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Frischer Wind und positive Energie

Frischer Wind und positive Energie

Bettina Hennig gibt als neue Vereinmanagerin von LÖBAULEBT gleich richtig Gas. Ein zentrales Thema ist die Erstellung einer gemeinsamen Online-Plattform für alle Vereine. Foto: Marcel Schröder

Bettina Hennig ist seit über einem Monat als Vereinsmanagerin für LÖBAULEBT tätig. Ihre Stelle ist auf zwei Jahre angelegt. Steffen Linke, Redakteur des „Oberlausitzer Kurier“, unterhielt sich mit der 43-Jährigen nicht nur über ihre Startphase, Aufgaben und Visionen.

Frau Hennig, wie hat sich Ihr Leben durch die neue Funktion als Vereinsmanagerin bei LÖBAULEBT verändert?

Bettina Hennig: Als gebürtige Löbauerin habe ich mir zunächst eine kleine Auszeit von der Oberlausitz genommen. In dieser Zeit habe ich mein Studium in Dresden absolviert und meinen beruflichen Weg im Bereich Marketing und Kommunikation eingeschlagen. Verschiedene Stationen führten mich dabei nach London und Berlin, wo ich die vergangenen 15 Jahre gelebt habe. Die letzten zehn Jahre habe ich im kreativen Umfeld eine Personalabteilung aufgebaut und geführt. Mit dem Abschied in die Babypause habe ich der Großstadt den Rücken gekehrt und lebe seit 2016 mit Mann und Kind in Obercunnersdorf. Mit 43 Jahren kann ich nun sagen, erst mal angekommen zu sein.

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Und wie bekommt Ihnen Ihre neue Tätigkeit?

Bettina Hennig: Mit den Mitstreitern aus dem Verein weht mir vor allem ganz viel frischer Wind um die Nase. Für den Wiedereinstieg in das Arbeitsleben war mir eine frische und dynamische Umgebung wichtig, die mir viel Gestaltungsspielraum, regen und inspirativen Austausch und spannende Aufgaben bietet.

Was hat Sie dazu bewogen, sich auf diese Stelle zu bewerben?

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Bettina Hennig: Interessiert verfolgte ich über die sozialen Netzwerke die Prolog-Initiative Löbau antwortet. Schon damals gefiel mir die klare Ausrichtung der Aktionen sowie die Haltung ‚machen anstelle motzen’. Über die sich daran anschließende Vereinsgründung LÖBAULEBT e.V. habe ich mich sehr gefreut. Das war ein sehr guter Schritt für Löbau. Ohne ein Mitglied persönlich zu kennen, hatte ich das Gefühl, hier findet sich eine neue Generation Löbauer zusammen.

Beruflich gut integriert, positiv verbunden mit der Stadt, voller Ideen und kreativ sowie pragmatisch genug, die besten davon erfolgreich und mit viel positivem Feedback umzusetzen. Möchte man langfristig in Löbau und Umgebung wieder mehr junge Familien mit genau diesen Eigenschaften sehen, ist es wichtiger denn je, solch ein Netzwerk anzubieten, da sich gerade auch auf dem Arbeitsmarkt einiges tut.

Wie viel Bewerberinnen bzw. Bewerber gab es denn auf diese Stelle und nach welchen Kriterien erfolgte die Auswahl?

Bettina Hennig: Nach meinen Informationen waren es zehn qualitativ gute Bewerber, von denen drei in die nähere Auswahl kamen. René vom Verein hat die Anzahl der wirklich guten Bewerber überrascht. Letztendlich ist die Wahl auf mich gefallen. Zum einen hat beim ersten Gespräch sofort die Chemie gestimmt hat. Außerdem sind auch die bisherigen Stationen in meinem Lebenslauf gut angekommen. Mir liegt es, auf die Vereine zuzugehen und offene, nette, aber trotzdem zielorientierte Gespräche mit den Akteuren zu führen.

Wie haben Sie reagiert, als Sie zur Vereinsmanagerin auserkoren wurden?

