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Traditionelles Handwerk trifft moderne Technologie

Traditionelles Handwerk trifft moderne Technologie

Andreas Kannegießer zeigt den Laserscanner, der die Verbindung zwischen Handwerks- und digitaler Technik schafft.

Alternativer Text Infobild

Bei aller Digitalisierung ist immer noch auch Handarbeit angesagt – hier bearbeitet Anna Mager die Verbindungsstelle des vom Roboter angesetzten Henkels nach.

Die Neukircher Saxonia OHG nutzt als erste Töpferei in Sachsen digitale Technik für die Fertigung – für den Freistaat ist das preiswürdig.

Neukirch/Lausitz. Schuster, bleib bei deinen Leisten, heißt es im Volksmund. Leicht abgewandelt könnte man auch sagen: Töpfer, bleib bei deiner Scheibe. Doch Andreas Kannegießer denkt gar nicht daran. Der Töpfermeister aus Neukirch/Lausitz nutzt modernste Technik für die Produktion und gilt daher mit seiner Saxonia Feinsteinzeug-Manufaktur OHG sachsenweit als Vorreiter für die „Digitalisierung des Handwerks.“
Das heißt aber nicht, dass bei Kannegießer gar nicht mehr klassisch getöpfert wird. „Natürlich hat die Töpferscheibe, überhaupt die herkömmliche Art der Produktion auch bei uns noch ihren festen Platz“, erklärt er. Insbesondere gilt dies für die Farbgebung, bei der Saxonia vor allem auf die althergebrachte Schwämmeltechnik setzt. Warum aber – so überlegte der Inhaber – soll er für die Produktion von Großserien nicht Technologien nutzen, die ihm wesentlich größere Stückzahlen bei gleich bleibend hoher Qualität garantieren?

Mit dieser Einstellung passt Andreas Kannegießer gut zur vom Freistaat Sachsen propagierten „Digitalisierungs-Offensive.“ „Tradition und digitale Technologie können gut Hand in Hand gehen“, zeigte sich Stefan Brangs (SPD), Staatssekretär im Wirtschaftsministerium und Digitalisierungsbeauftragter der Staatsregierung, nach einem Besuch bei Saxonia in Neukirch noch überzeugter als zuvor. Nach eigenen Angaben nutzen Andreas Kannegießer und seine derzeit 26 Beschäftigten (inklusive vier Auszubildende) die neuen Möglichkeiten vor allem in zwei Bereichen: „Einerseits beim Anbringen der Henkel an Tassen in Großserien, andererseits beim Anfertigen von Mutterformen.“ Bei letzterem wird ein – von Hand gefertigtes – Modell mit einem 3-D-Scanner digital erfasst. Anhand der gewonnenen Daten fertigt eine Fräsmaschine die so genannte Mutterform, mit deren Hilfe wiederum Rohlinge in großer Zahl und zuverlässig hoher Qualität hergestellt werden können. „Die Henkelmontage per Roboter sorgt dafür, dass es keine Risse in der Umgebung des Henkels mehr gibt und reduziert die Ausschussquote drastisch“, so Andreas Kannegießer. Auf diese Weise können 800 Tassen pro Stunde komplettiert werden. All dies ermöglicht es der Saxonia OHG, Glühweintassen für Weihnachtsmärkte in hoher Stückzahl herzustellen. Für den Dresdener Strietzelmarkt liefert(e) sie 2015 100 000 und bis 2020 pro Folgejahr 50 000 Tassen. Pulsnitz nimmt 30 000, Herrnhut 20 000 Trinkgefäße ab.

„An weiteren Märkten arbeiten wir beharrlich“, versichert der Töpfereichef. Und in der Tat erscheint es widersinnig, von den Markthändlern regionale Ware zu verlangen, die Tassen hingegen aus China zu importieren. Innovation hat das Wirken der Töpferei Kannegießer (so die ursprüngliche Firmenbezeichnung) bereits in früheren Jahren geprägt. „Bei uns gab es die erste elektrisch betriebene Töpferscheibe“, berichtet Andreas Kannegießer. Dies stellte allerdings damals eine Notfalllösung dar. Die heutige Digitalisierung hingegen ist alles andere als das: „Die Saxonia OHG hat den Sonderpreis der Handwerkskammern im Rahmen des Sächsischen Staatspreises für Innovation erhalten“, wie Staatssekretär Stefan Brangs bekanntgibt.

Uwe Menschner / 07.09.2017

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