Umgebinde und Co. mit der Zeichenfeder

Horst Pinkau beim Zeichnen in der Natur. Foto: Anita Giesbers
Mehr als 40 Ausstellungen hat Horst Pinkau mit seinen Zeichnungen historischer Häuser bereits gezeigt. Im Schloss Ottenhain ist ab 9. Oktober eine Auswahl seiner Arbeiten zu Umgebinde- und Herrenhäusern zu sehen – mit besonderem Blick auf Gebäude aus der unmittelbaren Umgebung. Haiko Spottke vom Kunstportal „Oberlausitz-art“ hat Horst Pinkau zu seinen Intentionen interviewt.
Ottenhain. Umgebinde- und Herrenhäuser ist der Titel einer Ausstellung , die am Freitag , dem 9. Oktober um 19.00 Uhr im Schloss Ottenhain eröffnet wird. Gezeichnet und coloriert wurden die Unikate von Horst Pinkau, der wie kein anderer die Umgebindehäuser, Schlösser und Herrenhäuser der Oberlausitz zeichnerisch dokumentiert hat. Die Federzeichnungen sind eine exakte, detaillierte und dauerhafte Darstellung dieses Kulturguts. Horst Pinkau, Jahrgang 1938, gebürtiger Oberlausitzer und von Beruf Diplomingenieur, hatte berufsbegleitend Zeichenunterricht und sich sehr bald einen eigenen Stil erarbeitet.
In über 40 Ausstellungen in Deutschland, Polen und Tschechien wurden seine Werke bereits präsentiert. Nun zeigt er im Schloss Ottenhain eine Auswahl: Der Schwerpunkt liegt hierbei auf Zeichnungen von Häusern in direkter Nachbarschaft. Die Ausstellung endet mit einer Finissage beim nächsten Glückstreffer, am Freitag, 13. November ab 18.00 Uhr. Ab dem 11. Oktober bitten Suse Schmid und Klaus Räckers vom Schloss Ottenhain um Anmeldungen zur Besichtigung unter (0170) 183 78 59. Der Eintritt ist frei.
Herr Pinkau, Sie haben sich der zeichnerischen Dokumentation der Umgebindehäuser verschrieben. Was hat Sie dazu bewegt?
Horst Pinkau: Das Umgebindehaus in der Oberlausitz und im gesamten Dreiländereck Deutschland, Tschechien und Polen, wo noch etwa 20.000 dieser Häuser existieren, muss als Produkt der Besiedlungsgeschichte angesehen werden. Es ist ein besonderes und schützenswertes Kulturgut.
Wie gehen Sie bei Ihrer Arbeit vor? Wie wählen Sie die Häuser aus?
Horst Pinkau: Jedes Umgebindehaus ist ein Unikat, kein „Modell von der Stange“. Je nach Nutzungsanforderungen und dem Geschick der Bauleute ist die Vielgestaltigkeit nahezu unerschöpflich. Hinweise auf „zeichnungswürdige“ Häuser gab und gibt es mehr, als ich zeichnerisch umsetzen konnte und kann. Über die Jahre sind vielleicht 2.000 Häuser beziehungsweise Details davon entstanden – nicht nur in Deutschland, wo es noch etwa 6.000 dieser Häuser gibt, sondern auch in Tschechien und Polen.
Sie benutzen zur Darstellung fast ausschließlich Tusche. Wie kam es dazu?
Horst Pinkau: Das Arbeiten mit Feder und Tusche war mir aus meinem Berufsleben geläufig. Es bietet gute Voraussetzungen für eine exakte, detaillierte und dauerhafte Darstellung. Bleistiftzeichnungen können dies, abgesehen von Vorzeichnungen, nicht in gleichem Maße leisten. Außerdem ermöglicht die Tusche die Lavierung von Tonwerten mit dem Pinsel.
Sie waren lange Zeit mit dem Architekturingenieur Karl Bernert befreundet. Welchen Einfluss hatten Bernert und andere Umgebindehausspezialisten auf Ihre Arbeit?
Horst Pinkau: Der Denkmalschützer Arnd Matthes hat mir den Virus „Umgebindehaus“ eingeimpft. Karl Bernert wurde dann bis zu seinem Tod 2009 mein wichtigster Lehrer. Für die praktische Sanierung von Umgebindehäusern war mir in dieser Zeit Andreas Leuner ein wichtiger Ratgeber.
Über Prof. Christian Schurig († 2022) hatte ich außerdem Zugang zur Hochschule Zittau/Görlitz. Durch meine Mitgliedschaft im Sächsischen Verein für Volksbauweise unter Leitung von Jürgen Cieslak († 2025) und vor allem durch Peter Palm († 2017) entstand eine intensive grenzüberschreitende Beschäftigung mit den verschiedenen Varianten der Umgebindehäuser.
Wo können Ihre Arbeiten betrachtet werden und was ist geplant?
Horst Pinkau: Mehr als 40 Ausstellungen in Deutschland, Tschechien und Polen habe ich bisher realisiert, zumeist mit einer lokalen Begleitbroschüre. Zu besonderen Anlässen wie dem Tag der Oberlausitz oder dem Tag des offenen Umgebindehauses sind außerdem Hefte mit jeweils mehr als 100 Zeichnungen entstanden. Sie sind in der Pflichtexemplarstelle der Sächsischen Landesbibliothek Dresden archiviert. Derzeit ist mein Oberlausitzheft in der sechsten Auflage mit 175 Zeichnungen über den Lusatiaverband erhältlich. Eine Dokumentation zum Unterschied zwischen Umgebinde- und Schrotholzhäusern ist im Erlichthof Rietschen erhältlich. Eine Dauerausstellung ist außerdem in der Begegnungsstätte „Windmühle“ in Seifhennersdorf zu sehen
