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Stefan Menzel wieder an den Pranger gestellt

Stefan Menzel wieder an den Pranger gestellt

Stefan Menzel vor dem Rathaus mit Pranger davor am Breslauer Ring Foto: Till Scholtz-Knobloch

Der aus Rothenburg stammende Unternehmer Stefan Menzel hat weitgehend einen Schlussstrich unter seine vornehmlich touristischen Geschäfte in Görlitz gezogen und verlagert seine Tätigkeit weiter nach Breslau. Gibt es also Worte zum Abschied?

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Stefan Menzel ist im neuen Büro dem Himmel nun noch ein Stück näher. Foto: Chris Nüstedt

Breslau. Einst unterhielt der Ururgroßvater des Autors dieser Zeilen, Wilhelm Patscheke, eine in Breslau stadtbekannte Würstelbude – eben dort, wo sich die Breslauer seit jeher treffen. Zwischen dem 1492 errichteten und 1985 rekonstruierten Pranger und dem Rathaus. Nun stellt sich bereitwillig – und mit Augenzwinkern – Stefan Menzel auf Wunsch dorthin, wo so oft schon sein Platz war: An den Pranger! Denn für Stefan Menzel geht es nach Untersuchungshaft und zuletzt auch seinem Schielen auf den angestrebten Oberbürgermeistersessel nun in der boomenden schlesischen Metropole um die Wurst. Und da Stefan Menzel nie halbe Sachen macht, hat er sein Büro gleich im obersten Stockwerk des einzigen Wolkenkratzers der Stadt, dem Sky Tower im Stadtbezirk Krietern (Krzyki), bezogen. Aus 200 Metern Höhe schaut er über die Stadt und sieht seinen Höhenflug im Grunde nur geografisch leicht verlagert.

Zwar hatte Menzel bereits touristische Projekte in Breslau laufen, schwärmt nun im Café Gniazdo gleich gegenüber der Oper aber von der Mentalität, die es in Westdeutschland etwa zu Zeiten des Wirtschaftswunders nach dem Krieg gab. Es geht stets aufwärts. Nun schmeißt er sich in den Boom. In „zig neuen Projekten“ lasse er nun die KI rattern und überlegt, wie er sich Toptalente angelt. Gerade hat er eine im Grunde fertige Studentin mit ’Studentenstatus’ für das polnische Topgehalt von 7.000 Złoty angeheuert. „7.000 stehen brutto im Arbeitsvertrag und 7.000 bekommt sie auch netto. Das sind meine kompletten Arbeitgeberkosten“, sagt er. Das wäre ein gängiges Modell, mit dem der Staat Aufschwung unter Einsteigern generiere, statt das Geld in aller Welt zu verteilen.

Dieses Lebensgefühl schwinge in ihm im Grunde seit 2013. Mit Kumpels kam er immer häufiger – „oft jedes zweite Wochenende“ – nach Breslau und genoss Restaurants und das nächtliche Partyleben. „Im Grunde spürte ich da schon den Drang, vom einschnürenden Deutschland Abschied zu nehmen.“

Die Lebensqualität im darbenden Görlitz halte da nicht Schritt. Zudem sei ja sein Urgroßvater aus Hirschberg (Jelenia Góra) und seine Uroma in Warschau geboren. Seine Breslauer Infrastruktur vom Steuerberater bis zum Anwalt sei lange vorhanden, sein Netzwerk schon sehr gut. Arbeit mache auf einmal wider Spaß, im Gegensatz zu Görlitz, wo er das bestimmende Thema einer Zeitung gewesen sei. Der Kampf mit der deutschen Bürokratie wirke auf die ganze Gesellschaft nur noch destruktiv. Zudem bleibe sein Görlitzer Werk ja erhalten, „ob Veranstaltungen, Clubs, Festival am Bärwalder See, Casinos, etc. Das wird unter neuen Betreibern fortgeführt, im Bikini bin ich noch involviert, es gibt aber einen neuen Betreiber“. Die Landeskrone laufe weiter und aus der ’EMS Berzdorf’ werde in neuer Regie die ’EMS Görlitz’. Befreiend sei auch, dass Extremsituation mit der Verantwortung für viele Menschen in Polen nun entspannter laufen. In der Coronatestcenterzeit habe er 110 Vollzeitmitarbeiter gehabt, später 50. Aber im heutigen deutschen System mit Gefälligkeitskrankschreibungen würden Leistungsträger nur noch bestraft. Am deutlichsten wird Menzel im Hinblick auf den Rückzug von seiner Bürgermeisterbewerbung. „Jede Bewegung, jeder Kontakt von mir wurde im Rathaus dokumentiert. Ich habe dann irgendwann Leuten abgeraten Unterstützungsunterschriften für mich zu leisten, um nicht auf einer Schwarzen Liste zu landen.“ In vielem bleibt er noch vage, aber in einer überregionalen Zeitung sei bald mit einer großen Geschichte über ihn zu rechnen. Die werde dann auch mit juristischer Rückendeckung eine ganze Menge schreiben können. Aktuell wolle er nur sagen, dass Querverbindungen zwischen Medien und Staatsanwaltschaft einen echten ’Flow der Maschinerie’ in Gang gesetzt hätten – „alles aufeinander abgestimmt. Würden Genehmigungsverfahren so ablaufen, wäre Deutschland Innovationsweltmeister“, sagt er.

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