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Wo Bautzen immer noch brach liegt

Wo Bautzen immer noch brach liegt

Eine der wohl markantesten und städtebaulich interessanten Brachen in Bautzen ist die Frankensteinsche Mühle. Foto: Menschner

Bautzen braucht Platz. Deshalb nimmt die Stadt jetzt ihre ungenutzten Flächen unter die Lupe. Mit teils überraschenden Ergebnissen.

Bautzen. Die Stadt Bautzen will ihr Flächenpotenzial besser ausnutzen. Dafür hat sie Brachflächen und so genannte „mindergenutzte Flächen“ einer Betrachtung unterzogen.
Ziel des so entstandenen „Brachenkonzepts“ ist es, die für Gewerbe und sonstige Nutzungen verfügbaren Flächen zu vergrößern und gleichzeitig Bereiche festzulegen, die für eine Renaturierung infrage kommen. Im Rahmen des Konzeptes benennt die Stadtverwaltung 72 Objekte mit einer Gesamtfläche von 58 Hektar.
Die Palette ist bunt gemischt: Sie reicht von ehemaligen Industrieanlagen über leer stehende Gasthöfe, Lagerflächen bis hin zu Wohnhäusern und Wasserwerken.

Auch ungenutzte Bahnanlagen, darunter die frühere Spreetal-Flügelbahn, spielen eine wichtige Rolle. „In der Regel sind leer stehende Gebäude und Hallen sowie teilweise Altlasten vorzufinden. Dies zieht Aufwendungen für den Abbruch, zur Sanierung oder zur Renaturierung nach sich“, heißt es in der Einleitung.
Und weiter: „Der mit ca. 48 Hektar größere Teil aller aufgeführten Flächen stellt ein gutes Potenzial für die zukünftige bauliche und wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Bautzen dar und muss aktiviert, vermarktet und genutzt werden. Ca. 13 Hektar stehen mit dem Entwicklungsziel ’Entsiegelung’ vor allem der Renaturierung zur Verfügung.“

Der Oberlausitzer Kurier gibt anhand einiger Beispiele einen Überblick über die Bandbreite. 

Kaufhalle Kaskade

Die frühere Kaufhalle und Konsum-Bäckerei „Kaskade“ diente zu DDR-Zeiten der Versorgung des neu entstandenen Wohngebiets Gesundbrunnen. Nach 1990 war der Komplex immer wieder mal belegt, vor allem durch Schnäppchenmärkte. Im Branchenkonzept wird die Kaskade als „zum Teil brachliegend“ beschrieben und ihr ein schlechter Bauzustand attestiert. Nach den Vorstellungen der Stadt soll sie auch künftig gewerblich genutzt werden und der „Ergänzung des zentralen Versorgungsbereiches sowie der Wohngebietsversorgung“ dienen.

Frankensteinsche Mühle

Eine der wohl markantesten und städtebaulich interessanten Brachen in der Stadt Bautzen ist zweifellos die Frankensteinsche Mühle. Der kolossale Gebäudekomplex am Eingang zur Bleichenstraße ist laut Branchenkonzept „minder genutzt“, was dasselbe bedeutet wie „überwiegender Leerstand.“ Der Bauzustand wird als „schlecht bis ruinös“ beschrieben, zudem befindet sich das Objekt im Überschwemmungsgebiet der Spree. Dennoch sieht die Stadt hierfür auch künftig eine „gemischte Nutzung“ vor.

Wasserwerk Strehla

Das kleine, schlossähnliche gelbe Backsteingebäude an der Czornebohstraße stand in der Vergangenheit bereits mehrfach im Blickpunkt. Nach der Außerbetriebnahme durch die Energie- und Wasserwerke im Jahre 1998 siedelte sich hier ein sozialer Möbelmarkt an, dessen Träger allerdings gegen den baulichen Verfall, der sich in deutlich sichtbaren Rissen manifestiert, machtlos war. Heute stellt sich der Zustand als „schlecht/ruinös“ dar. Die Stadt stellt sich für das in ihrem Eigentum befindliche Objekt eine „Misch- oder nicht störende gewerbliche Nutzung“ sowie eine „Renaturierung von Teilflächen“ vor, was nichts anderes bedeutet als deren Abriss. 

Regionalschulamt

Das als Seniorenheim errichtete mehrstöckige Gebäude am Gesundbrunnenring diente nie seinem ursprünglich zugedachten Zweck. Vielmehr zog hier das Regionalschulamt, später auch als Bildungsagentur sowie Landesamt für Schulen und Bildung bezeichnet, ein. Mit der geplanten Konzentration der Landesbehörden auf dem früheren Kasernengelände an der Käthe-Kollwitz-Straße wird es zur Brache. Der Bauzustand wird als „schlecht“ beschrieben, die gewünschte Nachnutzung mit „Aufwertung des Wohnumfelds“ angegeben. Dies lässt sich breit interpretieren, im Extremfall bis zu Abbruch und Neugestaltung des Areals. Immerhin ist die Stadt Eigentümerin.

Bahnbetriebswerk

Das frühere Bahnbetriebswerk, im Brachenkonzept lapidar als „Lokschuppen“ bezeichnet, stellt mit knapp 3,5 Hektar eine der größten Einzelbrachen dar. Zwischen 2008 und 2012 wurden die meisten Gebäude abgerissen, lediglich ein „Wirtschaftsgebäude“ blieb stehen. Die Stadtverwaltung kann sich hierfür – außer der Renaturierung – auch eine Nutzung für die alternative Energiegewinnung, sprich als Solarpark, vorstellen. Allerdings wurden mehrere verschiedene Altlasten auf dem Gelände festgestellt.

Uwe Menschner / 25.06.2022

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