Wir tragen ein großes Fotoalbum im Kopf

Richie, Jörgen, Nino und René (v.l.n.r.) haben mal wieder abgeliefert und feiern jetzt noch mit dem Publikum beim Bautzener Frühling. Foto: Erik Simon
Den Namen Jolly Jumper kennt in Bautzen und Umgebung jedes Kind. Und das nicht in erster Linie wegen des lustigen Pferdes.

Hier noch ganz entspannt beim Soundcheck bereiteten sich Jolly Jumper auf den großen Auftritt zum Bautzener Frühling vor.
Bautzen. Seit 25 Jahren sind sie von den Konzertbühnen und Stadtfesten der Oberlausitz nicht wegzudenken: Jolly Jumper. Doch auch weit über die Region hinaus haben sich Jörgen Märcz, René Grocholl, Richard (Richie) Grunwald und Nino Richter einen exzellenten Namen als Partyband und Stimmungskanonen gemacht. Unmittelbar vor ihrem 1695. Auftritt beim Bautzener Frühling gewährten sie dem „Oberlausitzer Kurier“ ein Jubiläums-Exklusivinterview.
Woher kanntet Ihr Euch, und habt Ihr vorher schon Musik gemacht?
Jörgen: Natürlich hat jeder im Kindesalter und in Schülerbands angefangen. Nach der Schule spielte man in verschiedenen Bandprojekten. René und ich als Gründungsmitglieder haben schon vorher beim Kneipenfestival in unterschiedlichen Besetzungen mitgespielt. Tatsächlich habe ich 2001 Mitstreiter gesucht. Den René kannte ich schon vorher, technisch und musikalisch haben wir uns super verstanden. Zusammen mit seinem Bruder Björn sagte er: Ja, wir können uns vorstellen, mit dir beim Kneipenfestival zu spielen. Wir haben ohne Probe von der Liste weg vier, fünf Stunden im Canapée gespielt. Das war sehr erfolgreich, und wir bekamen gleich Folgeauftritte.
René: Das war noch nicht professionell, aber wir haben die Leute sofort begeistern können. Jörgen: Weil wir Spaß daran hatten. Wir waren ja selber überrascht, wie wir die Titel spielten. In den Folgejahren bekamen wir immer mehr Auftritte spielten auf größeren Bühnen. So fanden wir es 2008 an der Zeit, uns zu verstärken. Da kam Richie ins Spiel.
Richie: Unsere Schülerband hat beim Schulfest am Melanchthon-Gymnasium gespielt. ...
Der René fragte mich, ob ich einen Bassisten kenne. Drei Tage später hab ich mich selber gemeldet. Jörgen: Der Nino war zuerst als Lichttechniker und Backliner dabei, und wir wussten, dass er auch auf einem hohen Level Schlagzeug spielen kann. Der René hatte sich mal den Arm verletzt, und der Nino konnte ihn aus dem Stegreif ziemlich gut ersetzen. Als der Björn (Gründungsmitglied Björn Martins, Anm. d. Red.) in der Corona-Zeit ausstieg, nutzten wir die Gelegenheit, uns umzuformieren: Nino ans Schlagzeug, René an die Gitarre. Und es hat super funktioniert!
Wenn Ihr Euch von vor 25 Jahren mit heute vergleicht, was ist die markanteste Veränderung – mal vom Alter abgesehen?
René: Der Instrumentenwechsel. Nach 20 Jahren Schlagzeugspiel zur Gitarre zu wechseln, war eine Herausforderung. Im Nachhinein war es ein Gewinn, auch für mich privat. Nino: Hätte der René sich nicht hinten angestellt und gesagt: Ich geh diesen Schritt, hätte es diese Option für mich nie gegeben. Von daher bin ich dem René bis heute sehr dankbar. Richie: Wir spielen heute deutlich mehr moderne Show-Musik. Jörgen: Wir haben früher viel mehr Oldies gespielt, aber das wollen die Leute nicht mehr hören. Sie wollen Gute-Laune-Musik und Schlager. Richie: Seit 7,8 Jahren ist die Oktoberfest-Zeit Hauptsaison. Jörgen: September, Oktober knallts bei uns richtig. Nino: Wir spielen ein ganz anderes Programm, die Ballermann-Sache ist extrem wichtig geworden.
