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Wie weiter mit dem Westlausitz-Museum?

Wie weiter mit dem Westlausitz-Museum?

Sehr erfolgreich war unter anderem die Ausstellung „Das Ende der Steinzeit. Die ersten Bauern der Oberlausitz“ (hier die damalige Projektleiterin Jasmin Kaiser), die zum Jahreswechsel 2020/21 lief.

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Das Museum der Westlausitz ist im so genannten Ponickauhaus an der Pulsnitzer Straße untergebracht. Foto: Beate Diederichs

Die Nachricht hat in Kamenz wie eine Bombe eingeschlagen: Der Landkreis will sich vom Museum der Westlausitz trennen. Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten.

Kamenz/Bautzen. Es gab sicher schon erfreulichere Kreistagssitzungen für die Stadt Kamenz. Beispielsweise, als die Erweiterung des Lessing-Gymnasiums oder der Neubau des Hallenbades auf den Weg gebracht wurden. Die Sitzung vom September 2026 wird dagegen in negativer Erinnerung bleiben – als jene Sitzung nämlich, in der scheinbar selbstverständliche Dinge in der Lessingstadt erstmals in Frage gestellt wurden. Dazu gehört neben dem Krankenhaus, das in einem Gutachten als von nachrangiger Bedeutung dargestellt wird, auch das Museum der Westlausitz: Von ihm will sich der Landkreis, wie es in der Erläuterung zum Haushaltsentwurf 2027/2028 heißt, bis Ende 2027 trennen – das heißt, die Trägerschaft abgeben. Dies bedeutet nicht zwingend die Schließung des Museums, es müsste jedoch ein neuer Träger oder ein neues Betreibungsmodell gefunden werden. Ein entsprechender Beschluss soll in der Kreistagssitzung im November gefasst werden.

Für die Leiterin des Museums, Friederike Koch-Heinrichs, kam diese Absicht des Landkreises überraschend, „auch wenn wir kurz vor der Kreistagssitzung informiert wurden.“ Über den weiteren Fortgang könne vonseiten der Museumsleitung nichts gesagt werden, dies sei nun Sache des Landkreises. „Ich mache mir Sorgen um die Erfüllung der Aufgaben, die wir für den Landkreis Bautzen wahrnehmen und für die es keine wirkliche Alternative gibt“, so Friederike Koch-Heinrichs. Dies betreffe vor allem die naturwissenschaftlichen Bildungsangebote für Schulen, für die es eine hohe Nachfrage gebe.

Deutlich wird der Förderverein des Museums. „Der Verein der Freunde und Förderer des Museums der Westlausitz e.V. hat mit großer Verwunderung, Bestürzung und Sorge die Idee der Kreisverwaltung Bautzen aufgenommen, in der nächsten Sitzung dem Kreistag die Aufgabe der Trägerschaft des Museums der Westlausitz zum 31.12.2027 zu empfehlen“, schreiben Vorsitzender Dr. Erhard Henke und Vorstandsmitglied Jörg Bäuerle in einem offenen Brief an den Landrat und an die Kreisräte.


Es würden sich Fragen aufdrängen: Beispielsweise nach den von der Beigeordneten des Landrates, Dr. Romy Reinisch, zur Begründung vorgelegten Zahlen. „Der jährliche Kostenzuschuss des Landkreises für das Museum beläuft sich nicht auf 1,1 Millionen Euro, wie an verschiedenen Stellen behauptet. Tatsächlich beträgt er im Jahresdurchschnitt 2025-2027 lediglich 0,8 Millionen Euro, ohne dass auch nur ein einziges Jahr ansatzweise an die von der Kreisverwaltung verwendete Zahl herankäme“, schreiben Henke und Bäuerle. Tatsächlich stehen allerdings im Haushaltsplan 2025/2026 Aufwendungen in Höhe von jeweils 1,6 bis 1,7 Millionen Euro, denen Einnahmen von 600.000 bis 700.000 Euro gegenüberstehen. Ebenso wird an gleicher Stelle die Bedeutung des Museums hervorgehoben: „Neben der eigentlichen Bewahrung der kultur- und naturhistorischen Zeugnisse werden durch Forschungsarbeiten und Ergebnisvermittlung die kulturelle Identität der Menschen mit ihrer Region gestärkt. Damit ist es dem Museum gelungen sich aktiv in das kulturelle und gesellschaftliche Leben der Region zu integrieren und (es) erfüllt so eine wichtige Ausgleichsfunktion für den ländlichen Raum.“

Der Förderverein bezweifelt auch den von Romy Reinisch genannten Sanierungsbedarf in Höhe von 15 bis 20 Millionen Euro. Tatsächlich hätten jüngste Überprüfungen der Bausubstanz ergeben, dass hier „kein akuter Sanierungsbedarf besteht.“ Selbst im Falle einer angedachten Erweiterung würden sich die Kosten „lediglich“ auf 6 bis 7 Millionen Euro belaufen. Der Förderverein verweist auf die hohen Besucherzahlen von bis zu 32.000 im Jahr und auf viele erfolgreiche Sonderausstellungen. Erst am gestrigen Freitag wurde die Ausstellung „Granitmassiv – Die Lausitz hört das All“ eröffnet, die in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Astrophysik (DZA) entstand. 

Auch der Kamenzer Oberbürgermeister Michael Preuß will das mögliche „Aus“ für das Museum der Westlausitz nicht hinnehmen: „Die unausgewogene finanzielle Ausstattung der öffentlichen Hand und die offensichtlich nicht mehr kontrollierbaren Sozialausgaben haben den Landkreis Bautzen dazu bewogen, den Kreisräten den Vorschlag zu unterbreiten, die Trägerschaft am Museum der Westlausitz abzugeben. Doch wohin und vor allem wann? Und warum schwächt man so Kultur? Ich kann von meiner Seite sagen, ich stehe mit der Museumsleitung im engen Austausch, und ich werde mich in den kommenden 14 Tagen mit den Fraktionsspitzen des Kreistages treffen. Was ist das Ziel? Die klare Zielstellung besteht darin, den Museumsbetrieb in Kamenz aufrecht zu halten. Und die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Ja, und wir müssen uns dazu Fragen stellen! Wie sieht die Museumslandschaft der Zukunft in Kamenz aus? Können wir Kräfte bündeln? Können wir auch über neue Betreiberstrukturen nachdenken? Diese Fragen müssen beantwortete werden. Was wir aber dafür brauchen, ist Zeit! Und dafür ist es notwendig, dass der Kreistag in seiner Beratung Ende November uns allen diese Zeit gibt und sich gegen Abgabe der Trägerschaft zum 31. Dezember 2027 ausspricht. Vielmehr sollte die Aufgabe darin bestehen, Trägermodelle zu prüfen und dabei die Wirkung des Museums der Westlausitz in die Fläche des Landkreises Bautzen (und eben nicht nur in die Westlausitz!) angemessen zu berücksichtigen sowie auch den Einsatz der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu würdigen.“

Beate Diederichs / 10.10.2026

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