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OB: Junge Sicht auf die Stadt ist wichtig

OB: Junge Sicht auf die Stadt ist wichtig

Alexander Ahrens ist Oberbürgermeister Bautzens und spricht über die Zusammenarbeit mit der Jugend, Ideen für Veranstaltungsorte und die Stadtteilentwicklung. | Foto: Norman Paeth

Seit neun Monaten ist Alexander Ahrens Oberbürgermeister Bautzens. Redakteurin Cornelia Fulk fragte nach, welche Herausforderungen der 50-Jährige bis jetzt gemeistert hat und welche Aufgaben nun Prioritäten haben.

Sie sind jetzt ein reichliches halbes Jahr im Amt. Welche Pläne und Schwerpunkte aus Ihrem Wahlkampf konnten Sie bereits umsetzen?

Alexander Ahrens: Sachen, die sich leicht mit einer Verordnung einleiten lassen, konnten wir bereits verabschieden. So haben wir die Vergnügungssteuer auf Tanzveranstaltungen abgeschafft. Das war eines der Themen aus dem Wahlkampf, mit dem in erster Linie Unternehmer auf mich zukamen. Veranstaltungen sind für die Macher durch den finanziellen Druck unattraktiv und aus diesem Grund gab es diesbezüglich auch nur noch sehr wenige private Initiativen. Parallel haben die Stadträte der Erhöhung der Steuern auf Spielgerätecasinos zugestimmt. Dadurch werden wir in diesem Bereich des Haushalts wahrscheinlich trotzdem mehr Einnahmen bekommen. Auch beim viel diskutierten Thema Großraumdisko haben wir eine mündliche Zusage, das Vorhaben umzusetzen, worüber ich mich sehr freuen würde. Weitere Punkte sind angeschoben, brauchen aber noch etwas Vorlaufzeit, wie zum Beispiel die Skatehalle. Da hat sich herausgestellt, dass die Jugendlichen unseren angedachten Standort für ungeeignet halten. Da müssen noch einige Gespräche geführt werden.

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Wie eng ist die Zusammenarbeit mit der Jugend, wenn es darum geht, junge Menschen in Bautzen zu halten und Perspektiven auch in der Unterhaltung zu schaffen?

Alexander Ahrens: Die Zusammenarbeit ist sehr eng. Wir sitzen immer wieder zusammen, wie bei der Jugend-Ideen-Konferenz im März. Ich war überwältigt von der Menge der Ideen. Das ist eine extrem wichtige Gruppe, die wir in Bautzen einfach ernst nehmen müssen. Wir brauchen die jungen Leute, damit wir gemeinsam die Stadt so gestalten, dass die Jugend Bautzen als cool empfindet. Wir brauchen einfach die junge Sicht auf Dinge, die uns etwas verloren gegangen ist, auch wenn wir im Kopf jung geblieben sind.

Gibt es da konkrete Pläne, wie die Stadt bunter und offener werden soll?

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Alexander Ahrens: Ja die gibt es und die ersten Auswirkungen sind schon sichtbar. Das ging schon mit der „Romantica“ und dem Frühlingsfest los. Im Allgemeinen wollen wir mehr Leben in die Innenstadt bringen, mehr Veranstaltungen und auch die Gastronomie beleben. Händler und Gastronomen sollen sich da mehr selbst einbringen können. Wir möchten den Standort auch für neue Gastronomien interessanter machen und arbeiten diesbezüglich an Konzepten, denn das ist das Wesensmerkmal einer Stadt. Ein gutes Beispiel wird auch das Public Viewing zur Fußball-EM sein. Damit wollen wir Erfahrungen sammeln, um zukünftig solche größeren Events in Bautzen anbieten zu können.

Ein attraktiver Veranstaltungsort wäre zum Beispiel auch der Stausee bei Bautzen. Gibt es da vielleicht geplante Projekte?

