Alte Schätze lagern in den Katakomben

Viele Besucher staunten bei der Kulturnacht über die alten Schätze im Zittauer Filmpalast. Foto: privat

Sicher gibt es für den Zittauer Filmpalast noch einmal die Möglichkeit, bei einem Event die alte Filmtechnik der breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Foto: privat
Auch wenn im Zittauer Filmpalast die alte schon längst der neuen Technik gewichen ist, gibt es noch ein paar Schätze in den Katakomben.
Zittau. Darunter befinden sich laut Theaterleiter David Brück zum Beispiel die alten zentnerschweren Projektoren – einer davon aus dem alten Filmtheater in Niederoderwitz, eine MEO 5XB mit 4.000 Meter 35mm-Film auf den Filmtellern. Dieses Fabrikat stammt noch aus DDR-Zeiten. Und: Ein alter Ufa-Gong, ein Relikt aus den 30er-Jahren, baut Spannung vor dem Film auf und sorgt für die richtige Kinoatmosphäre mit traditionellem Touch. David Brück kennt solch alte Projektionstechnik eigentlich nur aus Filmen. Last Action Hero zeigte beispielsweise immer toll die Kinoszenerie und Technik im Hintergrund – und das auch in einem Film mit Arnold Schwarzenegger. „Wir hatten außerdem zu Hause in der Familie einen Super-8-Projektor und einen Diaprojektor. Wenn deren Teile ratterten und summten, waren wir immer alle sehr gespannt und schauten gebannt im Wohnzimmer auf die kleine Leinwand“, erinnert er sich.
Ganz besondere Fundstücke hegt und pflegt der langjährige Vorführer Michael Rothmann bei sich zu Hause. Zum Beispiel den TK-35 (Tonkoffer), mit dem er von 2005 bis 2012 die Burgfilmnächte in Bautzen gestaltet hat. Die Besonderheit dabei ist das Kofferformat, das den Projektor trotz ordentlich Gewicht und Größe doch sehr praktikabel einsetzbar machte. Mit der Neo-Club 16mm mit breiterem Filmformat wurden auch Fernsehfilme gedreht. Der Pathe 9,5 mm aus den 40er-Jahren ist ein französisches Format auf einem französischen Projektor. Die Besonderheit liegt hierbei in der Perforierung der Filmrolle, die nicht wie üblich außen, sondern in der Mitte gestanzt ist.
Michael Rothmann kann anhand dieser Schätze genau erklären, wie Kino funktioniert. Denn vieles ist einfach offen anzusehen, ob Spiegel, Glühbirnen, Linsen, Rädchen oder Spulen. Das würde die Technik für Laien viel anschaulicher und verständlicher machen.
Michael Rothmann ist laut David Brück sehr engagiert, die alte Technik auch funktionsfähig zu halten: „Wenn dem mal nicht so ist, findet er als alter Vorführhase immer einen Weg. Das kommt uns auch heute noch manchmal zu Gute.“ Michael Rothmann selbst hat zur Zittauer Kulturnacht mehrere Führungen gegeben und aus dem Nähkästchen geplaudert:
„Wir hatten sogar Besuch von einem ehemaligen Vorführer-kollegen mit echtem DDR-Vorführerausweis.“ Das hätten viele Besucher toll gefunden. David Brück hält jedenfalls die historische Kinotechnik und den einstigen Zuschauergenuss auch heute noch für etwas ganz Besonderes. Und was für Filme mit welchen Schauspielern flimmerten damals über die Leinwand? Zu den Filmhighlights von Michael Rothmann zählen unter anderem die italienische Komödie „Robinson Junior“, der japanische Katastrophenfilm „Panik im Tokio-Express“, die Komödie „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“ und „Die unendliche Geschichte“. David Brück selbst ist ein großer Agatha-Christie-Fan. „,Das ,Böse unter der Sonne’ und ,Tod auf dem Nil’ habe ich hunderte Male geschaut“, verrät er.
Mit der alten Filmtechnik verbinden sich für Michael Rothmann natürlich auch viele Anekdoten: „In der Weinau habe ich damals ,Das fliegende Auge’ gespielt. Da musste ich wie wild Filmrollen während des Filmes kleben. Das war eine ganz schön knappe Kiste, denn jede Rolle lief nur 25 Minuten. Am Ende habe ich das aber so hinbekommen, dass niemand im Publikum etwas aufgefallen ist.“
Laut David Brück entwickelt sich die Kinotechnik rasant: „Neue Projektionssysteme, immersive Tonformate und digitale Innovationen verändern das Kinoerlebnis ständig. Was heute ,State of the Art’ ist, kann morgen schon überholt sein.“ Im Zittauer Filmpalast seien erst vor kurzem die letzten beiden Doremi-Projektoren mit einem Xenonkolben gegen neue Laserprojektoren ausgetauscht worden. „Wir sind technisch und auch vom Komfort auf Topniveau und bieten dazu noch mit freundlichem Service ein Premium-Kinoerlebnis“, wirbt er.
Und was bedeutet der schnelle technische Wandel auch für die Mitarbeiter und David Brück im Zittauer Filmpalast? „Neue Technik funktioniert auf die gleiche Art, aber dennoch etwas anders. Mit der neuen Projektion kann auch viel aus der Ferne reguliert und behoben werden, das macht einiges leichter. Ein Mensch vor Ort, der Bild, Ton und Temperatur checkt, bleibt dennoch unerlässlich, um das perfekte Kinogefühl zu kreieren“, antwortet er. Sicher gibt es für den Filmpalast noch einmal die Möglichkeit, bei einem Event die alte Filmtechnik der breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. „Das lassen wir auf uns zukommen“, sagt David Brück abschließend.