„Wir vermitteln nicht um jeden Preis“

Im Tierheim Bretnig-Hauswalde leben die Hunde in Kleingruppen zusammen und sind an den Menschen gewöhnt. Hier suchen „Buna“ und ihr tierischer Kumpel die Nähe der Vorstandsvorsitzenden Annett Kother. ⋌Foto: Martin Hocher
Der Verein „Hoffnung für Tiere“ e. V. betreibt seit dreißig Jahren das Tierheim in Bretnig-Hauswalde. Hier finden vor allem Hunde, Katzen und Kleintiere ein Zuhause, bevor sie in liebevolle Hände vermittelt werden. „Unsere Hunde leben nicht in Zwingern, sondern in kleinen Gruppen mit Artgenossen“, sagt die Vorstandsvorsitzende Annett Kother.
Bretnig-Hauswalde. Wenn Annett Kother ihr Auto vor dem Tierheim am Rande von Bretnig-Hauswalde parkt, weiß sie: Es wartet viel Arbeit auf sie – und viel Freude. Eine Hundegruppe drängelt sich schon am Tor. Die schwarze „Buna“ möchte sofort gestreichelt werden, während der helle „Quentin“ sich im Hintergrund hält.
Aus einem Auslauf rechts ist das tiefe Bellen von „Kupidon“ zu hören, der mit seiner Gefährtin „Babuszka“ dort zusammenlebt. „Sicher sieht man oft Leid, wenn man im Tierschutz tätig ist. Aber es ist immer wieder schön zu erleben, wie die Hunde aufblühen, wenn sie zu uns kommen, einfach wieder anfangen zu leben“, sagt die Tierfreundin. Seit drei Jahren ist sie Vorstandsvorsitzende des Vereins „Hoffnung für Tiere“ e. V. – ehrenamtlich neben einem Vollzeitjob. „Der Verein gründete sich 1996 und eröffnete im Herbst desselben Jahres das Tierheim auf diesem rund 6000 Quadratmeter großen Grundstück“, erzählt sie. 2023 kaufte man das Anwesen. In dem alten Bauernhaus auf dem Gelände sind nun unter anderem Büros, Futterküche, Quarantäne und Schlafmöglichkeiten für Hunde und Katzen untergebracht. Das Heim mit seiner Leiterin Annett Frömmrich und den anderen vier Mitarbeitern finanziert sich über Spenden, Beiträge der rund 80 Mitglieder und die Gebühren, die bei der Vermittlung der Tiere anfallen. „Das Besondere bei uns ist: Wir halten die Hunde nicht in Zwingern, sondern lassen sie in Kleingruppen miteinander leben“, betont Annett Kother. Die Vierbeiner kennen ihren Tagesablauf: Früh dürfen sie kurz aufs Gelände, um ihr Geschäft zu machen. Dann gibt es Frühstück. Derweil reinigen die Pfleger den Auslauf. Vor der zweistündigen Mittagsruhe und danach geht es wieder raus. Gegen 20 Uhr ist „Schlafenszeit“ im Haus. Jeder Hund aus den Gruppen hat dort sein Plätzchen. Gefüttert wird in kleinen Portionen, dafür aber öfter, damit es sich mit der Bewegung verträgt.
„Dieses Modell des Zusammenlebens funktioniert, weil wir nur erwachsene Tiere aufnehmen und auch keine sogenannten Listenhunde“, erläutert Annett Kother. Hunde mit besonderen Bedürfnissen, wie „Kupidon“, leben in eigenen Ausläufen: „Er möchte immer draußen sein und erträgt es nicht, die Nacht im Haupthaus zu verbringen.“ In Ausnahmefällen muss ein Tier einen Maulkorb tragen, bis es sich in die Gruppe einfügt, so wie Pensionshund „Nico“. Hunde, Katzen, Kleintiere und Vögel kommen als private Abgaben, aus anderen Tierheimen oder nach Behördenwegnahmen nach Bretnig-Hauswalde. Viele werden auch gefunden. Momentan leben hier 18 Hunde und 27 Katzen.
Annett Kother und ihre Mitstreiter freuen sich, dass fast alle Tiere früher oder später ein Zuhause finden. „Wir vermitteln aber nicht um jeden Preis – nur damit das Tier weg ist.“ Wenn sich Tier und Mensch gefunden haben, bringen die Mitarbeiter ihren Schützling in sein neues Heim und schauen, wie er dort leben wird. Auch danach bleibt die Einrichtung Ansprechpartner für Fragen. Neben dem Prozedere rund um die Vermittlungen klären die Tierschützer auf – besonders dazu, wie wichtig es ist, freilaufende Katzen zu kastrieren, damit die Tiere sich nicht unkontrolliert vermehren. Die Landesdirektion Sachsen fördert zu 90 Prozent die Kastration verwilderter Hauskatzen. Ehrenamtler fangen dann die Tiere vor Ort ein und setzen sie nach dem Eingriff wieder zurück. „Letztes Jahr konnten wir bei dieser Aktion 85 Katzen kastrieren – ein Tropfen auf dem heißen Stein. Besser wäre eine generelle Kastrationspflicht.“ Auch Tipps für die Sommer- und Urlaubszeit gehören zum aktiven Tierschutz: Für Katzen, die meist standorttreu sind, empfiehlt es sich, vor der Reise jemanden zu suchen, der das Tier vor Ort betreut. Der Hund fährt entweder mit in den Urlaub oder braucht einen Platz in einer Tierpension. Ist es sehr warm, sollten Gassigänge in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden verlegt werden. Frisches Wasser muss immer zur Verfügung stehen. „Und man sollte darauf achten, dass Katze oder Hund nicht zu lange in der Sonne liegen. Denn auch Tiere können einen Hitzschlag bekommen“, erläutert Annett Kother.