Liofit startet nach dem Brand neu durch

Beim Ersten Spatenstich unter anderem mit Wirtschaftsminister Dirk Panter (li.) und Firmengründer Ralf Günther (3.v.r.) flog die Erde nur so durch die Luft. Foto: Liofit

Durch den Einsatz erneuerbarer Energien und energieeffizienter Prozesse wird der Treibhausgasausstoß deutlich reduziert. Visualisierung: Liofit
Kamenz. Die Liofit GmbH hat den Startschuss zum Bau ihres neuen Firmensitzes in Kamenz gegeben. Der Spezialist für Reparatur und Recycling von E-Bike-Akkus vollzog vor wenigen Tagen im Beisein des sächsischen Wirtschaftsministers Dirk Panter den ersten Spatenstich für den Neubau der rund 1000 Quadratmeter großen Halle an der zukünftigen Adresse „An der Nordbahn 3.“
„Mit dem Neubau schaffen wir die Basis, um noch mehr Akkus vor der Verschrottung zu retten und damit aktiv Ressourcen zu schonen. Zusätzlich zum Tagesgeschäft wollen wir in den nächsten Monaten eine Pilotanlage für die Kombination von Reparatur und Recycling aufbauen – damit können wir endlich auch unsere neuesten Ergebnisse aus der Entwicklungsabteilung in der Produktion sichtbar machen“, so Firmengründer und Geschäftsführer Dr. Ralf Günther. Ziel sei es, 2026 die ersten Akkus am neuen Standort zu reparieren, Prozesse weiter zu optimieren und das Geschäft für die wachsende Nachfrage aus ganz Europa, die sich unter anderem aus der neuen EU-Batterieverordnung ergibt, auszubauen. „Mit dem modernen Firmenstandort setzt Liofit ein klares Zeichen für die Zukunft: Mehr Raum für Forschung und Entwicklung aber auch für nachhaltiges Wachstum“, so der Firmenchef.
Erst kürzlich zur Eurobike – der Fahrradleitmesse in Frankfurt – hat Liofit sein „All-in-One“-Diagnosetool – ein kompaktes Gerät, zum Auslesen und Programmieren von E-Bike-Akkus – vorgestellt. Es kann sämtliche gängigen Akkus unterschiedlicher Hersteller auf Knopfdruck auslesen und die wichtigsten Akku-Daten am PC anzeigen.
Die Innovation vereinfacht die Erstdiagnose vor Ort deutlich. Hersteller, Händler, Werkstätten oder Recyclingsammelstellen können sofort feststellen, welches Problem am Akku besteht und ob er für die Reparatur geeignet ist.
Im Rahmen des Festakts zum ersten Spatenstich übergab Wirtschaftsminister Dirk Panter einen Fördermittelbescheid über 1,38 Millionen Euro an das Kamenzer Unternehmen. „Durch den Einsatz erneuerbarer Energien und energieeffizienter Prozesse wird der Treibhausgasausstoß deutlich reduziert“, begründet der Minister die Förderwürdigkeit des Vorhabens nach der Richtlinie „Kreislaufwirtschaft.“ Für maximale Ressourceneffizienz würden Entladestrom aus Fahrradakkus, eine Wärmepumpe mit Fußbodenheizung sowie eine PV-Anlage genutzt. Die geplante Investition liege bei rund drei Millionen Euro. „Mit dem neuen Zentrum entsteht nicht nur ein wegweisendes Projekt für die Kreislaufwirtschaft, sondern auch ein wichtiger Beitrag zur Sicherung von Wertschöpfung und Fachkräften in Ostsachsen. Die Investition zeigt zudem, wie innovative Mittelständler die Vision einer klimaneutralen Zukunft praktisch umsetzen“, betonte Dirk Panter. Und der Kamenzer Oberbürgermeister Roland Dantz erklärt: „Viele haben damals mitgefiebert und die Daumen gedrückt, als ein Brand am 27. Mai 2023 beinahe die gesamte Existenz vernichtet hatte. Der heutige Tag ist ein Tag des Neubeginns, ein besonderer Tag in der Wirtschaftsgeschichte unserer Stadt.“
Liofit wurde 2013 durch den Chemiker Dr. Ralf Günther gegründet, 2017 trat sein Sohn, der Maschinenbau-Ingenieur Rico Günther, in das Unternehmen ein. Liofit beschäftigt derzeit 26 Mitarbeiter, in den nächsten Jahren soll diese Zahl um zehn wachsen. Seit dem Brand im Jahr 2023 arbeitet Liofit von einem Interim-Standort aus. Brandschutz und behördliche Vorgaben sind für den Neubau umfassend abgestimmt und genehmigt; ein Übergreifen externer Brandereignisse wird künftig ausgeschlossen.