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Innere Weberstraße bald wieder Zugpferd?

Innere Weberstraße bald wieder Zugpferd?

Immer mehr Geschäfte wenden sich ab aus der Inneren Weberstraße, um anderswo in Zittau neu zu eröffnen. Die Stadt will nun die Infrastruktur vor Ort verbessern. Foto: fum

Fielmann weg, „Die Elfe“ weg, weitere Geschäfte möglicherweise vor dem Absprung. Die Innere Weberstraße, einst Aushängeschild städtischer Handelskraft, fristet derzeit ein eher überschaubares Dasein. Doch Besserung könnten Überlegungen der Zittauer Stadtentwicklungsgesellschaft bringen, die als nächstes Großprojekt eine grundhafte Instandsetzung der Straße durchführen lassen will.

Zittau. Birgit Kaiser, deren Stadtentwicklungsgesellschaft selbst an der Inneren Weberstraße ansässig ist, empfindet den Zustand als „normal“. Der Handel werde sich mit der Zeit auf eine bestimmte Anzahl von Gewerbetreibenden einpegeln. „Das alle Schaufenster irgendwann wieder gefüllt sein werden, ist eine Illusion, von der wir uns lösen sollten.“

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Die Wohnungen in den Häusern an der Inneren Weberstraße sind nur noch vereinzelt belegt. Einer der Gründe dafür sind die Eigentümer der betreffenden Immobilien, die oft nur Notreparaturen an den Gebäuden durchführen lassen. Foto: fum

Es sei eine rein privatwirtschaftliche Entscheidung, wo man sich mit seinem Geschäft niederlassen wolle. Und da sei die Innere Weberstraße momentan eben nicht die erste Adresse in Zittau, meint die Geschäftsführerin des städtischen Unternehmens. Vielmehr seien aktuell vor allem die fußläufig erreichbaren Achsen gefragt – wie Frauenstraße, Markt und Bautzner Straße.
„Die angrenzenden Bereiche wie zum Beispiel Brunnenstraße oder Innere Oybiner Straße sind keine Traumlagen. Dort muss man schon einen zugkräftigen Namen haben, ein überragendes Angebot besitzen oder nicht auf Laufkundschaft angewiesen sein.“ Der Trend bei Neubelegungen von Geschäften gehe eindeutig in die Richtung, gesehen und wahrgenommen zu werden.

Diesen Umstand will sich die Stadt Zittau zunutze machen und aus der „grauen Maus“ Innere Weberstraße eine attraktive Adresse für den Handel werden lassen. „Wir möchten das Programm zur Gestaltung von Straßen und Plätzen in unserer Stadt gern umschichten und die Weberstraße als nächstes Großprojekt in Angriff nehmen.“

Leidtragender wäre in diesem Fall der Johannisplatz, der in der Prioritätenliste dann nach hinten rückt – wenn der Stadtrat die Vorstellungen der Entwicklungsgesellschaft mit einem entsprechenden Beschluss untermauert.
Momentan befinde man sich in der Phase der Haushaltsanmeldung, da sei die grundhafte Erneuerung der Inneren Weberstraße mit drin, so Birgit Kaiser. Im Spätsommer werde es dazu Klausuren und Debatten geben. Im günstigsten Fall könne Ende 2017 mit den sicherlich ein Jahr dauernden Bauarbeiten begonnen werden.

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„Wir haben hier sehr großen Nachholbedarf in der technischen Infrastruktur. Das heißt: Leitungen und Medien müssen komplett erneuert werden. Das ist nur in mehreren Bauabschnitten zu schaffen. Die Erreichbarkeit der Grundstücke müssen wir natürlich immer gewährleisten“, erläutert die Geschäftsführerin.

Wie die Innere Weberstraße konkret umgestaltet werden soll, muss indes erst die Planung zeigen. „Wir wollen den Geschäftsinhabern die Chance geben, ihre Läden besser zu präsentieren“, weist die Fachfrau auf eine Prämisse hin.

Dazu könnten auch Fußgängerinseln gehören, damit beispielsweise Restaurants ihre Gäste draußen bedienen können. Die komplette Umwidmung als Fußgängerzone sei aber nicht angedacht. Denn: „Alle Welt schreit nach Parkplätzen, deshalb ist es hier momentan gar nicht vorstellbar, einen fahrzeugfreien Bereich zu installieren.“ Zumal es – wie auf der Zittauer Ostseite mit der Neustadt – auf der Westseite kein geeignetes Areal für eine größere Parkfläche gebe. Vielleicht, meint Kaiser, sollte man in diese Überlegungen auch das Parkhaus am Stadtbad verstärkt mit einbeziehen. Denn dort seien außer bei Veranstaltungen fast immer freie Stellplätze verfügbar.

Ein wunder Punkt bei der Neubelebung der Inneren Weberstraße sind die Immobilien. „Viele davon waren Spekulationskäufe nach der Wende. Da wollten sich Manche den barocken Charme der DDR sichern und haben gehofft, damit irgendwann viel Geld zu verdienen“, erklärt die Geschäftsführerin der Stadtentwicklungsgesellschaft.

Verdienen lässt sich mit den heruntergekommenen Häusern derzeit nichts, vielmehr müsste jede Menge in ihre Sanierung investiert werden – dazu bereit sind die meisten der aktuellen Besitzer allerdings nicht. „Wir können nur dafür werben und im Rahmen der Städtebauförderung Hilfe anbieten. Doch dazu brauchen wir Partner, die das wirklich wollen.“

Zwar biete das Baugesetzbuch auch Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen, wenn das betreffende Haus zu verfallen droht. „Ersatzvornahmen wären jedoch so teuer für die Stadt, die wären im Haushalt gar nicht darstellbar.“
Trotzdem hofft man, durch die grundhafte Instandsetzung der Inneren Weberstraße auch den Immobilienbereich ein Stück zu beleben. „Stimmt die Infrastruktur, ist das gut für die Akquise. Die Eigentümer können auf die Suche nach neuen Interessenten gehen – für die dann unter Umständen auch saniert werden muss“, sieht Birgit Kaiser auch positive Nebeneffekte.

Frank-Uwe Michel / 09.08.2016

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