’Rückkehr’ mit wenig Gespür

Sorbische Kinder gab es wieder bei einem Seminar auch in der Kirche von Kollm Foto: Schule
Aus Kollm (Chołm) in der Gemeinde Quitzdorf am See (KwÄtanecy při jÄzoru), ist das Sorbische im Alltag im 20. Jahrhundert bereits verschwunden. Bei einem Seminar im CVJM Freizeit- und Bildungszentrum klang es nun jedoch unter den Jüngsten wieder an. Die kamen freilich jedoch aus... Bautzen (Budyšin)
Kollm. Musik liegt in der Luft, Sprachen mischen sich, Kinder lachen und experimentieren mit Klängen: Rund 30 Kinder der Sorbischen Grundschule Bautzen und der Grundschule im nordböhmischen Blottendorf (Polevsko) bei Haida (Nový Bor) erlebten beim Projektwochenende „Musik und Sprache“ in Kollm drei Tage voller Kreativität, Neugier und interkultureller Begegnung. Mit kreativen Instrumentenbauern, einem Orgel- und Beatbox-Experten sowie Sprachanimateuren tauchten die Kinder spielerisch in neue Ausdruckswelten ein. Aus Recyclingmaterialien entstanden eigene Musikinstrumente, die ausprobiert, kombiniert und in Szene gesetzt wurden. Musik braucht eben keine gemeinsamen Vokabeln, um zu verbinden. Nebenbei wurden Deutsch, Sorbisch und Tschechisch lebendig.
Klangexperimente, eine musikalische Aktion in der Kirche sowie Abende am Lagerfeuer mit Nachtwanderung bildeten Gemeinschaftsgefühl. „Die Kinder begegnen sich hier völlig unvoreingenommen – die Musik schafft sofort Nähe und Vertrauen. Sprache passiert dabei fast automatisch“, beschreibt eine Sprachanimateurin die Atmosphäre. Das Projektwochenende bildete zugleich den Auftakt für ein weiteres Treffen vom 15. bis 17. Mai in Bürgstein (Sloup v Čechách) auf der anderen Seite von Haida. Dort werden die Kinder mit zwei Schauspielern aus Prag ein Theaterstück entwickeln, in das die selbstgebauten Instrumente sowie die Erfahrungen aus Beatboxing und Klangarbeit einfließen. Der Höhepunkt des Projekts folgt am 30. Mai in Blottendorf. Dann bringen die Kinder ihr Theaterstück erstmals auf die Bühne und präsentieren Musik, Sprache und Bewegung in einer öffentlichen Aufführung.
Eine Sache gefiel der Redaktion dann jedoch nicht. Entgegen der hohen Sensibilität für die zweisprachige Nutzung von Ortsnamen im Nebeneinander von Deutschen und Sorben, fehlte den Veranstaltern die gedankliche Rückkopplung bezogen auf Tschechien – deutsche Namen für Orte in Tschechin: Fehlanzeige! Dabei liegt ja Haida (Nový Bor) mit seinen Nachbarorten in einem Landstrich, in dem trotz Vertreibung noch überproportional für Tschechien Sudetendeutsche leben, während vorbildlich in unserer Gegend die sorbischen Namen Bestandsschutz auf Schildern haben – und zwar auch dort, wo die Sprache längst ausgestorben ist.