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Der Epitaphienschatz ist frisch restauriert

Der Epitaphienschatz ist frisch restauriert

Das Epitaph für „Barthel und Agnes Rittner“ um circa 1640 findet seinen Platz in der Zittauer Klosterkirche. Dr. Peter Knüvener, Direktor der Städtischen Museen Zittau, geht mit Kunstwerken dieser Art ganz behutsam um. Foto: Steffen Linke

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Das restaurierte Epitaph für Georg Schnitter befindet sich derzeit noch zerlegt in mehrere Einzelteile in der Kreuzkirche und wird im Vorfeld der Exposition „Ganz anders – die Reformation in der Oberlausitz“ in einer Art Baukastensystem zusammengesetzt und in der Klosterkirche aufgehangen. Foto: Stadtmuseum Zittau

Mit dem restaurierten Epitaphienschatz hat Zittau Kunstwerke in einem wohl einzigartigen Bestand in Mitteldeutschland. Die circa 80 Grabplatten und -tafeln aus der Zeit von 1560 bis 1780 erzählen die Geschichten der Einwohner der Stadt Zittau vor circa 400 Jahren – nicht nur der herrschenden Klasse, sondern auch der Mittelschicht.

Zittau. Die Gedächtnistafeln wurden einst von Zittauer Bürgern und Handwerkern gestiftet. Unsachgemäße Lagerung und Behandlung hatten größtenteils katastrophale Spuren am gesamten Bestand hinterlassen, berichtet Dr. Peter Knüvener, Direktor der Städtischen Museen Zittau. Die Kunstwerke seien aber immerhin noch vorhanden gewesen – anders als in den meisten Städten. Mittlerweile haben Restauratoren den Epitaphienschatz für die große Reformationsausstellung in der sanierten Klosterkirche vom 30. Juli bis 7. Januar 2018 „Ganz anders – die Reformation in der Oberlausitz“ herausgeputzt.

In der Kreuzkirche gibt es davon schon einige Exemplare zu sehen. In der Klosterkirche wird dann eine Reihe an Hauptwerken präsentiert. Für die Restaurierung des Bestandes sind circa 800.000 Euro geflossen. Peter Knüvener bedankt sich bei allen Unterstützern. Darunter waren auch viele Privatpersonen und Nachkommen derjenigen, für die die Epitaphien gesetzt wurden.

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Eines der Prunkstücke davon ist das Epitaph für Georg Schnitter um circa 1662 – 3,74 Meter hoch (ohne bekrönende Christusfigur), 2,60 Meter breit und 33 Zentimeter tief. „Manche messen mehrere Meter Höhe. Viele Tafeln an den Emporenbrüstungen sind etwa schreibtischgroß“, erläutert Peter Knüvener.

Das ursprünglich stark verschmutzte, in der Farbfassung gelockerte und vom Holzwurm befallene Epitaph für Georg Schnitter ist von einem Fachmann aus Batzdorf bei Dresden über einen Zeitraum von circa vier Monaten restauriert worden. Die Kosten dafür betragen circa 25.000 Euro. Die beiden oberen Inschriften und das Bild sind inhaltlich eine Einheit: Auferstehung und Weltgericht. Unterhalb des Bildes von der Auferstehung Jesu wird die Darstellung der Familie Schnitter oben und unten von den Aussagen zu diesem Bild umfasst.

Bei der dargestellten Familie handelt es sich um die Familie des Sohnes (mit seinen vier Söhnen und seiner Frau mit den vier Töchtern, von denen eine Tochter gestorben ist). Eine Kartusche in der oberen Bedachung des Epitaphs trägt eine lateinische Inschrift, die dem Kirchenvater Hieronymus zugeschrieben wird und die sich auf den Beginn des Weltgerichts nach der Johannesoffenbarung bezieht.

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Die Malerei der Auferstehung folgt bis ins Detail einem Gemälde Tintorettos, damals einer der berühmtesten Maler in Venedig. Georg Schnitter (1552 bis 1624) gehört sicherlich zu den prominentesten Persönlichkeiten des überlieferten Zittauer Epitaphienschatzes. Er entstammte dem einflussreichen Görlitzer Ratsgeschlecht Schneider, das seinen Namen nach der Nobilitierung der Brüder Franz und Onophrius Schneider 1536 und nochmals 1562 in Schnitter wandelte. Über seine Mutter ist er verwandt mit dem bedeutenden Bautzener Geschlecht Rosenhain, das mehrfach Bürgermeister und Ratsherren stellte, während sich die Schnitter mit den bedeutenden Görlitzer Geschlechtern, wie den Frenzel, den Glich/Glück, versippte.

Georg begründete den Zittauer Zweig des Geschlechts, ehe sich später auch sein Neffe Nikolaus in Zittau niederließ. Georg heirate in zweiter Ehe 1587 Barbara Andreas oder Anders, ebenfalls aus einem Zittauer Geschlecht. Dieser Ehe entstammten drei Söhne.

Nach Ausweis der Inschrift auf dem Epitaph hatte er die Handlung gelernt. Gemeint ist wohl die Ausbildung zum Kaufmann, was Sprach- und Rechtskenntnisse einschloss. Dazu wurden die Söhne zu befreundeten Kaufleuten in die Ferne geschickt, nicht selten in das Königreich Polen-Litauen oder nach Preußen, wo die künftigen Handelsherren neben Rechenkünsten, Geografie- und Rechtskenntnissen auch Fremdsprachen erlernen konnten. Da Schnitter in Preußen seine Lehre absolviert haben soll, könnte er Polnisch-, vielleicht auch Litauisch-Kenntnisse besessen haben.

1607 wurde Schnitter Mitglied des städtischen Rats, ehe er nach einigen Jahren 1618 erst zum Stadtrichter und schließlich 1621 zum Bürgermeister gewählt wurde. Er starb am 7. November 1624 im Alter von 72 Jahren.
Das restaurierte Epitaph für Georg Schnitter befindet sich derzeit noch zerlegt in mehrere Einzelteile in der Kreuzkirche und wird im Vorfeld der genannten Exposition in einer Art Baukastensystem zusammengesetzt und – wie andere Exemplare auch – in der Klosterkirche aufgehangen. „Das wird noch einmal eine ganz schöne Aktion. Denn die Epitaphe sind zum Teil sehr schwer“, sagt Peter Knüvener.

Zur Ausstellung „Ganz anders. Die Reformation in der Oberlausitz“ können die Besuchern neben dem Epitaphienschatz noch viele weitere herausragende Kunstwerke und andere Zeugen der Reformationszeit, wie zum Beispiel den Nesen’schen Lutherpokal aus dem Grünen Gewölbe der Staatliche Kunstsammlungen Dresden, besichtigen. Die restaurierten Gedächtnis- und Grabtafeln bleiben als Dauerschau in der Zittauer Klosterkirche erhalten.

Steffen Linke / 09.05.2017

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