Bettina Hennig: Ich habe mich natürlich gefreut. Besonders darauf, neben René und Bernd, die das Job-Interview geführt haben, weitere Mitstreiter kennen zu lernen. Zum anderen wollte ich den April nutzen, um mich hinter den Kulissen in realisierte Projekte und aktuelle Ideen und Handlungsfelder einzulesen und erste Meeting-Termine wahrzunehmen. So war ich am 1. Mai, dem offiziellen Start, bereits gut im Boot und mit den anstehenden Themen vertraut. Kurz hatte mich die Frage beschäftigt, wie es sich denn in der Praxis wohl anfühlen möge, nach jahrelanger Tätigkeit in größeren Unternehmen mit gut ausdefinierten Strukturen und Prozessen nun für einen noch jungen Verein tätig zu sein? Die Antwort lag schnell auf der Hand: Ich habe mit Leuten zu tun, die 100 Prozent engagiert sind und hinter der Sache stehen. Das mag vielleicht ein Unterschied zu einem Unternehmen als Arbeitgeber sein. Die vom Verein angebotene Plattform Jugendforum und die Kooperation mit dem Löbauer Seniorenrat sind sehr gut angenommen worden. Auf diese Weise kann ich in meine Arbeit die Perspektive einer breiten und unterschiedlichen Bevölkerungsschicht mit einbeziehen.

Was sind Ihre ersten Amtshandlungen in der Funktion als Vereinsmanagerin gewesen?

Bettina Hennig: Ich habe nach einem Mitgliedsantrag für eine aktive Mitgliedschaft im Verein gefragt. Im April habe ich ein Gefühl dafür bekommen, wie viel Freizeit jeder einzelne Mitstreiter für den Verein aufbringt. Da hätte ich ein ungutes Gefühl gehabt, nur Mitarbeiter zu sein. In den letzten Tagen habe ich mir einen Überblick über die Vereinslandschaft in und um Löbau verschafft und alle Informationen in einem Arbeitsdokument gebündelt. Ich werde pro Woche eine bestimmte Anzahl von Vereinen besuchen, um herauszufinden, welche Unterstützungsangebote eventuell gewünscht sind bzw. wie die eigene Arbeit in den Vereinen empfunden wird. Ein zentrales Thema ist die Erstellung einer gemeinsamen Online-Plattform für alle Vereine.

Was können bzw. wollen Sie in Ihrer Funktion als Vereinsmanagerin in Löbau bewirken?

Bettina Hennig: Wir haben fünf Punkte, die wir gern in den nächsten zwei Jahren umsetzen möchten. Erstens:    Die Angebotsvielfalt der Löbauer Vereine wirkungsvoll zeigen und deren Wahrnehmung erhöhen. Zweitens:     Mit der Folge, dass Vereine als ein zeitgemäßer Ort mit einem attraktiven Freizeitwert wahrgenommen werden. Drittens: Besucherzahlen auf Veranstaltungen erhöhen und mit konkreten Aktionen neue Mitglieder in Vereine bringen, vor allem Jugend. Viertens: Vereine untereinander vernetzen, um für Veranstaltungen gute Kooperationen entstehen zu lassen, wie zum Beispiel auf dem kürzlich stattgefundenen Blumenstraßenfest in Löbau. Fünftens: Vereinen, wenn gewünscht, pragmatische Hilfen anbieten. Es gibt einen ganzen Kanon an Weiterbildungsveranstaltungen, den wir aus den eigenen Reihen abdecken können und wo LÖBAULEBT sein eigenes Wissen an andere Vereine weitergeben kann. Mögliche Themen wären zum Beispiel im Bereich Marketing, Pressearbeit oder interne Vereinskommunikation zu finden. Für Vereinsneugründungen geben wir natürlich auch gern unseren Erfahrungsschatz weiter.

Welches Potenzial sehen Sie in Ihrer Funktion als Vereinsmanagerin bei den Löbauer Vereinen?

Bettina Hennig: Die Menschen untereinander ins Gespräch bringen und zu motivieren, ihrer Arbeit in den Vereinen eine größere öffentliche Kontaktfläche zu geben. Dann lassen sich hoffentlich auch mehr Leute aus den Häusern locken und schauen mal bei Veranstaltungen von Vereinen aus ihrer Nachbarschaft vorbei. Hier ist nämlich einiges in Schieflage. Viele bemängeln, dass nichts los sei und die Stadt im Wachkoma läge. Engagierte Menschen aus Vereinen sind auf der anderen Seite enttäuscht darüber, dass Mühen und auch finanzielle Aufwendungen für eine vom Verein organisierte Veranstaltung nicht mit einer guten Besucherzahl honoriert werden. Der eine bietet was an, der andere nimmt es aber nicht an. Die Frage nach dem Warum ist spannend! Hier möchten wir gern ansetzen. Menschen miteinander ins Gespräch bringen, vernetzen und dabei die Motivation hoch halten.

