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Mit Fußball die Alkoholsucht besiegt

Mit Fußball die Alkoholsucht besiegt

Ein Leben für den Fußball: Der Bautzener Dieter Bransky hat schon beizeiten seine Leidenschaft fürs runde Leder entdeckt. Hunderten Kindern brachte er das Fußballeinmaleins bei. Foto: RK

Er war erst zarte 15, als er die Trainerlizenz erwarb. 53 Jahre später bildet er noch immer den Bautzener Fußballnachwuchs aus. Ein Ende ist in Sicht – aber nicht ganz.

Herr Bransky, nicht nur in der Spreestadt sind Sie bekannt wie ein bunter Hund. Wie kommt das?

Dieter Bransky: Die Frage zu beantworten, ist gar nicht so schwer. Hin und wieder stehe ich als Schiedsrichter auf dem Platz und leite in der Lausitz ausgewählte Partien. Zuletzt war das am vergangenen Wochenende der Fall – und zwar bei der Begegnung Schleife – Kittlitz.

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Die G-Jugend vom SV Post Germania Bautzen: Das Team ist ungeschlagen und wird am 11. Juni in Dresden-Striesen bei einem landesweiten Turnier teilnehmen. Foto: Verein

Jetzt stellen Sie Ihr Licht bitte nicht allzu sehr unter den Scheffel. Für den Bautzener Fußball haben Sie Besonderes geleistet.

Dieter Bransky: Nicht nur ich allein. Dank zahlreicher Helfer konnten wir in den zurückliegenden drei Jahren eine Nachwuchsmannschaft formen, von der speziell mein Heimatverein – der SV Post Germania Bautzen – momentan profitiert. Darunter sind richtig gute Fußballtalente. Das zeigt sich auch daran, dass so gut wie kein Spiel, dass die Jungs bestreiten, verloren ging. Inzwischen mischt das Team auch in der F-Jugend hin und wieder mit, um sich in den Reihen der Größeren austesten zu können. Und selbst dort verbuchen sie Erfolge.

Wie lässt sich dieses Phänomen erklären?

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Dieter Bransky: Ein Teil der Kinder besucht noch den Kindergarten, ein anderer bereits die Schule. Ich betone das deshalb, damit Sie ein Bild davon bekommen, wo der Verein bereits mit seiner Nachwuchsarbeit ansetzt. Die Jungs sind mit Feuereifer dabei. Sie bekommen neben den Fußballgrundlagen von uns Mannschaftsgeist, Ordnung, Disziplin, Fairness und Kameradschaft vermittelt. Das sind alles Werte, die ein Team zusammenschweißen. Sicherlich liegt darin das Geheimnis unseres Erfolges.

Das klingt nach der alten Fußballschule.

Dieter Bransky: Mit der wir bislang sehr gut gefahren sind. Ein schöner Nebeneffekt ist der, dass Eltern schon mehrmals an uns herangetragen haben, ihr Kind pariere selbst zu Hause anstandslos. Wir sorgen also nicht nur dafür, dass das Vereinsleben aufrechterhalten bleibt, sondern auch dafür, dass den Müttern und Vätern ein wenig Erziehungsarbeit abgenommen wird. Und das ist aus unserer Sicht nicht verkehrt.

Jetzt sind Sie schon recht lange im Trainergeschäft. Wem haben Sie in all den Jahren bereits den Weg für eine Fußballkarriere bereitet?

Dieter Bransky: Als erstes möchte ich Sven Kmetsch anführen. Er hat meine Fußballschule genauso durchlaufen wie Sabine Seidel im Frauenbereich. Sven spielte nach der Fußballgrundausbildung zunächst bei Dynamo Dresden. Danach wechselte er zu Schalke 04. Sabine wiederum ist jetzt Nachwuchsleiterin beim zweifachen Champions-League-Sieger und mehrfachen Deutschen Meister Turbine Potsdam. Darauf bin ich sehr stolz, dass es meine beiden Schützlinge von einst so weit gebracht haben.

Der Verein, dessen Nachwuchs Sie bis zuletzt trainiert haben, gründet sich ganz stark auch auf Ihr Engagement.

