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Herr Benad interviewt Europas Fußballwelt

Herr Benad interviewt Europas Fußballwelt

Hanspeter Benad in der gemütlichen Gartenecke: Mit einem von Schiedsrichter Wolfgang Stark signierten Refereeshirt präsentiert der Bautzener seine Interviewsammlung. Foto: RK

Interviews zu führen sind seine Leidenschaft. Wie kein anderer in der Region hat er Stars und Sternchen aus der Welt des runden Leders befragt und auch stets eine Antwort bekommen: Hanspeter Benad aus Bautzen. OLK-Redakteur Roland Kaiser traf den einstigen Kicker und Schiedsrichter in seiner gemütlichen Gartenecke und sprach mit ihm über sein Hobby, Freundschaften und einen Traum des Bundestrainers

Herr Benad, Sie sind jetzt 66 Jahre alt, und trotz Ihrer voranschreitenden Parkinson-Erkrankung lassen Sie sich nicht von ihr unterkriegen, auch weiterhin Größen des Sports beide Ohren zu leihen.

Hanspeter Benad: Mittlerweile hat sich in der Szene herumgesprochen, dass ich europaweit nicht nur Sportler zu den verschiedensten Dingen befrage. Auch Trainer, Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter sowie bekannte TV-Moderatoren haben mir aus ihrem Leben erzählt. Auf diese Weise sind unter dem Titel „Einblicke und Ausblicke“ drei Broschüren entstanden. Bei einigen meiner Interviewpartner hatte ich das Gefühl, dass sie sich glücklich schätzten, nachdem ich mich mit ihnen in Verbindung gesetzt habe. Mitunter sind sogar Freundschaften daraus entstanden.

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Wenn ich mir die dritte Auflage des von Ihnen angesprochenen Interviewheftes so anschaue, fällt auf, dass Sie einige Ihrer Gesprächspartner zu Bautzen befragen.


Hanspeter Benad: Das hat auch seinen Grund. Ich bin verwurzelt mit der Stadt, in der ich lebe. Mich hat einfach interessiert, wie bekannt Bautzen in der Fußballwelt ist. Und da darf ich sagen, dass wir gemeinsam noch einiges leisten müssen, damit die Menschen sagen: Ja, dort war ich schon einmal. Trainerlegende Benno Möhlmann beispielsweise hat mir schwarz auf weiß versichert, dass er sich Bautzen einmal selbst anschauen wird, um zu sehen, ob sein einstiger Co-Trainer Sven Kmetsch auch nicht übertrieben hat in seinen Erzählungen. Thomas Linke, Sportdirektor beim FC Ingolstadt, ließ ausrichten, dass er sich zwar noch nie in seinem bisherigen Leben in der Region aufhielt, wohl aber von ihr gehört habe – und zwar nur Positives.

Irgendwann hat alles seinen Anfang. Wie war das bei Ihnen?

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Hanspeter Benad: Bevor ich zu schreiben begann, spielte ich aktiven Fußball und sorgte auf dem Spielfeld dafür, dass es dort fair zugeht. Vor wenigen Jahren allerdings erhielt ich die Diagnose Parkinson. Wie durch ein Zufall kam da der Westlausitzer Fußballverband auf mich zu. Er wollte gern wissen, ob ich für ihn Interviews mit bekannten Kickern machen könnte. Gesagt, getan. Gern würde ich auch ein viertes Interviewheft herausbringen. Der Wunsch besteht durchaus. Allerdings muss ich gleich einschränken: Es ist nunmehr an der Zeit, aufgrund der fortschreitenden Krankheit kürzer zu treten.

Wie ich sehe, wünschen Ihnen auch viele Interviewpartner von einst alles Gute und Wohlergehen.

Hanspeter Benad: Das stimmt und darüber freue ich mich sehr.

Angenommen, Sie würden noch einmal zum Hörer greifen: Wen hätten Sie gern ausgequetscht?

Hanspeter Benad: Mein größter Wunsch war immer, mit Fußballlegende Maradona einen Plausch zu halten. Doch der wird wohl nicht in Erfüllung gehen. Obwohl es an der Verständigung nicht scheitern dürfte. Ein Dolmetscher hat mir auch im Fall der chinesischen Nationaltrainerin Goa Hong unter die Arme gegriffen.

Beim Durchblättern bin ich auch auf einen noch lebenden Spieler der deutschen Nationalmannschaft von 1954 gestoßen. Er hat Ihnen unter anderem verraten, was die damaligen Weltmeister als Anerkennung für ihre Leistung erhalten haben.

Hanspeter Benad: Wenige Jahre nach Kriegsende gab es im Gegensatz zu heute keine Preisgelder in Millionenhöhe. Damals, man mag es kaum glauben, erhielt jeder Spieler der deutschen Mannschaft ein Radio vom DFB.

Sie haben mir erzählt, dass es oftmals nicht nur bei den Interviews blieb.

Hanspeter Benad: Einige meiner Gesprächspartner überließen mir signierte Trikots oder auch Autogrammkarten. Das alles habe ich bei mir daheim natürlich ganz akkurat archiviert. Ausgewählte Fußballshirts bekamen sogar einen Rahmen. Und manchmal haben sich aus einem Interview heraus enge Freundschaften entwickelt. In meinem Bekanntenkreis gibt es viele, die darüber nur staunen können.

Stimmt es, dass Fußballbundestrainer Joachim Löw Ihnen eine ganz besondere Autogrammsammlung der Mannschaft zukommen lassen hat?

Hanspeter Benad: Das trifft zu. Einzelheiten möchte ich jedoch nicht preisgeben. Verraten darf ich aber, mit wem er gern einmal einen Tag verbringen möchte. Er schwärmt für die australische Schauspielerin Cate Blanchett und fände es spannend, sie bei einem Dreh begleiten zu dürfen. Das kann er nicht abstreiten. Ich habe es schließlich schwarz auf weiß.

Ich habe einmal nachgezählt: Unterm Strich komme ich auf 190 Interviews, die in den drei Heften erschienen. Auf welche sind Sie besonders stolz?

Hanspeter Benad: Eigentlich auf alle (schmunzelt). Insbesondere aber auf solche wie mit den Xhaka-Brüdern, Emil Forsberg, DFB-Vize Dr. Rainer Koch, dem WM-Torhüter von 1966 Hans Tilkowski, Philipp Lahm, dem Isländer Birkir Bjarnason, Hoffenheim-Trainer Julian Nagelsmann, der schwedischen FIFA-Schiedsrichterin Sara Persson und dem ehemaligen FIFA-Referee Hans Schulz aus Görlitz.

Herr Benad, schauen wir am Schluss noch auf dieses Wochenende. Dann bestreiten die Budissen ihre letzte Partie der Saison – und zwar auswärts gegen Meuselwitz. Kann sich die Vereinsführung wirklich so sicher sein, dass die Mannschaft von Torsten Gütschow in der Regionalliga verbleibt?

Hanspeter Benad: Aus meiner Sicht ist die Kuh noch nicht vom Eis. Da spielen verschiedene Konstellationen eine Rolle – auch in Hinblick auf die dritte Liga. Nach dem Spiel an diesem Samstag sind wir auf jeden Fall alle schlauer.

Roland Kaiser / 22.05.2017

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