Wohin jetzt mit dem Grünschnitt?

Noch bis Ende des Monats können Grünabfälle zur Kompostieranlage in Bederwitz gebracht werden. Foto: Markus Michalk

Ein Aushang informiert: Die Kompostieranlage in Bederwitz schließt zum 1. Dezember. Foto: Markus Michalk
Die Kompostieranlage im Schirgiswalde-Kirschauer Ortsteil Bederwitz war für viele Gartenbesitzer eine wichtige Anlaufstelle. Doch steigende Kosten machen den Betrieb unrentabel. Zum 1. Dezember wird der Standort deshalb geschlossen. Geschäftsführer Marc Breuer erklärt, warum es trotz großer Nachfrage keine Zukunft für die Anlage gibt und wie es für die betroffenen Mitarbeiter weitergeht.
Bederwitz. Als das Gerücht die Runde machte, die Kompostieranlage in Bederwitz werde geschlossen, dauerte es nicht lange, bis das Telefon bei der Klixer Recycling & Service GmbH klingelte. Mehrfach beschwerten sich Anrufer bei einer Mitarbeiterin – teilweise ungehalten. Sie wollten nicht hinnehmen, dass künftig eine wichtige Anlaufstelle für Gartenabfälle im Oberland wegfällt. Für Geschäftsführer Marc Breuer ist die Entscheidung dennoch unausweichlich. „Es ist schade, aber die Kosten werden einfach zu hoch.“ Breuer ist seit 2009 im Unternehmen und hat die Leitung von seinem Vater übernommen. Dieser hatte bereits in den 1990er-Jahren mit der Annahme und Kompostierung von Grünabfällen begonnen, zunächst in Burk, später kam Bederwitz hinzu. Der Bedarf im Oberland war bekannt, eine entsprechende Annahmestelle fehlte. „Die Leute haben uns quasi die Bude eingerannt, nachdem bekannt wurde, dass in Bederwitz Grünabfälle angenommen werden“, erinnert sich Breuer.
Die Anlage befindet sich in Bederwitz, gegenüber der Kläranlage des Abwasserzweckverbands Obere Spree. Hier können Gartenbesitzer ihren Grünschnitt abgeben. Doch was nach einem vergleichsweise einfachen Geschäft klingt, ist aufwendig und teuer. Die reine Kompostierung rechnet sich nach Breuers Angaben nicht. Deshalb nimmt das Unternehmen an diesem Standort neben Grünabfällen auch Bauschutt, Erdaushub und Holz an. Außerdem verkauft es Mineralgemisch, Mutterboden, Kies und Sand. Doch selbst mit diesem zusätzlichen Angebot sei der Betrieb nicht kostendeckend. Denn eine Kompostieranlage läuft nicht nebenbei. Personal muss bezahlt, die Technik gewartet werden. Zwei Radlader sind für das Be- und Entladen erforderlich. Auch der Kompostiervorgang muss fortlaufend kontrolliert werden. Hinzu kommen steigende Kraftstoffkosten und Maschinen, deren Wartung immer aufwendiger wird. Selbst der Platz in Bederwitz wurde erst neu versiegelt, damit kein Sickerwasser aus der Anlage in den Boden und damit ins Grundwasser gelangen kann.
Wie groß die Lücke zwischen den tatsächlichen Kosten und dem bisherigen Preis ist, verdeutlicht Breuer an einem Beispiel: Ein Kubikmeter Grünabfall kostet bei der Annahme derzeit zwölf Euro brutto. Um sämtliche Kosten einschließlich Wartung, Kraftstoff und Personal zu decken, müsste das Unternehmen nach seiner Rechnung rund 35 Euro je Kubikmeter verlangen. Ein solcher Preissprung wäre erheblich – und dürfte die Akzeptanz bei den Kunden auf die Probe stellen. Auch die Entsorgung bleibe ein Unsicherheitsfaktor. Breuer verweist auf komplizierte Regelungen und die Frage, wo Materialien künftig noch angenommen oder verwertet werden können. Deponien haben nur begrenzte Kapazitäten. Zugleich sollen bundesweite Vorgaben für mehr Einheitlichkeit und Umweltschutz sorgen. Die sogenannte Mantelverordnung, die seit dem 1. August 2023 in Kraft ist, umfasst unter anderem die Ersatzbaustoffverordnung, die novellierte Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung sowie Änderungen der Deponie- und Gewerbeabfallverordnung. Sie soll unter anderem den Boden und das Grundwasser schützen und bundeseinheitliche Regeln für die Verwertung mineralischer Abfälle schaffen. Daneben gibt es Empfehlungen und Vollzugshilfen der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Abfall (LAGA). Sie sollen die praktische Umsetzung des Abfallrechts erleichtern, sind aber nicht pauschal mit rechtsverbindlichen Verordnungen gleichzusetzen. Ältere technische Regeln wurden in weiten Teilen durch die neuen Regelungen abgelöst, gelten in bestimmten Zusammenhängen jedoch weiter. Breuer kritisiert, dass die Anforderungen für Unternehmen schwer kalkulierbar seien und zwischen Theorie und betrieblicher Praxis eine Lücke klaffe. Gerade für kleinere Anbieter werde es dadurch schwieriger, langfristig zu planen.
Dass der Abschied von der Grünabfallannahme auch vor Ort bedauert wird, zeigt das Beispiel Ringenhain. Dort ist die Annahmestelle bereits seit dem 30. Juni geschlossen. Nach Breuers Angaben hatten sich die Gemeinde Steinigtwolmsdorf und Einwohner darum bemüht, den Standort zu erhalten oder einen anderen Betreiber zu finden. Inzwischen sei der Platz jedoch an ein branchenfremdes Unternehmen verkauft worden.
Von der Schließung betroffen sind auch die Mitarbeiter, die bislang für die Standorte Ringenhain und Bederwitz zuständig waren. Sie müssen das Unternehmen nach Angaben Breuers jedoch nicht verlassen. Ihnen seien andere Arbeitsplätze innerhalb der Klixer Recycling & Service GmbH angeboten worden.
Auch für Bederwitz gibt es Interessenten für das Gelände. Sie kommen allerdings ebenfalls aus einer anderen Branche. Ob dort künftig noch einmal Grünabfälle angenommen werden, ist deshalb offen. Gartenbesitzern in der Region stehen weiterhin kommunale Grüngutsammelplätze zur Verfügung. Dazu gehören unter anderem die Annahmestelle der Putzkauer Milch GmbH in Schmölln-Putzkau, der Sammelplatz in Eulowitz sowie der Recyclinghof Tännicht in Sohland.