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Seine Profession sind Männerhaare und Bärte

Seine Profession sind Männerhaare und Bärte

Nicht nur Männer bedient Wassim Aboushaar. Für das weibliche Geschlecht bietet er eine Augenbrauenbehandlung an. | Foto: CF

Bautzen. Barbier – diese Berufsbezeichnung, so meint man, gehört in eine längst vergangene Zeit. Doch dass dieses traditionelle Handwerk in anderen Ländern auch heute noch gepflegt und angewendet wird, zeigt gegenwärtig Wassim Aboushaar, der vor knapp zwei Jahren aus Syrien nach Bautzen kam, im City Haarstudio.

Den Ursprung hat der Beruf eines Barbiers im Mittelalter und ist der Haar- und Körperpflege hauptsächlich des Mannes verschrieben. In Deutschland wird dieses Handwerk überwiegend von türkischen und arabischen Friseuren ausgeübt, denn in diesen Ländern gehören Bartpflege und die Beseitigung der Gesichts-, Nasen und Ohrenhaare des Mannes mit traditionellem Rasiermesser, Faden und Flammen zur Normalität. Diese Techniken bietet nun auch Wassim Aboushaar in Bautzen an. Seit fast zwei Jahren ist der gebürtige Syrer in der Stadt und arbeitet seit April in einem hiesigen Frisiersalon. Erlernt hat er den Beruf sehr früh. Bereits mit 12 Jahren hat er in seiner Heimatstadt Damaskus in einem Frisiersalon ausgeholfen und wurde später zum Barbier und Friseur ausgebildet. Im Alter von 17 Jahren verließ er seine Heimat, da dort damals schon Krieg herrschte. Seine Wege führten zunächst nach Dubai und Abu Dhabi. Doch er kehrte wieder für einige Zeit nach Syrien zurück. Spätere Familienprobleme und die andauernden politischen Umstände zwangen ihn erneut seine Heimat zu verlassen und so machte er sich auf den Weg nach Europa und schließlich nach Bautzen.

Seit dem lernt er fleißig deutsch. Noch ist seine Aussprache unsicher, aber er bemüht sich sehr. Sein Betreuer ermutigte ihn schließlich sich bei einem hiesigen Friseur vorzustellen. Die Geschäftsinhaberin Peggy Nathe war von seinen Fähigkeiten als traditioneller Barbier sofort begeistert. „Wir haben Techniken kennengelernt, die wir zwar kannten, aber in so einer Perfektion noch nicht erlebt haben. Uns blieb am Anfang teilweise echt der Mund offen stehen.“

Nach einem kurzen Praktikum wurde Wassim Aboushaar im April fest angestellt, erst ein mal einen Tag die Woche und nun drei. „Wir haben unseren neuen Kollegen beim Stadtfest in Bautzen vorgestellt und waren gespannt auf die Resonanz der Kunden. Die traditionellen Techniken sind schon selten und hierzulande eher gewöhnungsbedürftig“, so Peggy Nathe.

Besonders wenn Wassim mit der Fadentechnik unerwünschte Härchen entfernt, schauen die Kolleginnen genauer hin. Diese Technik ist eine Form der orientalischen Haarentfernung. Mit ihr werden sogar kleinste Gesichtshärchen samt der Wurzel blitzschnell entfernt. Nicht unbedingt schmerzfrei, aber in den geübten Händen wie denen von Wassim Aboushaar führt die Behandlung zu einem guten Ergebnis und zufriedenen Kunden.

Der schüchterne Mittdreißiger fühlt sich wohl in Bautzen und schwärmt von seiner neuen Heimat: „Ich wurde hier gut aufgenommen. Die Stadt ist wunderschön und die Menschen sind sehr nett.“ Im Salon hat er sich gut integriert und verwöhnt seine Kolleginnen mit reichlich Gebäck und guter Laune. Ein eigener Salon wäre sein Traum, aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Im Moment freut er sich über die Aufgeschlossenheit seiner Kunden und ist der dankbar für die Chance als Bautzens neuer Barbier.

Cornelia Fulk / 07.11.2016

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