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A4: Stau, Lärm und vom Kampf dagegen

A4: Stau, Lärm und vom Kampf dagegen

Sobald Lkw in der Autobahnbaustelle zwischen Pulsnitz und Ottendorf-Okrilla liegenbleiben, kommt es schnell zum Stau.

Region. Nach nervenaufreibenden Wochen heißt es nun vorsichtig aufatmen: Die Tage der Problembaustelle zwischen den A 4-Anschlussstellen Pulsnitz und Ottendorf-Okrilla sind anscheinend gezählt. Nach Auskunft des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr (LASuV) kann das Autobahnteilstück in Richtung Görlitz aller Voraussicht nach am kommenden Mittwoch wieder freigegeben werden. Vorausgesetzt: Das Wetter spielt mit. Im Anschluss daran muss den Angaben zufolge allerdings noch auf der Gegenfahrbahn die baustellenbedingte Verkehrsführung beseitigt werden. Das soll bis zum Monatsende geschehen. 

Unklarheit herrscht nach wie vor darüber, welcher finanzielle Schaden durch die Baumängel und deren Beseitigung entstanden ist. LASuV-Sprecherin Isabel Siebert: „Entscheidend ist, dass das keine Zusatzkosten für den Steuerzahler werden, da der Freistaat die vertraglich vereinbarte, mängelfreie Leistung bezahlt, nicht aber den zusätzlichen Aufwand für die Beseitigung von Baumängeln. Daher kümmern wir uns prioritär darum, dass der Verkehr auf der A 4 zügig wieder stau- und unfallfrei rollen kann. Die Klärung der Ursachen für den Baumangel läuft noch.“ Ursprünglich sollte sich das Baugeschehen zwischen Pulsnitz und Ottendorf-Okrilla bereits Mitte August erledigt haben. Bei der Abnahme stellte sich jedoch heraus, dass die aufgebrachte Deckschicht nicht der Norm entsprach. Bei tiefergehenden Untersuchungen wurde zudem klar: Auch die darunterliegende Binderschicht wies stellenweise Defizite auf. Deshalb hieß es zur Verärgerung vieler Autofahrer: Alles auf Anfang. Jetzt aber scheint ein Ende in Sicht.

Nichtsdestotrotz bittet die Polizei Verkehrsteilnehmer weiterhin darum, höchst konzentriert und aufmerksam den Baustellenbereich zu durchqueren. „Ablenkungen jeder Art können zu schwerwiegenden Konsequenzen führen“, meinte ein Sprecher eindringlich. Erst am Dienstagmorgen sorgte ein Lkw-Unfall in Höhe Pulsnitz für einen kilometerlangen Stau. Dieser reichte zwischenzeitlich bis Burkau. Beim Einfahren in den Baustellenbereich hatte der Chauffeur des Lasters die Kontrolle über sein Gefährt verloren. Aufgrund der Unfallaufnahme und der anschließenden Bergung des Lkw, die sich wegen eines Loches im Tank als recht schwierig erwies, sahen sich andere Autofahrer über Stunden in einer riesigen Warteschlange gefangen. Gegen Mittag rollte der Verkehr dann allmählich wieder bis nur wenige hundert Meter von der Unfallstelle ein weiterer Laster in der Baustelle liegen blieb. In diesem Fall führte ein technischer Defekt dazu, dass erneut Autos auf mehreren Kilometern Schlange standen. Doch auch schon zuvor war es immer wieder zu Karambolagen in besagtem Autobahnbereich gekommen oder Fahrzeuge blieben einfach stehen, weil die Technik einen Streich spielte. „Insbesondere zu den Schwerpunktzeiten kann sich da ganz schnell der Verkehr aufstauen. Lange Wartezeiten oder das Ausweichen auf Nebenstrecken sind die Folge“, beschrieb der Polizeisprecher das fast schon alltägliche Szenario auf der A 4.

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Was kommt 
nach der Baustelle?

Etwas Gutes hat das Baugeschehen der letzten Monate trotzdem. Tonnenschwere Laster werden in der Baustelle auf die rechte Spur verbannt. Sobald diese Geschichte ist, soll sich daran nichts ändern. Auf dem Teilstück Pulsnitz – Dreieck Dresden-Nord gilt für Lkw fortan ein Überholverbot – und zwar in beiden Richtungen. Nach mehreren schweren Unfällen in der Vergangenheit auf der zunehmend verstopften Schnellstraße, an denen des Öfteren Laster beteiligt waren, und zeitraubenden Elefantenrennen sieht das Landesamt in diesem Vorstoß offenbar eine Möglichkeit, wieder mehr Fluss in den Verkehr zu bekommen. Die Polizei hingegen ist gefordert, die Einhaltung des Verbotes auch zu überprüfen und Verstöße entsprechend zu ahnden. Denn längst nicht jeder Brummifahrer schert sich um das, was die Verkehrszeichen am Straßenrand vorgeben.

