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Zeitreise durch 110 Jahre Stadtbibliothek

Zeitreise durch 110 Jahre Stadtbibliothek

Vor 110 Jahren wurde die Görlitzer Stadtbibliothek als „Volksbücherei und Lesehalle“ gegründet. Noch heute erfreut sie sich großer Beliebtheit in der Bevölkerung. Foto: Pannasch

Die Görlitzer „Volksbücherei und Lesehalle“, also die jetzige Stadtbibliothek, gibt es jetzt seit 110 Jahren. Dazu gibt es am Dienstag, 28. Februar, 15.00 Uhr, eine beschwingte Zeitreise in der Einrichtung an der Jochmannstraße 2-3.

Görlitz. Die neue Ausstellung „110 Jahre Stadtbibliothek – eine Zeitreise“ verspricht vergnügliche Ausflüge, denn: Was früher ernst und alltäglich war, bringt uns heute manchmal zum Schmunzeln. Dafür haben die Mitarbeiterinnen tief in alten und neuen Fotoalben, Ratsberichten früherer Jahre, Jahresprogrammen, Brigadetagebüchern, Statistiken, Chroniken und Schränken gewühlt. Die Ausstellung kann vom 28. Februar bis 10. April in den Räumen der Stadtbibliothek besichtigt werden.

Die Stadtbibliothek Görlitz, im Jahre 1907 als „Volksbücherei und Lesehalle“ begründet, begeht genau am 28. Februar 2017 den 110. Jahrestag ihres Bestehens. Die Eröffnungsfeierlichkeit der Görlitzer „Stadtbücherei und Lesehalle“ am 28. Februar 1907 war ein Ereignis von großem öffentlichen Interesse. Zwar waren in Deutschland Büchereien inzwischen nicht mehr selten und Bücherhallen waren damals sogar modern, aber nicht viele Städte verfügten über einen so repräsentativen und schönen Bau wie Görlitz.

Ab 1905 engagierten sich für Stadtbücherei und Lesehalle namhafte Görlitzer Bürger in einem „Bürgerkomitee“. Otto Müller gründete eine Stiftung, die für Bau und Ausstattung der neuen Einrichtung eintrat. Die Stadt Görlitz sicherte das Grundstück und den Unterhalt zu. Mit diesen Aktivitäten reagierten die Initiatoren auf den nationalen Aufruf „Schafft Bücherhallen“ zum Ende des 19. Jahrhunderts, der sich auf die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts bezog.

Mit Hilfe von Bibliotheken für Volksbildung wollte man damals für einen vielleicht möglichen Ausgleich von Bildungs- und Klassenunterschieden sorgen und mit umfangreichen Empfehlungen für Ausstattung und Funktion der neu zu schaffenden Einrichtungen diesem Anspruch gerecht werden. Dabei gab es einige Forderungen, wie etwa eine hauptamtliche und fachliche Leitung dieser Häuser, ausreichend finanzielle Mittel sowie weit angesetzte günstige Öffnungszeiten. Die Bibliotheken sollten aber auch mit Leseräumen oder -hallen ausgestattet und nicht nur Ausleihbibliotheken sein. Wichtig waren schon damals der Bestandsaufbau durch Neuerwerbungen und auch die Erweiterung des Literaturangebotes mit bisher vernachlässigter Belletristik.
Die ersten der reichlich 1.300 Leser des Jahres 1907 fanden diese Forderungen in der neuen Görlitzer Stadtbücherei und Lesehalle erfüllt, auch wenn der Buchbestand mit 2.400 Bänden am Anfang noch recht klein war. Die Mitarbeiter achteten sehr genau auf die Wünsche der Görlitzer und wagten sich deshalb bald auf Neuland. Sie begründeten 1913 eine der ersten Kinderbuchabteilungen in Deutschland und etwas später den Jugendlesesaal.

Im Verlauf der Jahre erhielt der Bestand viele willkommene Ergänzungen. So gab es Langspielplatten, später Musikkassetten, CDs, Videos und DVDs zum Ausleihen. Die modernen Medienarten machten um die öffentliche Bibliothek und ihre bald zahlreichen Zweigstellen in Görlitz keinen Bogen. In den 90er Jahren waren sich Kommunalpolitiker und Mitarbeiter der Stadtbibliothek einig: Die Entwicklungen auf dem Mediensektor, neue Informationswege und Anforderungen der Nutzer an ihre Bibliothek erforderten eine grundlegend neue Konzeption für die bibliothekarischen Angebote einschließlich einer Erweiterung des historisch wertvollen Gebäudes.

In den Jahren 2006 bis 2009 erlebten die Einwohner der Neißestadt, wie ihre Bibliothek mit einem Anbau wuchs und das historische Gebäude saniert wurde. Am 22. Januar 2008 wurde der Anbau feierlich eröffnet und am 3. März 2009 gab es eine große Eröffnungsfeier für die Wiedereröffnung der sanierten Stadtbibliothek.

Obwohl sich Medienarten und Angebote in den letzten Jahren grundlegend verändert haben, zählt das Lesen von Büchern, Zeitungen und Zeitschriften noch immer zu den häufigsten Freizeitbeschäftigungen. Die Leser finden in ihrer Bibliothek sowohl gedruckte als auch elektronische Lektüre und können im Internet recherchieren. So haben viele Nutzer die Stadtbibliothek als einen attraktiven Treffpunkt entdeckt.

Im Jahr 2016 verzeichnete die Görlitzer Stadtbibliothek über 100.000 Besucher. Ob im umfangreichen aktuellen Buchbestand, im Angebot von CDs, DVDs, Computerspielen, von Zeitungen und Zeitschriften, von Noten und Spielen, überall hatten die Nutzer die berühmte „Qual der Wahl“. Zunehmend gefragt sind auch die e-books des Online-Verbundes der Oberlausitz.

Dass die Nutzung der e-books gar nicht so kompliziert ist, können sich die Leser in der Bibliothek beim regelmäßig stattfindenden „Treffpunkt Onleihe“ zeigen lassen. Dabei erhalten sie für die Handhabung eigener Geräte noch allerhand Tipps und Tricks. Seit einigen Monaten kann man sich e-book-reader und neuerdings auch die bei Kindern beliebten Tiptoi-Lesestifte ausleihen. Einen Internetzugang über WLAN (Hotspot) gibt es seit geraumer Zeit im historischen Lesesaal.

Bei der Auswahl des Medienangebotes orientieren sich die Mitarbeiterinnen der Stadtbibliothek an den Entwicklungen auf dem Medienmarkt und ganz besonders an den Anforderungen ihrer Nutzer. Neben den über 90.000 Medien wird ein abwechslungsreiches Veranstaltungsprogramm angeboten. Außer der beliebten „GalerieZeit“ gibt es das „Mensch-ärgere-Dich-nicht-Turnier“ sowie eine große Anzahl von Lesungen, Rechercheübungen und Bibliothekseinführungen. Aber auch viele Veranstaltungen und Projekte für Kinder und Jugendliche werden organisiert.

Redaktion / 26.02.2017

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