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Fernwärme und Strom hergestellt in Bautzen

Fernwärme und Strom hergestellt in Bautzen

Projektleiter Stephan Mißler deutet auf das Fundament, wo in wenigen Wochen der Heißwassererzeuger montiert wird. Allein mit der Abwärme der beiden Gasmotoren wird darin 98 Grad Celsius heißes Wasser erzeugt und im Energieturm zwischengespeichert. | Foto:

Bautzen. Auf der Baustelle für das neue EWB-Heizkraftwerk läuft alles planmäßig. Im April soll der 35 Meter hohe und zwölf Meter breite Energieturm fertig sein. Im Mai kommt der Schornstein und im Juli be-ginnt der Probebetrieb.

Kalter Wind bläst den Monteuren auf dem Gerüst in 27 Meter Höhe um die Ohren. Sie bauen seit Januar aus vorgebogenen Stahlblechen den Warmwasserspeicher am neuen Heizkraftwerk der EWB (Energie- und Wasserwerke Bautzen GmbH) zusammen.

Rund 1,7 Tonnen wiegt das 7,5 Meter lange Segment, das der Kran gerade nach oben hebt. Es ist Teil des zehnten der insgesamt 13 rund 2,8 Meter hohen Ringe, aus denen der Warmwasserspeicher zusammengesetzt wird. Immer fünf Platten bilden einen Ring des gewaltigen Turms mit einem Durchmesser von zwölf Metern. Dahinein passen insgesamt 3.800 Kubikmeter speziell aufbereitetes, sauerstoffarmes Wasser. Es speichert die im Heizkraftwerk produzierte überschüssige Wärme. Je nach Bedarf wird dieses heiße Wasser ins Fernwärmenetz der EWB eingespeist und von der Thomas-Müntzer-Straße in fast 7.000 Bautzener Haushalte verteilt.

Bis es so weit ist, werden weitere zwölf Monate vergehen. Noch kommt die Wärme für die mit Fernwärme versorgten Haushalte aus dem Enso-Heizkraftwerk in Teichnitz. Hier wird seit Jahrzehnten mit Kohle geheizt und für den weiteren Betrieb wären Investitionen nötig, um die höheren Umweltanforderungen zu erfüllen, erläutert Kerstin Juras von der EWB. Der Bautzener Energieversorger hat deshalb schon 2011 überlegt, wie in Zukunft die Stadt mit Wärme versorgt werden könnte. Anfang 2012 begannen die Arbeiten am Projekt. Ergebnis ist das jetzt entstehende Heizkraftwerk. Hier wird in zwei Motoren Erdgas verbrannt. Jeder Motor treibt einen Generator an, der schließlich elektrischen Strom erzeugt, der von der EWB genutzt wird. Mit der Abwärme wird das Heiznetz betrieben.

Neben dem Motorenhaus befindet sich eine Leichtbauhalle. Diese bietet neben der vollautomatischen Leitwarte und den nötigen Nebenanlagen auch Platz für die Heißwassererzeuger. Diese werden ebenfalls mit Erdgas betrieben und heizen das Wasser für das Fernwärmenetz, wenn die Abwärme der Motoren dafür nicht ausreicht. In Zeiten, wenn die Motoren mehr Wärme als nötigt abgeben, wird das 98-Grad-Celsius heiße Wasser im Warmwasserspeicher – dem 35 Meter hohen sogenannten Energieturm – zwischengespeichert, bis es im Fernwärmenetz gebraucht wird.
Kraft-Wärme-Kopplung nennt sich dieses Prinzip. „Damit ist es möglich, fast 90 Prozent der Energie zu nutzten, die das Erdgas liefert“, erklärt Projektleiter Stephan Mißler. Für Spitzenlastzeiten gibt es außerdem einen Heißwassererzeuger, der mit Erdgas betrieben wird.

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In 27 Meter Höhe wird der nächste Ring des künftigen Heißwasserspeichers positioniert und später angeschweißt. | Foto: kk


Die Arbeiten auf der Baustelle des neuen Energiezentrums laufen planmäßig, versichert Stephan Mißler. Jede Woche wächst der Energieturm um einen weiteren Ring. Zuerst werden die vorgebogenen Stahlbleche mit einer Wandstärke zwischen elf Millimeter am unteren Ring und acht Millimeter am oberen Ring vorbereitet. Die Segmente werden aufgesetzt, ausgerichtet und mit einer durchgängigen Schweißnaht verbunden. Erst nach einer akribischen Prüfung der Naht, bei der sogar Röntgentechnik eingesetzt wird, geht es weiter. Ende April wird der Turm seine endgültige Höhe von 35 Metern erreicht haben.

Mitte April wird der Fernwärmeerzeuger geliefert und eingebaut. Der 42 Meter hohe Schornstein wird am 10. Mai geliefert und in der letzten Maiwoche werden die beiden Erdgas betriebenen Motoren auf den sechs mal drei Meter großen Maschinenfundamenten montiert. Unzählige Rohrleitungen füllen dann den jetzt noch sehr leer erscheinenden Raum des Heizhauses. Im Juli, nachdem die Leitwarte fertig ist, soll der Probebetrieb beginnen. Dann werden auch sämtliche Öffnungen geschlossen sein und der Energieturm hat eine zusätzliche isolierende Hülle erhalten.

Farblich hat die EWB bei der Gestaltung des neuen Heizkraftwerkes einiges gewagt. „Damit das Gebäude nicht wie ein Industriebau aussieht, haben wir für die Fassadengestaltung einen Architekturwettbewerb ausgerufen“, erklärt Kerstin Juras. Im Ergebnis wird die Fassade jetzt mit farbigen Blechen verkleidet und zeigt sich in überwiegend warmen Rot-, Orange- und Grautönen.
In den Dauerbetrieb geht das neue Energiezentrum erst im April 2017. Damit ist die letzte Ausbaustufe aber noch nicht erreicht. Im Heizhaus ist Platz für einen zweiten Heißwassererzeuger.
Wenn alles wie geplant funktioniert, werden die Bautzener Fernwärmekunden von der neuen Art der Wärmeerzeugung kaum etwas spüren.

Für sie bleibt das Wissen ihre Wohnungen mit deutlich sauberer Energie zu heizen, denn das neue Kraftwerk ist wesentlich umweltfreundlicher und effektiver als das Heizkraftwerk in Teichnitz, So werden vom neuen Heizkraftwerk 85 Prozent weniger Kohlendioxid ausgestoßen als bei der jetzigen Fernwärmeerzeugung. Insgesamt investiert die EWB elf Millionen Euro in das gesamte Projekt. Es umfasst außerdem eine Erzeugeranlage auf der Schäfferstraße, eine Spitzenlastanlage auf der Hanns-Eisler-Straße und die Technikzentrale auf der Max-Planck-Straße.

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Katrin Kunipatz / 09.04.2016

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