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Weihnachtsbotschaft ins Leben übersetzen

Weihnachtsbotschaft ins Leben übersetzen

Für den Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt ist Weihnachten nicht das wichtigste Fest des Jahres. Als Christ steht für ihn Ostern noch darüber. Foto: Raphael Schmidt

Jeder verbringt die Advents- und Weihnachtszeit ganz individuell nach seinen Vorstellungen. Für viele Menschen ist sie sogar die schönste Zeit des Jahres. Für den Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt hält sie allerdings nicht nur Besinnlichkeit bereit, wie Redakteur Frank-Uwe Michel erfuhr.

Herr Bischof, wann stellen sich bei Ihnen die ersten Weihnachtsgefühle ein, ab wann wächst sozusagen die Vorfreude auf Weihnachten?

Bischof Wolfgang Ipolt: Das geschieht vor allem, wenn ich als Bischof meine Weihnachtspredigt vorbereite. Da weiß ich: Ich darf auch in diesem Jahr wieder von der Geburt des Kindes von Betlehem erzählen und den Menschen, die mir zuhören werden, etwas weiter geben von der Freude darüber, dass Gott Mensch geworden ist. Die Vorfreude auf das Fest ist für mich ganz tief damit verbunden. Weihnachtsgefühle – das bedeutet für mich diese innere Spannung: Wird es mir gelingen, dass die Menschen, die an diesem Fest in unsere Kirchen gehen, etwas mitnehmen von der Weihnachtsfreude und ein wenig Licht für ihren Alltag?

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Wann und wie beginnen bei Ihnen die Vorbereitungen auf Weihnachten?

Bischof Wolfgang Ipolt: Die Vorbereitung beginnt natürlich am 1. Adventssonntag, denn der Advent ist die Zeit, die uns zum Fest hinführt. Wie jedes Familienfest braucht auch Weihnachten einen „Vorlauf“ und eine Einstimmung. Der Adventskranz mit dem wachsenden Licht ist für mich ein wichtiger Hinweis. Aber natürlich auch die Lieder, die in diese Zeit gehören. In unserer Kirche kennen wir die so genannte „Rorate-Messe“ – ein Gottesdienst, der im Dunkeln nur bei Kerzenschein gefeiert wird. Auch das ist Einstimmung und Hinweis darauf, dass wir an Weihnachten das Licht erwarten – Christus, den Erlöser.

Wie bringen Sie das persönliche Feiern des Weihnachtsfestes und ihre beruflichen Aufgaben als Bischof unter einen Hut?

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Bischof Wolfgang Ipolt: Das ist für mich eins und ich will es auch nicht trennen. Ich feiere einfach als Christ und in meiner Verantwortung als Bischof dieses Fest – das fordert mich persönlich heraus und schenkt mir Feiertage mit ganz eigener Prägung.

Ab wann besorgen Sie die Weihnachtsgeschenke?

Bischof Wolfgang Ipolt: Da gibt es keinen Termin. Manchmal entdecke ich schon im Laufe des Jahres etwas, was ich gern verschenken möchte. Ein anderes Mal ist es kurz vor dem Fest.

Wie weihnachtlich schmücken Sie Ihr privates Zuhause aus?

Bischof Wolfgang Ipolt: Für mich gehört ein mit Strohsternen geschmückter Christbaum zum Fest dazu. Aber natürlich auch die Weihnachtskrippe – sie erinnert ja an den eigentlichen Sinn dieses Festes.

Wann besorgen Sie den Weihnachtsbaum?

Bischof Wolfgang Ipolt: Das geschieht kurz vor dem Fest – er wird gekauft, kommt nicht aus dem eigenen Garten. Dafür sorgt der Hausmeister des Ordinariats. Das Schmücken besorgt meine Haushälterin – die hat dafür ein besseres Geschick als ich.

Wie feiern Sie Weihnachten ganz persönlich? Gibt es bestimmte Rituale, die jedes Jahr gleich ablaufen?