Dieter Bransky: Das war 2005. Damals suchten die Mitglieder des Max-Planck-Jugendclubs im Stadtteil Gesundbrunnen nach einer Spielstätte. Der Reitplatz in Baschütz erwies sich dabei schnell als wenig optimal. Hinzukam, dass die Mannschaft mit den Jungs von Post Bautzen eine Spielgemeinschaft bildeten und dank ihr den Aufstieg in die Kreisliga perfekt machten. Ich war zu dieser Zeit gerade aus Baden-Württemberg zurückgekehrt und konnte somit behilflich sein, eine Nachwuchsabteilung aufzubauen. Wir kümmerten uns um eine Finanzspritze und bauten uns das heutige Vereinsdomizil samt Fußballplatz, Parkflächen und asphaltierter Zufahrtsstraße an der Edisonstraße aus. Etwa eine Dreiviertel Million Euro hat das Projekt verschlungen. Doch wir haben schnell gemerkt: Wenn du etwas für die Kinder und Jugendlichen in der Stadt machst, wird dir auch geholfen. Und es ist nach wie vor so, dass wir jungen Leuten eine Perspektive geben, bevor sie drohen auf der Straße zu landen. Wenn sie unsere Fußballschule durchlaufen haben, stehen ihnen viele Möglichkeiten offen. Auch Budissa Bautzen greift erfahrungsgemäß gern auf unseren Nachwuchs zurück.

Sie waren ja auch schon Teil dieses Vereins. Wie kommt es, dass das nicht mehr der Fall ist?

Dieter Bransky: Mit Motor Bautzen, so hieß Budissa einst, fing alles einmal an. Das Team war lange Zeit mein Zuhause. Im Jahr 2002 allerdings brauchte ich eine Auszeit – auch aufgrund persönlicher Probleme. Es verschlug mich nach Baden-Württemberg. Dort arbeitete ich in einem Betonwerk. Nur wenige Monate später wurde ein Teil der Fabrik geschlossen und ich verlor wie viele andere meinen Job. Daraufhin kehrte ich zurück in die Lausitz. Dort bot sich mit dem Projekt SV Post Germania Bautzen eine neue Herausforderung für mich. Gleichzeitig konnte ich meine Alkoholsucht erfolgreich therapieren lassen.

Darüber sprechen Sie sehr offen, warum?

Dieter Bransky: Weil ich aus eigener Kraft heraus den Teufel Alkohol besiegt habe. Darauf bin ich sehr stolz. Geholfen hat mir natürlich auch meine Leidenschaft für den Fußball. Der Sport gab mir stets Halt im Leben. Zudem sehe ich eine gewisse Vorbildwirkung in dieser Form der Suchtbewältigung.

Wenn Sie in wenigen Tagen ihren 68. Geburtstag feiern, endet dann auch gleichzeitig ihre Arbeit als Trainer?

Dieter Bransky: Nicht ganz. Ich werde mich weiterhin meinem Kita- und Schulprojekt widmen. Das heißt: Kinder ab vier Jahren bekommen von mir weiterhin das Fußballeinmaleins beigebracht. Wir trainieren jeweils mittwochs und freitags ab 16.30 Uhr auf dem Sportplatz von Post Germania Bautzen. Selbst fühle ich mich noch immer fit wie ein Turnschuh. Dem runden Leder bleibe ich für alle Zeiten treu.

Das Interview führte unserer Redakteur Roland Kaiser.

Roland Kaiser / 05.06.2017

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Kommentare zum Artikel "Mit Fußball die Alkoholsucht besiegt"

Die in Kommentaren geäußerten Meinungen stimmen nicht unbedingt mit der Haltung der Redaktion überein.

  1. Lothar Jacob schrieb am

    Ich habe mich sehr gefreut,mal etwas von einem Kumpel nach vielen,vielen Jahren zu hören.Ich stamme selbst aus Bautzen und habe in frühester Jugend bei Dieter das Fussballspielen erlernt.Seit 1971 bin ich aus Bautzen weg und um so mehr habe ich mich gefreut ,daß es Dieter noch gut geht.

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