Was dem Breslauer sein Zwerge, sind dem Bautzner seine Lutki

Wenn gegossen wird, wird es heiß in der Kunstgießerei Ihle in Dresden. Diese Vorform zeigt, wie die Bronzefiguren nach dem Guss aussehen werden. Es handelt sich dabei um eine sorbische Großmutter (Wowka) mit ihrem Enkel. Foto: Carmen Schumann
Am 26. Juni soll der neue Bautzener Sagenpfad eingeweiht werden. Die Figuren, die diesen Pfad säumen, werden zurzeit in einer Kunstgießerei in Dresden hergestellt.
Dresden/Oberlausitz. Die Zwergenfiguren im polnischen Breslau sind bei Touristen äußerst beliebt und werden gern als Fotomotiv genutzt. Nun soll für Bautzen ein ähnlicher Anziehungspunkt geschaffen werden. Wo genau der Pfad entlangführen wird, soll noch ein kleines Geheimnis bleiben. Fakt ist aber schon jetzt, dass es zunächst neun Bronzefiguren sein werden, die in der Altstadt aufgestellt werden. Hinzu kommen zehn Tafeln mit Erklärungen auf Deutsch und Obersorbisch sowie mit QR-Code und in Blindenschrift. Zehn Tafeln und nur neun Figuren sind es deshalb, weil der Ritter Dutschmann auf dem Hauptmarkt-Brunnen mit einbezogen wird.
Journalisten hatten kürzlich die Gelegenheit, bei der „Geburt“ der Sagenfiguren in der Kunstgießerei Ihle in Dresden dabei zu sein. Wilhelm Ihle, der die von seinem Vater Thomas nach der Wende gegründete Gießerei in zweiter Generation führt, erläuterte alle Arbeitsschritte bis zur fertigen Figur. Für die Gießform wird zunächst der Entwurf per Computer geschaffen und die Gießform dann mittels 3-D-Drucker hergestellt. Man sieht, auch in der Gießerei hat die moderne Technik Einzug gehalten. Die Journalisten konnten natürlich auch beim spannendsten Teil der Fertigung dabei sein, dem Gussvorgang.
Die Sagenfiguren, darunter der Riese Sprejnik, Räuberhauptmann Karasek, Marta, die den Feuersegen für das Hexenhäuschen sprach, eine Wowka mit ihrem Enkel sowie die Lutki, deren Zahl noch beliebig erweiterbar ist, werden alle eine einheitliche Größe von 30 Zentimetern haben. Da sie aber unterschiedliche Gestalten besitzen, beträgt ihr Gewicht zwischen zwei und fünf Kilogramm. Künstlerisch gestaltet hat die Entwürfe Julian Kamphausen von der Agentur für unendliche Möglichkeiten mit Sitz in Hamburg und Berlin. Julian Kamphausens Großmutter hat in Bautzen gelebt.
Die Idee für den Sagenpfad wurde auf einem Händlerstammtisch entwickelt. Die Mittel in Höhe von rund 80 000 Euro stammen zur Hälfte aus der Prämie aus dem Wettbewerb „Ab in die Mitte“. Eine Figur wird von Monika Lukasch vom sorbischen Restaurant „Wjelbik“ gesponsert. Wenn sich weitere touristische Unternehmen beteiligen, kann der Sagenpfad um weitere Lutki-Figuren erweitert werden. Die kleinen Kobolde sind als sehr menschenfreundlich bekannt.
Einige der Figuren sind so gestaltet, dass sie auch versetzt werden können. Das soll die Suche nach ihnen spannend machen.
