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„Novize“ unter den betagten Mönchen

„Novize“ unter den betagten Mönchen

Der 14-jährige Elias aus Oderwitz ist stolz darauf, beim Verein „Historische Mönchszüge – Berg Oybin e.V.“ mitwirken zu können. Foto: Uwe Heinrich

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Die historischen Mönchszüge auf dem Berg Oybin entführen die Besucher in längst vergangene Zeiten. Foto: Verein

Der „Novize“ Elias aus Oderwitz in Reihen des Vereins „Historische Mönchszüge – Berg Oybin e.V.“ ist erst 14 Jahre alt. Gerade Nachwuchskräfte sind für die Zukunft der geschichtsträchtigen Mönchszüge auf dem Berg Oybin, einer langen traditionellen Veranstaltungsreihe über das Jahr hinweg, sehr wichtig.

Oybin. Im „normalen Leben“ könnte so ein junger Mensch eher noch kein Mönch sein. Denn laut dem Vereinsvorsitzenden Günter Arndt sind die Kriterien zur Aufnahme in Mönchsorden sehr unterschiedlich und meist mit einer längeren Vorbereitungszeit verbunden. Bei den Cölestiner Mönchen sei von den „Vätern des Oybin“ gesprochen worden, da diese geistlichen Glaubensbrüder beim Eintritt in das Kloster schon ein hohes Lebensalter und viel Lebenserfahrung hatten. „Ein Mönch bin ich natürlich nicht. Bei uns zähle ich als ,Novize’“, sagt Elias. Der Schüler aus Oderwitz war erstmals mit zwei Jahren in dieser Mission beim Festumzug zum Eibauer Bierzug dabei. Seine Großeltern, die viele Jahre schon aktiv im Mönchszug sind, haben ihn damals als „kleinen Mönch“ mitgenommen. „Es hat mir dann viel Spaß gemacht“, sagt er.

In wenigen Minuten verwandelt sich Elias in einen „Novizen“ – mit einem weißen Unterkleid, einer Kutte, darüber der schwarze Umhang mit dem Cölestinerzeichen und ein schwarzes Schultertuch. Ein Strick hält die „Kleiderordnung“ zusammen. Sein Kopf ziert eine kleine weiße Kappe. Bei den historischen Mönchszügen auf dem Berg Oybin absolviert Elias circa zehn Einsätze im Jahr. „Wir nehmen unter anderem auch noch an regionalen Ereignissen, wie zum Beispiel beim Eibauer Bierzug, beim Lückendorfer Heimatfest, beim Spectaculum in Zittau und bei der Kaiserweihnacht, teil“, sagt er. Der Junge fühlt sich als „Novize“ nicht anders wie immer: „Ich bin bin sehr stolz, dass ich in dem Verein mitmachen darf – bei Wind und Wetter.“ Die Besucher würden die historischen Mönchszüge schön, angenehm und emotional empfinden. „Viele Gäste bedanken sich nach der Veranstaltung bei uns, sprechen uns persönlich an und bitten um ein gemeinsames Foto“, berichtet er. Da dieses historische Event erst 21.00 Uhr beginnt und gegen 22.30 Uhr zu Ende ist, dann auch noch die Technik aufgeräumt werden muss, kommt Elias erst gegen Mitternacht ins Bett.

Solche jungen Mitstreiter wie er sind beim Verein „Historische Mönchszüge – Berg Oybin e.V.“ die Ausnahme. „Laut Statut dürfen Personen erst mit 18 Jahren bei uns Mitglied werden. Sie werden aber als Anwärter ,Novizen’ bestätigt und voll in das Vereinsleben integriert“, sagt Günter Arndt.

Aktuell zählen circa 60 Mitglieder mit einem Durchschnittsalter von 68 Jahren zum Verein. Im Chor beträgt der Altersdurchschnitt 66 Jahre. „Zwischen den Generationen gibt es überhaupt keine Probleme. Die Jüngeren werden voll akzeptiert und anerkannt. Sie machen ihre Aufgaben auch wirklich sehr gut“, lobt Günter Arndt. Der Nachwuchs sei für den Verein sehr wichtig, um perspektivisch die jahrzehntelange Veranstaltungsreihe fortführen zu können.

„Wir haben seit dem ersten Mönchszug, dem Neuanfang 1982, fast 190 Personen registriert, die kürzere oder längere Zeit im Verein aktiv waren“, sagt er. Interessenten sollten an historischen Veranstaltungen und einem aktiven und schönen Vereinsleben interessiert sein.

„Sehr gut wäre es, wenn man sich beim Eintritt ins Rentenalter nicht nur zurücklehnt, sondern weiter unter Freunden etwas mitgestalten möchte. Und wenn man dann noch gesangsfreudig ist, steht einer Mitgliedschaft nichts im Weg. Wer bei uns mitmachen will, ist herzlich eingeladen“, so Günter Arndt.

Beim historischen Mönchszug auf dem Berg Oybin am Samstag, 16. Juni, um 21.00 Uhr, tritt erstmals unter der Leitung von Michael Wachler der sich im vergangenen Jahr neu gegründete Chor Chornett aus Mittelherwigsdorf auf. Die Abendkasse ist ab 19.30 Uhr geöffnet.

 

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Steffen Linke / 12.06.2018

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