Welche Rolle spielen Eure eigenen Songs auf den Konzerten?
Jörgen: Gar keine. Wir haben das mal gemacht, weil wir uns künstlerisch ausleben wollten. In der Live-Situation haben wir uns damit aber die Party zerstört. Wir hätten das richtig pushen müssen, dann wäre vielleicht was draus geworden. Doch unser Metier ist das Covern, das wir ziemlich gut machen. Richie: Ich würde uns gar nicht mehr als Coverband bezeichnen. Die stehen da und spielen die Songs runter. Wir sind eine Partyband – wir arrangieren und spielen die Songs so, dass es die Jolly-Jumper-Partymusik ist. René: Was nicht heißt, dass man nicht gerne mal ins Studio gehen und eigene Songs aufnehmen würde. Aber da fehlt die Zeit, und es wäre weniger etwas für die Band, eher für einen selber.
Ihr seid zurzeit ziemlich viel in der Region unterwegs – zuletzt in Röhrsdorf, heute in Bautzen, bald in Neschwitz – wonach wählt Ihr Eure Auftritte aus?
Richie: Es gibt Konzerte, die sich in regelmäßigen Abständen wiederholen. Beim Bautzener Frühling oder auf dem Pulsnitzer Stadtfest spielen wir jedes Jahr. Man guckt natürlich auch nach links und rechts und schreibt Veranstalter an. Aber in 80, 90 Prozent gehen die Anfragen von den Veranstaltern an uns. Da sind wir in der komfortablen Lage, dass wir zumindest hier in der Region gar nicht so viel suchen müssen. Es ist natürlich schön, wenn wir als Bautzener Band auch hier die Feste spielen dürfen. Doch wir wollen auch mal woanders hin. René: Jede Ecke hat ihre Lokalmatadoren. Bei uns ist es halt Bautzen, wo wir relativ konkurrenzlos sind. Es gibt wenige Cover- und Partybands, in Thüringen zum Beispiel sieht das ganz anders aus. Die Thüringer wollen ihre Bands hören, da freuen wir uns, wenn wir gut platziert sind. So ein Publikum wie hier in Bautzen haben wir dort drüben nicht.
Was sind die wichtigsten Pläne für die nächsten 25 Jahre, was wünscht Ihr Euch?
(spontan): Gesund bleiben! Jörgen: Weiterhin Spaß an der Freude, an der Musik, die Leute unterhalten. René: Wir machen immer Zehnjahrespläne, was in 25 Jahren ist weiß niemand. Richie: Dass sowohl wir als auch unsere Zuschauer niemals unser Lachen verlieren. Nino: Dass es weiterhin Feste gibt. Wir merken natürlich auch, dass die Kassen klammer werden. Dass die kostenfreie Kultur, wie hier beim Bautzener Frühling, nicht verloren geht. Denn sonst würde es solche Bands wie uns nicht geben. Jörgen: Wir möchten Danke sagen – Danke für die treue Zuhörerschaft hier in der Oberlausitz, für geile Parties, für tolle Erinnerungen. Richie: Wir tragen ein riesiges Fotoalbum im Kopf. Jörgen: Genau, und man zehrt davon. Man zehrt von Tagen wie dem Bautzener Frühling. Das hebt uns über andere Auftritte hinweg, wo es regnet, wo man keine Party abliefern kann. Da helfen uns Konzerte in der Oberlausitz, wo man ein volles Zelt, einen vollen Platz, wenn man Spaß hat und eine tolle Party feiert. Deswegen danke an die Oberlausitzer!