Zittauer Tierpark investiert in die Sicherheit

Ein Besuch im Zittauer Tierpark lohnt sich auch in der Winterzeit. Foto: privat
Der Zittauer Tierpark hat, seit ein betagtes Pony im Herbst des vergangenen Jahres schwer misshandelt worden ist, sodass es eingeschläfert werden musste, massiv in Sicherheitstechnik investiert.

Der Zittauer Tierpark hat in den vergangenen Monaten massiv in neue Sicherheitstechnik investiert. Foto:privat
Zittau. Bislang ist diese Tat laut Tierparkdirektorin Jessica Stegemann noch nicht aufgeklärt: „Alle relevanten Informationen sind von uns an die Polizei weitergegeben worden. Am 27. Januar 2026 – genau drei Monate nach dem letzten Kontakt – meldete sich die zuständige Polizeibeamtin erneut. Nun wird ein weiterer Ermittlungsschritt eingeleitet. Wir verlieren die Hoffnung nicht, dass der Fall doch noch aufgeklärt werden kann. Besser spät als nie.“
Die Tat hatte insbesondere bei den Tierpflegerinnen und Tierpflegern deutliche Spuren hinterlassen. „In den Wochen danach war es für viele sehr schwer, sich im Shetland-Pony-Gehege aufzuhalten, da die Erinnerung an das fehlende Tier allgegenwärtig war. Hinzu kam eine große Verunsicherung: Wer ist zu so etwas fähig – und könnte es wieder passieren?“, sagt sie. Gerade an den darauffolgenden Wochenenden seien viele Mitarbeiter mit einem mulmigen Gefühl zur Arbeit gegangen.
Der Zittauer Tierpark rief daraufhin zu einer Spendenaktion für mehr Sicherheit im Gelände auf. Die Unterstützung aus der Bevölkerung war laut Jessica Stegemann überwältigend. Insgesamt kamen rund 50.000 Euro an Spendengeldern zusammen. „Auch heute erreichen uns vereinzelt noch Spenden, die ausdrücklich für das Thema Sicherheit bestimmt sind“, betont sie.
Aktuell sind zwei Überwachungstürme der Firma Vimtec im Einsatz. Einer befindet sich im Bereich der Kängurus und erfasst die oberen Anlagen. Der zweite steht bei den Lamas und überwacht den Hauptweg sowie die Gehege der Huzuleponys und Lamas. Zusätzlich ist eine Kamera auf das Esel- und Kamelgehege ausgerichtet. Seit Mitte Januar sind zudem die Wirtschaftsgebäude und der Kassenbereich mit einer Alarmanlage ausgestattet, die vollständig installiert und aktiv ist. „Unser Dank gilt dabei ausdrücklich der Firma Vimtec sowie der Sicherheitsfirma Sockel für die schnelle, unkomplizierte Planung und Umsetzung“, sagt sie.
Nach Auskünften von Jessica Stegemann hat die Sicherheit inzwischen oberste Priorität. Zwei Einbrüche innerhalb kurzer Zeit sowie nächtliche Personenbewegungen im Park trotz Kameras verunsichern sehr. „Als Direktorin trage ich Verantwortung sowohl für die Tiere als auch für die Mitarbeiter. Dass ein derart umfangreiches Sicherheitssystem notwendig werden könnte, hätte früher niemand gedacht. Doch die Entwicklungen zeigen, dass Vorsorge unerlässlich ist. Mein Ziel ist es, Tiere und Personal bestmöglich zu schützen – und wenn technische Maßnahmen zugleich helfen, Straftaten aufzuklären, ist das umso wichtiger.“
Die neuen Überwachungstürme haben bereits Wirkung gezeigt: Mehrere Personen konnten nachts per Kamera aufgezeichnet werden. Das entsprechende Material wurde der Polizei übergeben, die nun ermittelt. Unverständlich ist dabei nach Auffassung von Jessica Stegemann, „dass trotz klarer Hinweise auf Videoüberwachung Menschen nachts gegen 3.00 Uhr durch den Park spazieren. Auch wenn der Zaun leicht zu überwinden ist, handelt es sich eindeutig um Hausfriedensbruch. Da sich die betreffenden Personen nicht selbst gemeldet haben, haben wir Anzeige erstattet. Die Botschaft ist klar: Die Technik funktioniert – und Verstöße werden konsequent angezeigt.“
Grundsätzlich fühlen sich die Mitarbeiter durch die Überwachung sicherer als zuvor. Allein das Wissen, dass das Gelände nun kontrolliert wird, gibt laut der Tierparkdirektorin ein Stück Sicherheit zurück. Dennoch bleibt bei vielen ein gewisses Unbehagen bestehen – das Sicherheitsgefühl wächst, ist aber noch nicht vollständig unbeschwert.
Die Gesamtkosten für die Sicherheitsmaßnahmen lassen sich derzeit noch nicht abschließend beziffern. „Sowohl die Firma Vimtec als auch die Sicherheitsfirma Sockel kommen uns finanziell sehr entgegen, da beide möchten, dass zusätzlich Mittel für die dringend notwendige Zaunerneuerung zur Verfügung stehen“, so Jessica Stegemann. Die reine Sicherheitstechnik würde sich schätzungsweise auf 25.000 bis 50.000 Euro belaufen. Durch die Unterstützung der Firmen wird jedoch nicht die gesamte Summe benötigt. Die verbleibenden Mittel sollen in die Erneuerung des Zaunes fließen, für die mindestens 100.000 Euro erforderlich sind. Hierzu laufen laut der Tierparkdirektorin Gespräche mit der Stadt über mögliche Unterstützung. Im März sollen weitere Kameras und Sicherheitssysteme installiert werden, sodass künftig alle Bereiche des Parks abgedeckt sind. „Die Umsetzung der Zaunerneuerung ist geplant, der genaue Zeitpunkt steht jedoch noch nicht fest“, sagt sie.
Und inwieweit bleibt trotz aller Sicherheitsvorkehrungen Freiraum für die Besucher des Zittauer Tierparks für einen schönen entspannten Besuch in der weitläufigen Anlage? „Die Kameras sind zwar auch tagsüber in Betrieb, die Aufnahmen werden jedoch nicht gespeichert. Zugriff auf das Material haben ausschließlich wenige Mitarbeiter der Führungsebene. Der Fokus der Überwachung liegt klar auf den Nachtstunden: Sobald der Park geschlossen ist, beginnt die Aufzeichnung und die Alarmanlage wird aktiviert – bis zum Eintreffen des ersten Mitarbeiters am Morgen. Besucher werden somit nicht aufgezeichnet“, antwortet sie. Die sichtbaren Türme werden ihrer Meinung nach bislang gut akzeptiert, weitere Kameras werden teilweise unauffälliger installiert. Ein entspannter Tierparkbesuch bleibt also uneingeschränkt möglich, betont sie.
Insgesamt sind im Zittauer Tierpark rund 69 Tierarten zu sehen, ergänzt durch zwei Aquarien mit verschiedenen Fischarten. Ohne Fische und Schaben leben aktuell etwa 406 Individuen im Park. Zu den kleinsten Tieren zählen unter anderem Schaben, Frösche, Zwergmäuse und Zwergseidenäffchen. Die größten Tiere im Tierpark sind die Fjällrinder sowie die Trampeltiere.
Die aktuellen Öffnungszeiten des Zittauer Tierparks – täglich von 9.00 bis 16.00 Uhr.