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Die Renaissance des Dorfkonsums

Die Renaissance des Dorfkonsums

Zusammen mit Familie, Freunden und Bekannten haben Simone Drescher (links) und Anett Holz den Kunnerwitzer Dorfkonsum umgebaut – zu einer „Adresse für kreativen Geschmack“. Foto: fum

Obwohl äußerlich nicht gerade das hübscheste Gebäude ist er wohl einer der zentralen Punkte von Kunnerwitz – und seit seinem Bestehen auch eine Art Treffpunkt der Bevölkerung im Ort: der altehrwürdige Dorfkonsum. Nach wechselnden Betreibern und Jahren des Leerstands wird ihm jetzt neues Leben eingehaucht.

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Ein Bild aus vergangenen Tagen, als der einstige Dorfkonsum leer stand und nach einer geeigneten Nutzung suchte. Foto: privat

Kunnerwitz. Auch wenn der Dorfkonsum in den Orten der Region längst ausgedient hat, schon seit kurz nach der Wende keine „Waren des täglichen Bedarfs“ mehr verkauft werden – aus dem Dorfbild ist er noch nicht verschwunden. Was da in den 1970er oder 1980er Jahren gebaut wurde, fristet in den meisten Fällen heute noch ein Dasein – manchmal grau und trist oder auch bunt und hoffnungsfroh. Ausschlaggebend dafür sind die Ideen, die in den DDR-genormten Gebäuden umgesetzt werden. Seit Jahren zwitschert es zum Beispiel im früheren Dorfkonsum von Schönau-Berzdorf wild durcheinander. Eine Sittichzüchterin hat in dem Objekt eine Vielzahl an Volieren untergebracht und frönt hier – äußerst professionell – ihrem gefiederten Hobby.

Auch in Kunnerwitz soll dem einstigen Dorfkonsum bald neues Leben eingehaucht werden: Simone Drescher und Anett Horn haben sich in den früheren Handelsplatz verliebt und wollen sich hier eine berufliche Existenz aufbauen. Simone Drescher, die aus dem Kunnerwitzer Vereinsleben nicht wegzudenken ist – und deshalb auch bekannt wie ein „bunter Hund“ – beobachtet das Geschehen schon seit Jahren sehr genau. Immerhin wohnt sie gleich vis-a-vis. „Schon kurz nach dem politischen Umbruch war Schluss mit dem Konsum, der bis dahin ja die einzige Verkaufsstelle in Kunnerwitz war. Danach ging das Objekt in den Besitz eines Tischlers über, der hier eine Küchenausstellung zeigte.“ Als das keine Punkte mehr brachte, seien für vielleicht zwei Jahre ein Bäcker und ein Fleischer mit ihren Filialen eingezogen. „Besonders für ältere Leute war das ein gutes Angebot, aber es hat sich wirtschaftlich offenbar nicht getragen.“ Anschließend war im Konsum wieder Leerstand angesagt, ehe ein Onlineshop für Hundemoden hier sein Lager einrichtete. Auch dies war jedoch vergänglich. Zuletzt stand das Gemäuer wieder längere Zeit leer.

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Simone Drescher und Anett Horn hoffen nun auf eine langfristige Wiederbelebung. Beide Frauen haben bis jetzt ein ereignisreiches Berufsleben hinter sich. Zuletzt waren sie im St. Wenzeslaus-Stift im Markersdorfer Ortsteil Jauernick-Buschbach beschäftigt, einer katholischen Familienerholungsstätte in Trägerschaft des Bistums Görlitz. Drescher war dort 25 Jahre lang im Servicebereich, Horn leitete die Küche. Die Köchin fühlte sich jedoch in ihren Möglichkeiten eingegrenzt, „weil mir nicht nur deutsche, sondern auch internationale Gerichte am Herz liegen. Immerhin war ich zehn Jahre bei Mama Afrika in Dresden und habe dort einen reichhaltigen Wissensschatz angehäuft, der zuletzt ein bisschen verkümmert ist.“ Kochen mit exotischen Zutaten und Gewürzen – das ist es, was Anett Horn am meisten liegt. Umsetzen konnte sie dies zum Teil in der Chancenwerkstatt des Landkreises in Markersdorf, in der Jugendlichen auf ihrem Weg ins Leben geholfen wird.

Längst kannten sich Anett Horn und Simone Drescher durch ihre Arbeit im St. Wenzeslaus-Stift. Die eine wusste das Organisationstalent und die vielen Kontakte der anderen zu schätzen. Die wiederum den Kochkünsten ihrer Kollegin zugeneigt war. „Irgendwann haben wir dann für uns beschlossen, dass wir es zusammen in der Selbstständigkeit versuchen, obwohl wir nicht mehr die ’Knackigsten’ sind“, kokettieren sie mit ihrem Alter kurz über 50. So ist das „Kochstudio Regenbogen“ entstanden. Zusammen mit Familie, Freunden und Bekannten haben sie den altehrwürdigen Dorfkonsum umgebaut – zu einer „Adresse für kreativen Geschmack“.

In der Küche findet künftig einmal wöchentlich gemeinschaftliches Kochen statt, ansonsten gibt es Motto-Catering mit nicht alltäglichen – weil vor allem exotischen – Zutaten und Gewürzen.

Wer sich selbst ein Bild vom umgebauten Dorfkonsum machen will, der kann das am Sonntag, 26. Februar, 10.00 bis 18.00 Uhr, tun. Dann laden Anett Horn und Simone Drescher zum Tag der offenen Tür in den einstigen Treffpunkt der Kunnerwitzer ein.

Frank-Uwe Michel / 25.02.2017

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