Wie viel Vereine aus welchen Genres gibt es denn überhaupt in Löbau?

Bettina Hennig: In Löbau und dem Umland gibt es circa 130 Vereine. Eine Vielzahl widmet sich den unterschiedlichsten Sportarten, vom Breitensport bis zum hochaktiven Wettkampfsport. Ein weiteres breites Betätigungsfeld bilden Vereine, die sich unter dem Stichwort Natur kategorisieren lassen. Darunter zählen zum Beispiel Kleingärtner, Geflügel- und Kaninchenzüchter. Vereine, die Tradition, Brauchtum und Heimatpflege im Status haben, sind ebenfalls gut vertreten. Daneben gibt es Vereine, in denen man sich künstlerisch betätigen kann, Vereine, die Zivilcourage fördern oder Vereine, deren Mitglieder Sammlereifer teilen. Nicht zu vergessen, die große Anzahl an Sozialvereinen, die das breite Spektrum Lebenshilfe abdecken. Nennen Sie mir Ihr Interessenfeld und ich empfehle Ihnen die passenden Kontakte!

Was macht für Sie ein aktives Vereinsleben aus?

Bettina Hennig: In einem Verein, aktiv zu sein, bedeutet vor allem Kontakt mit Menschen, die gleiche Interessen teilen. Das ist eine wichtige, soziale Komponente, die in der Jugend helfen kann, eine stabile Orientierung, nicht zuletzt durch konkrete Vorbildmodelle, zu finden. Ein Verein kann wichtige soziale Kompetenzen vermitteln und fördern, was wiederum ein Beitrag zu einer guten Persönlichkeitsentwicklung ist. Zum anderen bietet das Gebrauchtwerden in Vereinen eine Brücke vom Berufs- zum Seniorenleben. Vielleicht sogar bis hin zum Familienersatz, wenn Kinder oder Enkel nicht mehr in der Umgebung leben. Vereinsleben kann stolz auf Erreichtes machen, Nähe, Vertrautheit und ein Gefühl des Gebrauchtwerdens geben, Leistung einfordern, Gestaltungsspielraum bieten und nicht zuletzt natürlich viel Freude bei gemeinsamen Erlebnissen schaffen.

Inwieweit kann die Stadt Löbau von Ihrer Funktion als Vereinsmanagerin profitieren?

Bettina Hennig: Jeder kennt das Gefühl, wenn man als Tourist in eine Stadt kommt, die eine positive Ausstrahlung hat. Automatisch bleibt man noch auf eine zweite Tasse Kaffee im Café, möchte noch die ein oder andere etwas abgelegenere Gasse entdecken, hält die Augen offen nach weiteren lohnenden Zielen, lässt sich durch Hinweise inspirieren oder folgt spontan Empfehlungen von Einheimischen. Es sind die Gesichter der Menschen der Stadt, die zu so einer positiven, lebendigen Ausstrahlung beitragen. Wenn es mir gelänge, zu diesem Phänomen einen klitzekleinen Beitrag zu leisten, sei es im Hauptamt oder im Ehrenamt, dann wäre das ein riesengroßer Erfolg.

Wie und welcher Form können sich Vereine an Sie wenden bzw. mit Ihnen in Verbindung treten?

Bettina Hennig: Wir sind jederzeit persönlich ansprechbar. Im Internet unter www.loebaulebt.de sind alle Kontaktdaten zu finden. In den nächsten Wochen werden wir die Bürozeit in der Brunnenstraße 3 bekannt geben.

Welche Wünsche begleiten Sie bei Ihrer künftigen Arbeit?

Bettina Hennig: Das nun langsam mal ein kleiner Paradigmenwechsel stattfindet. In der Region gibt es viele sehr gute Initiativen und auch auf dem Arbeitsmarkt hat sich sehr viel verändert. Wie wunderbar wäre es, wenn sich viele von dieser positiven Energie erfassen lassen. Und als Vereinsmitglied muss ich das einfach noch sagen. Ein Verein ist neben den menschlichen Ressourcen auch immer auf Sponsoren angewiesen. Wer uns gut findet, findet vielleicht auch eins unserer Unterstützungspakete gut.

Steffen Linke / 13.06.2018

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