Zügiger Ausbau 
von A 4 gefordert

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Um sich zügig und möglichst staufrei auf der Autobahn fortbewegen zu können, dafür setzt sich seit Kurzem auch eine Gruppe von acht CDU-Landtagsabgeordneten aus den Lausitzer Landkreisen Görlitz und Bautzen ein. Sie forderte Bund und Freistaat auf, so schnell wie möglich einen stellenweisen Ausbau der A 4 in Angriff zu nehmen. „Die Belastung auf dieser Strecke ist ein unhaltbarer Zustand und nicht mehr hinnehmbar“, ließ stellvertretend der Bautzener Abgeordnete Marko Schiemann wissen. Schenkt man Verkehrsminister Martin Dulig (SPD) Glauben, wird das jedoch kein leichtes Unterfangen. „Auch ich stehe an der Seite der Betroffenen, gleich ob Pendler oder Brummifahrer. Jeder Stau ist einer zu viel und ärgerlich. Wenn die CDU-Abgeordneten einen Weg gefunden haben, wie sie den Ausbau beim Bund erfolgreich durchsetzen können, stehe ich voll an deren Seite. Ich bin auf die Vorschläge zur Umsetzung gespannt und unterstütze Marco Schiemann und seine Kollegen bei den Verhandlungen mit dem Bund. Wir selbst bereiten derzeit eine Nachmeldung zum Bundesverkehrswegeplan für einen Ausbau des A 4-Teilstücks von Dresden-Nord bis zur Anschlussstelle Burkau vor – unabhängig von den tatsächlich vorliegenden Zahlen und Erfolgsaussichten.“ Für das Verkehrsministerium gäbe es aufgrund von Erhebungszahlen des Verkehrsaufkommens keine fachliche und juristische Handhabe, um gegenüber dem Bund den Ausbau der Autobahn von zwei auf drei Fahrstreifen durchzusetzen, hieß es weiter. Nach jüngsten Verkehrszählungen befahren im Tagesdurchschnitt etwa 40.000 Fahrzeuge den Abschnitt, der ursprünglich für 70.000 Fahrzeuge ausgelegt sei. „Allerdings nimmt der Verkehr tatsächlich zu, was seitens des Freistaates sehr aufmerksam registriert wird.“

Burkau sammelt 
Unterschriften

Das hat auch Auswirkungen auf den Lärmpegel in Anrainergemeinden. Menschen im autobahnnahen Burkau beispielsweise berichten darüber, dass von Nachtruhe überhaupt keine Rede mehr sein kann. Bürgermeister Sebastian Hein teilt die Sorgen der Einwohner. „Mitunter versteht man sein eigenes Wort nicht mehr“, erzählte er vielleicht etwas überspitzt unserer Zeitung. Inwieweit das so zutrifft, ließ sich zunächst nicht überprüfen. Allerdings gibt eine Lärmkartierung des Umweltministeriums aus dem Jahr 2012 etwas Aufschluss. Demnach waren schon damals in Teilen von Burkau, die sich auch ein Stück weiter von der A 4 entfernt befinden, noch Geräuschpegel von bis zu 55 Dezibel zu verzeichnen. Das heißt: Wen nachts allein schon das Ticken einer Uhr oder das Geräusch eines Kühlschranks am Einschlafen hindert, der bekommt auch beim Sound der Autobahn kein Auge zu. Fünf Jahre danach scheint sich die Situation vor Ort noch einmal deutlich verschlechtert zu haben. Den Betroffenen reicht es. Sie organisierten eine Unterschriftenaktion, um das Verkehrsministerium samt LASuV zum Einlenken zu bewegen. Um die 200 Unterstützer gibt es bereits. Ihnen allen geht es um die Errichtung eines Lärmschutzes. Für zusätzliche Maßnahmen der Lärmvorsorge besteht allerdings keine Rechts- und Finanzierungsgrundlage, hält Dresden entgegen. Das gehe so aus dem Planfeststellungsbeschluss der Landesdirektion hervor, so LASuV-Sprecherin Isabel Siebert. Aufgrund der gestiegenen Verkehrszahlen werde im kommenden Jahr jedoch die Möglichkeit der Lärmsanierung für einzelne Anlieger in nächster Nähe zur Autobahn geprüft. „Bei der Lärmsanierung stehen im Einzelfall passive Maßnahmen wie der Einbau von Schallschutzfenstern im Vordergrund, wenn Eigentümer dies beantragt haben und die Voraussetzungen vorliegen“, erklärte die Behördenmitarbeiterin. „Diese werden zu 75 Prozent gefördert, sofern entsprechende Finanzmittel des Bundes zur Verfügung stehen.“ 

Dass dies bei den Burkauern auf Gegenliebe stößt, darf bezweifelt werden. „Wir warten jetzt mit Spannung die genauen Ergebnisse der aktuellen Lärmkartierung ab, die der Gemeinde bis zum Jahresende vorliegen sollen“, meinte Sebastian Hein. Bis dahin werde die Kommune gemeinsam mit den Initiatoren der Unterschriftenaktion nach einer für alle annehmbaren Lösung suchen. Das dies zu einer echten Herausforderung wird, zeigt sich allein schon an der Haltung des Landesamtes. Trotz des mit der Behörde geführten Schriftverkehrs ließen sich bisher keine Resultate erzielen. Dabei stellt der von der A 4 herüberschwappende Lärm nur eine Einschränkung der Lebensqualität zahlreicher Dorfbewohner dar, teilte Tilo Altmann mit. 

Der Burkauer hat sich mit dem gesamten Thema intensiver auseinandergesetzt. Dabei kam er zu der Erkenntnis: „Hinzukommen weitere auf längere Zeiträume wirkende Faktoren wie Staub- und Abgasbelastung sowie die Verschlechterung von Boden und Wasser durch Fahrzeugabrieb, Kfz-Betriebsstoffe sowie Auftaumittel aus dem Winterdienst, die alle genauso zu gesundheitlichen Problemen führen können.“ Vor diesem Hintergrund bleibt die A 4 vorerst ein Sorgenkind.

Roland Kaiser / 15.10.2017

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