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Quo Vadis, Kulturhaus Bischofswerda?

Quo Vadis, Kulturhaus Bischofswerda?

Über die Zukunft des Kulturhauses gibt es unterschiedliche Meinungen in der Stadt. Nicht Alle plädieren bedingungslos für den Erhalt.

Die Debatte über die Zukunft des einst beliebtesten Musentempels der Region ist in vollem Gange. So „wie früher“ wird es wohl nie mehr.

Bischofswerda. Wer vermisst das Bischofswerdaer Kulturhaus? Diese Frage, so provokativ sie auch klingen mag, drängt sich angesichts der gegenwärtigen Debatte förmlich auf. Hat der frühere Musentempel doch in den letzten Monaten ein eher unbeachtetes Dasein zwischen wild wucherndem Gestrüpp und Schmierereien an den Außenwänden geführt.
Im März 2017 fand die letzte in den öffentlichen Annalen erwähnte Veranstaltung – eine Party des East-Club – statt. Erst das Ansinnen eines möglichen Investors, die Stadt möge auf ihr im Grundbuch verbrieftes Rückkaufsrecht verzichten, verhalf dem Kulturhaus unlängst zu einem Tagesordnungspunkt im Stadtrat. Dieses Recht, so die Argumentation, behindere Verhandlungen mit Banken und möglichen Kaufinteressenten.

Absichtlich ruiniert?

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Kaufinteressenten – für was? Für eine heruntergekommene, von Vandalen verwüstete Halbruine? In einem solchen Zustand befindet sich nämlich laut einer Dokumentation des Wirtschaftsfördervereins Bischofswerda (WFB) der einstmals beliebteste Musentempel der Westlausitz. 
Die Stadtratsfraktion der Bürger für Bischofswerda (BfB) hat eine Erklärung: „Es ergibt sich der Verdacht, dass hier wissentlich eine Immobilie ruiniert wird, um gegebenenfalls eine Aufhebung des Denkmalschutzes zu bewirken und damit den Abriss der Gebäude zu ermöglichen“, so ihr Vorsitzender Robert Geburek. Und weiter: „Zumindest dürfte der Insolvenzverwalter seiner gesetzlichen Verpflichtung nicht nachgekommen sein.“ Starker Tobak, der zwingend eine Reaktion des Angesprochenen erfordert. Diese ist allerdings urlaubsbedingt erst nach dem 13. August zu bekommen – der „Oberlausitzer Kurier“ wird sie nachreichen.
Doch natürlich schließt sich eine zweite, noch wichtigere Frage unmittelbar an: Was kann man jetzt überhaupt noch mit dem Kulturhaus – oder mit dem, was davon übrig ist – anfangen? Vorausgesetzt, die Stadt erlangt – wie auch immer – Handlungshoheit darüber. 
Dass es entsprechende Bemühungen gibt, beweist der Umstand, dass sich zwischenzeitlich der Stadtrat und Vertreter des WFV hinter verschlossenen Türen zu einer Sondersitzung getroffen haben. Dass die Stadtverwaltung sich im Anschluss nicht zu den Ergebnissen äußern will, liegt in der Natur der Nichtöffentlichkeit. 
 

Das Facebook-Team des WFV teilt auf Anfrage mit: „Wir befinden uns im ersten Stadium von Gedankenspielen, die wir noch in ein entsprechendes Konzept umsetzen müssen. Dies erfolgt in den nächsten Wochen und Monaten.“

Zukunft als Verwaltungssitz?

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Eine Recherche unter Bischofswerdaern, deren Wort in der öffentlichen Debatte Gewicht hat, ergibt folgendes Bild: Eine Zukunft des Kulturhauses als „reiner“ Musentempel, so wie in den guten alten Zeiten, wird flächendeckend als unrealistisch angesehen. „Im Mittelpunkt des Interesses scheint meinem Eindruck nach vor allem der Erhalt des ’Großen Saales’ zu stehen“, meint der Vorsitzende der Stadtratsfraktion CDU/FDP, Bernd Grüber. Und weiter: „Genannt werden in diesem Zusammenhang immer wieder Veranstaltungen wie Schuleinführungen, Jugendweihe, Karneval, Abiturball.“ Doch ihm ist auch klar: „Mit derartigen Veranstaltungen lässt sich der Saal nicht wirtschaftlich betreiben, jedenfalls nicht, wenn die Saalmiete noch erschwinglich sein soll.“ Und hier kommt der entscheidende Punkt: Gibt es Möglichkeiten, das Kulturhaus wirtschaftlich zu nutzen und gleichzeitig den Großen Saal für die Kultur zu erhalten? Bernd Grüber, der betont, dass es sich um seine persönliche Meinung handelt, kann sich „durchaus eine Mehrfachnutzung des Gebäudes“ vorstellen. Neben „Innovations- und Gründerzentrum, Coworking Spaces oder Ähnlichem“ nennt er auch die Möglichkeit, „Außenstellen der Stadt-, der Kreisverwaltung oder einer Landesbehörde“ im Kulturhaus unterzubringen. Und eben dieses Stichwort – Verwaltungsstandort – kristallisiert sich bei der Recherche deutlich als Kernpunkt des Konzeptes heraus, das sich derzeit in der Diskussion befindet. Die verschiedenen über die Stadt „verstreuten“ angemieteten Außenstellen könnten dann unter einem Dach zusammengeführt werden. Aniko Heinze, Vorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion, fordert, dass sich bei diesen Bemühungen auch der Landkreis Bautzen mit ins Boot setzt: „Schließlich hat er einen großen Anteil an der derzeitigen desaströsen Situation.“ Dabei tue Eile Not: „An erster Stelle ist es notwendig das Gebäude bautechnisch soweit abzusichern, dass es den verschiedenen Wettereinflüssen noch einen Winter lang standhalten kann. An dieser Stelle muss der Eigentümer/Besitzer in die Pflicht genommen werden.“ 
Robert Geburek (BfB) fordert, dass dabei die anderen drängenden Aufgaben nicht außer Acht bleiben dürfen: „Schließlich darf nicht vergessen werden, dass es bei öffentlichen Gebäuden (Wesenitzsporthalle, Grundschule Goldbach, diverse Kitas) einen enormen Investitionsstau gibt.“

Reanimation einer Leiche?

Allerdings gibt es auch Stimmen, die jeglichen Versuch, das „Kulti“ am Leben zu erhalten, mit der Reanimation einer Leiche vergleichen. Deren Wortführer ist Norman Reitner, der sich wie nur Wenige für das kulturelle Leben in Bischofswerda engagiert. In einem längeren Beitrag auf Facebook, aus dem wir hier mit seiner Genehmigung zitieren, schreibt er: „Wir halten dieses Haus seit mehreren Jahren künstlich am Leben und wiederbeleben es gelegentlich obwohl es eigentlich schon lange tot ist. Bietet ein geschlossenes Kulturhaus nicht endlich Platz für neue kreative Formate, die in unsere Stadt besser passen?“ Und weiter: „Beenden wir das Kapitel und beginnen ein neues. Ohne Kulturhaus. Es gibt in Bischofswerda genügend Baustellen, die konzeptlos in der Gegend rumstehen, so dass es aus meiner Sicht müßig ist, einem Schatten aus den 70ern hinterherzurennen.“ 

Uwe Menschner / 15.08.2018

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