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Wie weiter mit der Herrnhuter Bahn?

Wie weiter mit der Herrnhuter Bahn?

Da wartet eine Menge Arbeit: So wie hier bei Strahwalde sieht es auf vielen Teilabschnitten der Herrnhuter Bahn aus. Foto: Steffen Linke

Die Befürworter des Bahnverkehrs und des Radweges zwischen Löbau und Zittau haben ihre Argumente vorgebracht. Im Mai soll nun eine Entscheidung fallen.

Herrnhut. Wie geht es weiter mit der ehemaligen Bahnlinie im genannten Bereich? Über die Zukunftsaussichten der Strecke gibt es verschiedene Meinungen. Während der Görlitzer Landrat Bernd Lange (CDU) für den Bau eines touristischen Radwanderweges plädiert, werden die Stimmen, die sich für die Wiederaufnahme des Zugverkehrs einsetzen, immer lauter. So gelang es der Bürgerinitiative „proHerrnhuter Bahn“, über die Onlineplattform „OpenPetition“ 1.824 Unterschriften für das letztgenannte Anliegen zu sammeln. Die Initiatoren sehen in der Wiederaufnahme des Eisenbahnbetriebs einen Nutzen, der weit über die Region hinaus ausstrahlt. „Sie sorgt nicht nur für eine schnelle Zugverbindung zwischen Löbau und Zittau, sondern bringt auch die Städte Liberec und Bautzen näher zusammen. Darüber hinaus schafft sie vor allem eine schnelle Verbindung zwischen Zittau und Dresden“, erklärt Björn Scholz, Vorsitzender des unlängst aus der Initiative heraus gegründeten „Pro Herrnhuter Bahn“ e.V. Nicht nur der Personenverkehr könne die Bahnstrecke nutzen, es bestehe durch die verkehrsgünstige Lage auch die Möglichkeit von Gewerbeansiedlungen und somit der Schaffung von Arbeitsplätzen. „Mobilität im ländlichen Raum muss für alle Bürgerinnen und Bürger bestehen. Durch eine nachhaltige und innovative Verkehrspolitik und eine gute Vernetzung wird die Lebensqualität in der Oberlausitz gesteigert. Überfüllte Straßen, Parkplatzmangel, kilometerlange Staus, aber auch die Belastung für Mensch und Umwelt durch den Straßenverkehr sollten die Politik zum Umdenken und Handeln bewegen“, fordert die Initiative. Unterstützung erhält das Anliegen unter anderem vom Bundestagsabgeordneten Stephan Kühn (Bündnis 90/Die Grünen). „Schon vor 170 Jahren verband die Bahnstrecke Orte wie Wien und Reichenberg mit der sächsischen Landeshauptstadt“, erklärt er. Auch der Zittauer Oberbürgermeister Thomas Zenker äußerte sich bereits befürwortend zu dem Anliegen. In einer Präsentation hat der Pro Herrnhuter Bahn e.V. die möglichen nächsten Schritte dargestellt: Demnach soll die Strecke einschließlich der Gleisanlagen im gewidmeten Zustand von der Deutschen Bahn AG gepachtet werden. Komme es erst einmal – wie von der DB angestrebt – zu einer Entwidmung, dann sei die Wiederbelebung nicht mehr möglich.

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Rollt künftig wieder die Bahn über den Viadukt von Obercunnersdorf oder genießen in der Perspektive Fahrradfahrer den Erlebniswert entlang Strecke? Foto: ADFC Zittau

Von Niedercunnersdorf ausgehend soll die Strecke in mehreren Etappen freigeschnitten werden. Bis Oberoderwitz betrifft dies immerhin 16 Kilometer. Mit touristischen Sonderfahrten, zum Beispiel zum Mühlentag, zum Tag des offenen Denkmals oder im Advent, will der Verein erste Ausrufezeichen setzen. Neben dem Freischnitt von der überwuchernden Vegetation sind demnach Vermessungs- und Richtarbeiten am Gleis sowie kleinere Sicherungsmaßnahmen auf Brücken erforderlich. Generell befänden sich Gleise und Viadukte in einem akzeptablen Zustand.

Doch auch die Befürworter des Radwegbaus, wie Landrat Bernd Lange, haben einige Argumente vorzuweisen: „Mit der Nachnutzung dieser vorhandenen Infrastruktur als Radweg erhöht sich konkret und greifbar die allgemeine Lebensqualität der Bevölkerung in der Region. Sie stellt zugleich eine verkehrssichere Anbindung an die Schulstandorte Herrnhut und Oderwitz dar.“ Die Streckenführung sei „windgeschützt und gut verschattet“ und biete daher einen hohen Fahrkomfort. 18 Bauwerke, darunter der berühmte Viadukt von Obercunnersdorf, würden für einen hohen Erlebniswert sorgen. Im Mai soll eine Machbarkeitsstudie als Entscheidungshilfe für die Kreisräte vorliegen. Zum Ankauf der Trasse zum Zwecke des Erhalts als zusammenhängendes Infrastrukturband herrschte bereits bei der ersten Befassung mit dem Thema im Vorjahr Einigkeit.

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Uwe Menschner / 05.05.2019

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Kommentare zum Artikel "Wie weiter mit der Herrnhuter Bahn?"

Die in Kommentaren geäußerten Meinungen stimmen nicht unbedingt mit der Haltung der Redaktion überein.

  1. Rotsteinhexe schrieb am

    Die Bahnstrecke ist nur ein Teil von vielen notwendigen Strecken die es wieder zu beleben gilt. Bautzen - Wilthen, Bautzen - Hoyerswerda als Neubau! U28 Anbindung an die Strecke Zittau und Görlitz! Mit der Anbindung der u28 wäre eine touristisches Highlight geschaffen. Von Görlitz über Löbau bis Decin, Sebnitz, Bad Schandau oder Zittau. Es wäre für die Region ideal vor allem Länderubergreifend Anschluß an die tschechischen Bahnlinien zu erhalten.

    Die Politik fordert Co2 Einsparungen und weg vom Auto. Nur wenn man die Infrastruktur verbessert Anschluss hat und preislich gute Angebote angeboten werden nutzen die Menschen auch die Möglichkeiten. Nur Mut und über die Grenzen hinaus planen mit Polen und Tschechien zusammenmitten in Europa wird es etwas sinnvolles geben.

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