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Zittauer gärtnern in der Innenstadt

Zittauer gärtnern  in der Innenstadt

Nino Gehler von der Interessengemeinschaft der Hochschule Zittau/Görlitz (links) baut im Amaliengarten aus Europaletten die Hochbeete zusammen und schaut mit prüfendem Blick, ob die Teile richtig ausgerichtet sind. Eric Schön steht ihm hilfreich zur Seite

Zittau. Die Zittauer können jetzt ihre Lust am Gärtnern mitten in der Innenstadt ausleben.  In der Amalienstraße entsteht der erste Gemeinschaftsgarten der Stadt. Auf der Brachfläche sollen künftig unter anderem Gemüse und Kräuter sprießen.

Nino Gehler von der Interessengemeinschaft der Hochschule Zittau/Görlitz baut dort Europaletten zu Hochbeeten zusammen, schaut mit prüfendem Blick und mit Hilfe der Wasserwaage , ob die Teile auch richtig ausgerichtet sind.  „Zuvor haben wir schon in einer ersten Gemeinschaftsaktion die wilde Wiese auf der schätzungsweise 200 bis 300 Quadratmeter großen Fläche in alter Manier mit der Sense gemäht“, sagt Eric Schön. Der Diplomingenieur von der Hochschule Zittau/Görlitz, Fakultät Natur- und Umweltwissenschaften, hat dieses Projekt mit vorbereitet. Im Herbst des vergangenen Jahres gab es beim Tag der Umwelt die Initialzündung dafür.  „Wir wollten grundsätzlich etwas zum Thema ,Urban Gardening' in die Stadt Zittau holen“, erinnert er sich. Unter „Urban Gardening“ ist die meist kleinräumige, gärtnerische Nutzung städtischer Flächen innerhalb von Siedlungsgebieten oder in deren direktem Umfeld zu verstehen.

Zunächst war eine Vereinbarung zwischen der Stadt Zittau und der Hochschule Zittau/Görlitz abgeschlossen worden,  dass es möglich ist, den Amaliengarten dafür zu nutzen. Vor mehreren Jahren war das Haus  auf dieser Fläche abgerissen worden. Eine  Studentengruppe beschäftigte sich dann mit einem Gestaltungskonzept. Also wie der Amaliengarten einmal aussehen- und was dort in welcher Form angepflanzt werden könnte. „Die Belegarbeiten haben uns Eindrücke gegeben, wie wir mit der Fläche umgehen könnten“, sagt Eric Schön. Was an der Hochschule Zittau/Görlitz im Studiengang Ökologie und Umweltschutz gelehrt wird, kann jedenfalls dort mit „Urban Gardening“ in der Praxis umgesetzt werden. Studenten vom Internationalen Hochschulinstitut steuerten dazu eine Bodenanalyse bei. Bedingt durch die Abbruchfläche sind die Werte nicht ganz so ausgefallen, um bodennah Gemüse zum Verzehr anzubauen.

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„Um uns abzusichern, legen wir Hochbeete an“, sagt Eric Schön. Und er fährt fort: „Die Gartengeräte steuern wir zum Teil privat bei. Sponsoren können uns – wie das auch schon geschehen ist – mit entsprechendem Material, Erde, Saatgut und Pflanzen unterstützen.“

Je nach Jahreszeit sollen im Amaliengarten in der Perspektive unter anderem Kürbisse, Zucchini und Kräuter sprießen. Bei den Arbeiten vor Ort gibt es keine oberste Entscheidungsbefugnis,  sondern alle leisten jeweils ihren kreativen Beitrag. „Es kann wirklich jeder mitmachen“, sagt Eric Schön. Der Funke ist dabei schon auf andere Mitstreiter übergesprungen. Denn Schüler des Christian-Weise-Gymnasiums Zittau stellten im Gemeinschaftsgarten ein Insektenhotel auf. Die kleinen Stockwerke sind mit Naturmaterialien gefüllt worden. Bienen und Käfer aller Art sollen sich hier ansiedeln.

Den Machern geht es dabei aber nicht nur darum, über diese nachhaltige gärtnerische Form die städtische Entwicklung anzuregen, sondern mindestens zur Hälfte auch um die soziale Komponente.
„Es soll ein Ort der Gemeinschaft entstehen, wo wir uns treffen und uns über das Gärtnern und alte Sorten verständigen, um Wissen zu vermitteln und Erfahrungen auszutauschen. Wir wollen gemeinsam miteinander und voneinander lernen und Ideen verwirklichen“, erläutert er.

Im September rechnet Eric Schön mit der ersten Ernte. Und auch dann soll der genannte Leitgedanke aufgegriffen werden. „Wir ernten zusammen, bereiten die ,Kost' gemeinsam vor, lassen es uns zusammen schmecken und sprechen über Möglichkeiten der Verarbeitung und Zubereitung.“ 

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Für solche Aktivitäten könnten seiner Auffassung nach durchaus auch einmal andere Standorte in der Stadt Zittau in Frage kommen: „Das ist aber Zukunftsmusik. Erst einmal kümmern wir uns um den Amaliengarten.“ 

Steffen Linke / 07.07.2016

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