Bischof Wolfgang Ipolt: Meist lade ich am Heiligen Abend einige von meinen priesterlichen Mitarbeitern zum Abendessen ein. Wir beginnen diesen Abend mit der Vesper – dem Stundengebet der Kirche. Das ist für mich die Eröffnung des Weihnachtsfestes. Das gemeinsame Mahl darf am Abend nicht übertrieben sein. Denn das eigentliche Festessen gibt es erst am 25. Dezember – das ist der eigentliche Weihnachtstag! Leider haben das viele Menschen vergessen. Viel Zeit bleibt an diesem Abend nicht, da ich – wie Sie sicher wissen – in der Nacht in der Görlitzer Kathedrale die Christmette feiere.

Welche Bedeutung hat für Sie als Christ das Weihnachtsfest? Auf welche Aspekte versuchen Sie in den Weihnachtspredigten einzugehen?

Bischof Wolfgang Ipolt: Es wird Sie vielleicht verwundern, für mich ist Weihnachten nicht das wichtigste Fest. Das ist vielmehr Ostern. Ich weiß, dass das für die meisten Menschen eher anders ist; das hat natürlich etwas zu tun mit der Bedeutung des Todes und der Auferstehung Christi, die wir als Christen als die Mitte unseres Glaubens ansehen. Dennoch – Weihnachten ist ein großes Fest und gerade weil es bis heute viele Menschen lieben, ist es mir wichtig, dass wir immer wieder zum eigentlichen Kern dieses Festes durchstoßen. Gott ist Mensch geworden – das hat unser Menschenbild grundsätzlich verändert, das hat jedem Menschen – auch dem Schwachen und Behinderten – eine unverletzliche Würde geschenkt. Über nichts anderes predige ich an diesem Fest. Das ist eine Botschaft, mit der wir nicht so schnell am Ende sind und die jeden Tag neu ins Leben übersetzt werden will.

Was war bisher ihr schönstes Weihnachtsgeschenk?

Bischof Wolfgang Ipolt: Ich kann mich nicht an ein bestimmtes Geschenk erinnern. Das schönste Geschenk ist für mich das, das von jemandem kommt, mit dem man gar nicht gerechnet hat. Das sind echte Überraschungen.

Welche kulinarischen Köstlichkeiten werden bei Ihnen zu Weihnachten aufgetischt?

Bischof Wolfgang Ipolt: Da bin ich nicht wählerisch und es gibt auch kein bestimmtes festes Essen. Auf jeden Fall gibt es am 1. Weihnachtstag einen besonders guten Tropfen Wein zum Essen. Das gehört für mich zu einem Fest.

Mit wem stoßen Sie Silvester an?

Bischof Wolfgang Ipolt: Das ist sehr verschieden. Manchmal bin ich zum Beginn des neuen Jahres mit einer Gruppe von Gläubigen zusammen, früher häufig mit Jugendlichen. Oft gehe ich um Mitternacht in eine Kirche und bitte Gott um ein gutes und friedvolles neues Jahr. Zeit ist für mich als Christen etwas von Gott Geschenktes. Ich darf sie gestalten und soll damit verantwortlich umgehen. Daran denke ich am Beginn eines neuen Jahres. Es ist aber auch schon vorgekommen, dass ich an Silvester wie üblich schlafen gegangen bin und nichts direkt vom Beginn des neuen Jahres mitbekommen habe.

Was nehmen Sie sich für das neue Jahr vor?

Bischof Wolfgang Ipolt: Meistens nichts Besonderes. Gute Vorsätze braucht es natürlich – aber nicht unbedingt am ersten Januar. Ich weiß, dass für viele Menschen der Anfang eines neuen Jahres wichtig ist. Meine innere Uhr geht eher nach dem Ablauf des kirchlichen Jahres und da spielt der Beginn des Kalenderjahres keine allzu große Rolle.

Frank-Uwe Michel / 27.12.2016

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