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Bundespolizisten werden oft fündig

Bundespolizisten werden oft fündig

Dicker Fang für die Beamten der Bundespolizei-Inspektion Ludwigsdorf: In einem Audi A4 waren alle diese zuvor geklauten Werkzeugmaschinen verstaut. Foto: Bundespolizei

Urkundendelikte, Verstöße gegen das Waffengesetz, unerlaubte Einreise, Eigentumsdelikte – die Liste der Verstöße, mit denen die Bundespolizisten entlang der Neiße im vergangenen Jahr zu tun hatten, ist lang. Dabei gab es auch einige „Highlights“, die den Beamten fest in Erinnerung geblieben sind.

Landkreis Görlitz. 5.262 Straftaten wurden von den Beamten der Bundespolizei-Inspektion Ludwigsdorf im vergangenen Jahr festgestellt, immerhin 3.157 davon entfielen auf Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz. „Ein Rückgang gegenüber 2015 um acht Prozent“, erläutert Polizeioberrat Stephan Fischer. Wobei der Chef der für das Gebiet von Bad Muskau bis Hagenwerder zuständigen Dienststelle auf die besonderen Umstände aufmerksam macht. „Damals gab es die Flüchtlingswelle, heute ist davon weit weniger zu merken.“ Immerhin stellten seine Beamten 43 Schleusungen von 171 Personen fest, der Großteil ereignete sich mit 39 auf der A4. Die 408 im vergangenen Jahr festgestellten erschlichenen Visa gingen auf das Konto von Staatsangehörigen aus 36 Nationen – darunter Russen, Tschetschenen, Ukrainer, Georgier und Moldauer.

Aber auch die Eigentumsdelikte waren mit 242 Fällen recht erheblich. Der Großteil davon waren Diebstähle (214), 28 Mal wurde Hehlerei festgestellt. Vor allem auf der neuen Niederschlesien-Magistrale bis zur polnischen Grenze wurde geklaut, was nicht niet- und nagelfest war. „Dabei ging es hauptsächlich um Signalkabel und Buntmetall aller Art“, stellt Polizeioberkommissar Michael Engler klar. „Wenn die Strecke fertig und alles angeschlossen ist, dann gibt es einen Alarm, wenn irgendwo etwas fehlt. Solange das aber noch nicht der Fall ist, fällt es den Dieben relativ leicht, das Material zu stehlen“, ergänzt Stephan Fischer. In diesem Bereich sei es enorm schwer, die Täter zu ermitteln.

Etwa in gleichem Umfang wurden 2016 Urkundendelikte und Verstöße gegen das Waffengesetz festgestellt. Dabei handelte es zum einen vor allem um gefälschte Personal- und Fahrzeugdokumente. Zum anderen wurden verbotene Reizstoffsprühgeräte, Messer, Schlagringe, Waffenteile und Softairwaffen sichergestellt.

Elfmal entzogen sich die Ganoven der polizeilichen Kontrolle, teilweise gab es so genannte Nacheilen, einmal rollten die Beamten auf der A4 in Ludwigsdorf einen Nagelgurt aus. „Dabei muss man immer die Risikobereitschaft der Verdächtigen im Auge behalten, die bei solchen Szenarien meist unter Drogen stehen“, erläutert der Polizeioberrat.

An einen Einsatz kann er sich noch ganz genau erinnern. Das war während der Fußball-EM in Frankreich. Die polnische Polizei hatte fünf Busse mit rund 300 Fans avisiert, darunter einen erheblichen Anteil aus der C-Kategorie, also jener Randalierer, denen der Fußball eigentlich egal ist. Mit drei Helikoptern rückte kurz zuvor eine zusätzlich angeforderte Beweissicherungs- und Feststellungseinheit an, um die durchreisenden Fans des polnischen Nationalteams zu kontrollieren. „Weitgehend waren aber nur harmlose Fans in den Bussen, die Einreise nach Deutschland mussten wir niemandem verbieten“, denkt Michael Engler an diesen Einsatz zurück.

Ein anderer erbrachte jede Menge Diebesgut. „Unsere Beamten hielten auf der Autobahn einen sehr tief auf der Straße liegenden Audi A4 an. Darin entdeckten sie – gut und dicht aneinander gepackt – alle möglichen elektrischen Werkzeugmaschinen: von der Säge über die Fräse bis zur Bohrmaschine. Der Wert der Ladung lag bei rund 10.000 Euro“, erzählt Stephan Fischer.

Beachtlich hoch lag im vergangenen Jahr die Zahl der Fahndungsabfragen: 366.622 mal fragten die Streifenbeamten bei ihren Kollegen nach, ob bestimmte Personen oder Fahrzeuge zur Fahndung ausgeschrieben waren. In 1.906 Fällen gab es einen Treffer.

Das neue Jahr hält für die Bundespolizisten entlang der Neiße einige Neuerungen bereit. 2017 soll die aus jeweils 30 deutschen und polnischen Beamten gebildete gemeinsame Dienststelle vom Probe- in den Regelbetrieb übergehen. Das vereinfacht die grenzüberschreitende Arbeit der gesamten Inspektion, weil je nach Nationalität stets zuständige Beamte mit an Bord sind – egal auf welcher Neißeseite der Einsatz gerade stattfindet. Überdies kommen mit der ab Frühjahr von der EU angedachten Visafreiheit für Ukrainer und Georgier neue Herausforderungen auf die Bundespolizisten zu, die dann nicht mehr wegen Visaerschleichung, sondern möglicherweise wegen unerlaubter Arbeitsaufnahme ermitteln müssen. Schließlich steht zum Ende dieses Jahres auch der Beginn des Umbaus der Dienstellengebäude an. Rund neun Millionen Euro sollen investiert werden.

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Frank-Uwe Michel / 14.02.2017

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