Alexander Ahrens: Da sind Bauprojekte in der Pipeline, dass ein neues Gewerbe mit einem hohen Freizeitwert angesiedelt werden soll. Aber auch größere Veranstaltungen sind dort angedacht. Wir müssen allerdings am Stausee mit dem Lärmpegel aufpassen, denn die Wasserfläche transportiert den Schall gut ans benachbarte Ufer. Das dürfen wir nicht völlig außer Acht lassen. Aber im vergangenen Jahr gab es dort schon ein musikalisches Großevent, welches durchweg positiv angenommen wurde.

Wie sieht die Zusammenarbeit in der Stadtverwaltung und mit den neuen Kollegen aus?

Alexander Ahrens: Die Chemie hat von Anfang an gestimmt. Die Zusammenarbeit gestaltet sich sehr angenehm und fruchtbar. Wir sind allerdings immer noch in einer Findungsphase und werden auch noch strukturelle Veränderungen vornehmen. Das braucht sicherlich etwas mehr Zeit, als wir drei Bürgermeister uns das anfangs vorgestellt haben. Wir haben aber in sehr vielen Dingen ähnliche Vorstellungen. Die beiden Kollegen sind fachlich hervorragend und auch menschlich ein Gewinn für Bautzen. Das gilt aber auch für die Mitarbeiter der Verwaltung, auf die man sich in den verschiedenen Abteilungen verlassen kann.

Im Wahlkampf haben Sie betont, ein offener Oberbürgermeister zu werden. Wie setzen Sie dieses Vorhaben nun genau um?

Alexander Ahrens: Da gibt es verschieden Ansätze. Insbesondere beim Areal am Lauengraben wird das Thema zur Wirkung kommen. Neben der Baubürgermeisterin, die mit den Ideen der Bürgerbeteiligung vertraut ist, werden wir die Stadtverwaltung um einen Mitarbeiter aufstocken, der sich schon lange mit diesem Themenfeld befasst. Ich bin mir sicher, dass die Menschen in Bautzen das Angebot der Mitsprache annehmen und nutzen. Auch das Thema Gewandhaus als möglichen neuen Handelsstandort nach alter Tradition werden wir diskutieren. Das wird sicher noch einige Jahre dauern, aber man kann darüber nachdenken, ob dieses Projekt sinnvoll ist. Wir sind da offen für gute Ideen.

Wie ist der aktuelle Stand bei den Ermittlungen im Fall Brand im Husarenhof?

Alexander Ahrens: Derzeit werden bewusst noch keine Ergebnisse seitens der Behörden bekannt gegeben. Ich werde mich persönlich nach den Sommerferien mit der Sonderkommission treffen und mich nach den bisherigen Ermittlungen erkundigen. Ich finde, das haben die Menschen in Bautzen verdient, denn anfänglich hat der Ruf der Stadt sehr gelitten. Sie haben ein Recht darauf zu erfahren, wer dahintersteckt. Besonders in der Zeit kurz nach dem Brand haben ich und alle Mitarbeiter des Stadtrates versucht, durch Präsenz in den Medien diese negativen Schlagzeilen zu minimieren. Und ich persönlich denke, es ist uns gelungen, zumindest wenn ich die
Feedbacks von Kollegen oder Medienvertretern zum Beispiel aus Dresden, Berlin oder anderen deutschen Städten analysiere.

Wie möchten Sie politisch in gefährdeten Brennpunkten in Bautzen, wie zum Beispiel dem Gesundbrunnen, agieren?

Alexander Ahrens: Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Wir werden in der nächsten Zeit eine neue Stelle zum Thema Stadtentwicklung schaffen. Diese Stelle soll im Bereich der Baubürgermeisterin angesiedelt werden und sich gemeinsam mit den verschiedenen Ämtern um verschiedene Fragen und Projekte kümmern. Dabei geht es um die Entwicklung von Stadtteilen und wie man drohende Prozesse entschärfen und lenken kann. Dazu geht es auch um den Gesundbrunnen, denn ich bin überzeugt, dass speziell dieser Stadtteil ein wichtiger von Bautzen ist. Ich würde mir wünschen, dass sich die Menschen im Gesundbrunnen auch mit der Altstadt identifizieren und sich nicht abgegrenzt fühlen. Ich würde gern das Zusammenwachsen der verschiedenen Stadtteile fördern.

Cornelia Fulk / 11.06.2016

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