen Familien – lasse sich ohne einen geeigneten Treffpunkt nur schwer herstellen.
Als Vorbild hierfür könnte der „Allende-Treff“ dienen, der unter tatkräftiger Mitwirkung von Engagierten aus dem Wohngebiet und der Bautzener Wohnungsbaugesellschaft (BWB) im früheren Postladen an der Allendestraße entstand. „Hier gibt es mittlerweile um die 15 Leute, die den ’harten Kern’ bilden und sich aktiv in die Wohngebietsarbeit einbringen“, erklärt Manja Gruhn, die auch dieses Projekt betreut. Entsprechend vielfältig liest sich die Veranstaltungsliste: vom Kino über den Flohmarkt reicht sie bis hin zum Wohngebietsfest und regelmäßigen Stammtischen. „Ein toller Erfolg und eine echte Bereicherung für das ’Chileviertel’“, freut sich die Projektkoordinatorin.
Doch warum kommt das, was im Allendeviertel so super funktioniert, in der Neustadt kaum bis gar nicht in die Gänge? An den Bewohnern kann es nicht liegen, unterscheidet sich deren demographische Struktur doch kaum voneinander. „Es braucht einen harten Kern von drei, vier Leuten, die gewillt sind, etwas für ihren Stadtteil zu bewegen“, meint Manja Gruhn. Als nächstes stellt sich die Raumfrage: „Ein Ort, an dem man sich regelmäßig treffen, gemeinsam Ideen entwickeln und diese umsetzen kann.“ Im Allende-Viertel gab es den Glücksumstand, dass die frühere Post leer stand und die BWB als Vermieterin das Anliegen aktiv unterstützte und in diesem Zuge auch das Umfeld anziehend gestaltete. In der Neustadt, die kein homogenes „Neubau-Viertel“ darstellt, sondern wesentlich kleinteiliger aufgebaut ist, existiert eine andere Vermieterstruktur. Was allerdings nicht heißen muss, dass Ähnliches hier nicht denkbar wäre. Doch es kommt noch ein weiterer erschwerender Umstand hinzu: Das liebe Geld. „Durch die Kürzungen beim Bundesprogramm ’Demokratie Leben!’ stehen kaum noch Mittel für solche Projekte zur Verfügung“, erklärt Manja Gruhn. Dadurch könnten auch bereits geschaffene Strukturen – wie das „Schiefe Haus“ in Gesundbrunnen oder auch der Allende-Treff – in Gefahr geraten. Von der Schaffung neuer Strukturen ganz zu schweigen. Dennoch haben der Steinhaus-Verein und das Witaj-Sprachzentrum die Neustadt nicht aufgegeben: „Wir suchen nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten, beispielsweise über das STARK-Programm.“
Wer will mitmachen?
Grundvoraussetzung ist aber, dass sich „eine Handvoll Leute“ finden, die bereit sind, sich für ihr Wohngebiet – die Bautzener Neustadt – zu engagieren. Wer daran Interesse hat, kann sich unter manja.gruhn@steinhaus-bautzen.de oder (01522) 3255 852 bei Projektkoordinatorin Manja Gruhn melden. Damit es künftig heißen kann: Die Neustadt ist ein toller Ort zum Leben – und ab und zu ist hier auch was los.