120 neue Masten von Horka bis Hagenwerder

Bei einer Traversenmontage an neuen Masten für die Hochspannungstraße zwischen Oberoderwitz und Neueibau Foto: Karl-Ludwig Oberthuer
Die Hochspannungsleitung zwischen Horka und Hagenwerder soll auf einer Länge von rund 35 Kilometern erneuert werden. Was bringt das für die Menschen der Region mit sich?
Region. Das Vorhaben der SachsenNetze umfasst auch die Leitungsabschnitte nach Görlitz und Weinhübel. Der Baubeginn ist für 2028 vorgesehen. Nach Angaben des Unternehmens sollen dabei etwa 120 bestehende Masten durch neue Stahlgittermasten ersetzt werden. Die Leitung stammt aus den 80er-Jahren. Neben den heutigen Anforderungen an die Standsicherheit begründet SachsenNetze den Ersatzneubau mit den gestiegenen Anforderungen an das Stromnetz.
Dazu zählen nach Darstellung von SachsenNetze der steigende Strombedarf durch die Elektrifizierung von Wärmeversorgung und Verkehr sowie die zunehmende Einspeisung erneuerbarer Energien. Aufgrund der sehr allgemeinen Bezugnahme auf die politisch verordnete Energiewende fragte die Redaktion nach, welche zusätzlichen Strommengen künftig übertragen werden sollen und wie stark sich die Übertragungskapazität gegenüber der bisherigen Leitung dann tatsächlich erhöht.
Pressesprecherin Johanna Lemke von SachsenNetze betont: „In den Landkreisen Bautzen und Görlitz geht SachsenNetze von einer deutlichen Erhöhung sowohl der Einspeise- als auch der Bezugsleistung aus. Bereits heute ist dabei ein deutlicher Erzeugungsüberschuss zu verzeichnen. Die Prognosen gehen von einem weiteren Anstieg dieser Differenz aus. (...) Ein neuer Netzausbauplan wird am 31. Oktober vorliegen.“
Da in der Oberlausitz mehr Strom aus erneuerbaren Energiequellen erzeuge als vor Ort verbraucht werde, bestehe das Problem vor allem „im Abtransport und der Verteilung des Stroms.“ Die Trasse Horka-Hagenwerder werde nach Ausbau die mehr als sechsfache Übertragungsfähigkeit gegenüber dem aktuellen Stand aufweisen. Eine „sechsfache Übertragungsfähigkeit“ bedeutet nicht, dass Anwohner dem sechsfachen Magnetfeld ausgesetzt sein werden. Bei dem geplanten Ersatzneubau wird die bisherige Leitung erheblich verändert. SachsenNetze beschreibt für den Abschnitt Horka–Hagenwerder künftig vier Leitungssysteme mit jeweils drei Leiterseilen als Doppelseil, während heute zwei Leitungssysteme mit jeweils drei Einfachseilen vorhanden sind
Die neuen Masten werden deshalb etwa neun Meter höher und vier Meter breiter sein.
Im Hinblick auf etwaige gesundheitliche Gefahren lässt sich sagen: Das Magnetfeld an der Leitung hängt von der tatsächlich fließenden Stromstärke ab, nicht von der bloßen Übertragungskapazität der Leitung. Wird die Leitung technisch so ausgelegt, dass sie sechsmal mehr Leistung übertragen kann, kann sie bei entsprechender Auslastung auch deutlich höhere Stromstärken führen. Ein höherer Strom erzeugt grundsätzlich ein stärkeres Magnetfeld. Das heißt aber noch nicht, dass sich die Belastung etwa eines nebenstehenden Hauses versechsfacht. Die Feldstärke hängt zusätzlich von der Spannung, der Anordnung und Höhe der Leiterseile, der Phasenlage, der Mastgeometrie und vor allem vom Abstand zum Wohngebäude ab. Auch können sich die Magnetfelder der einzelnen Leiter teilweise gegenseitig aufheben. Insofern stellt sich für Anwohner die Frage, welche elektromagnetischen Feldstärken bei maximaler Auslastung der neuen Leitung unter Berücksichtigung der Entfernung zur Leitung erreicht wird. Die gesetzlichen Grenzwerte sind dabei relativ hoch: Für eine 50-Hertz-Freileitung dieser Größenordnung gelten an Orten, an denen sich Menschen dauerhaft aufhalten, 5 Kilovolt pro Meter für das elektrische Feld und 100 Mikrotesla für die magnetische Flussdichte. Zusätzlich verlangt die 26. Bundesimmissionsschutzverordnung bei bestimmten Niederfrequenzanlagen eine Vorsorge, sodass die zulässige magnetische Flussdichte unter bestimmten Bedingungen auf die Hälfte des Grenzwertes begrenzt wird.
Netzwerkverteiler Horka spielt eine wichtige Rolle
Hohe Bedeutung misst SachsenNetze dem Vorhaben des Netzwerkknotens Horka ein. Bereits 2015 begannen die ersten Vorplanungen für diesen auf einer Fläche von etwa 1,5 Hektar. Die Bauarbeiten begannen im Sommer 2025. Am 25. August 2025 fand der symbolische Spatenstich statt. Ende 2027 soll der Netzknoten Horka inbetriebnahmebereit sein. Ein Netzknoten im Hochspannungsnetz dient der Spannungshaltung sowie der Lastflussoptimierung – vergleichbar mit einer Verteilerdose, nur größer als in der Hausinstallation und mit schaltbaren Abgängen. Mit einem Netzknoten werden lange Leitungswege verkürzt, was das Netz leistungsfähiger macht.
Zwei Abzweigungen nach Görlitz
Der Neubau der Stromtrasse Horka-Hagenwerder soll abschnittsweise auf der bestehenden Trasse erfolgen. Auf der Hauptstrecke sind Masten mit zwei Traversen (Auslegerebenen) vorgesehen, auf den Stichleitungen in den Norden von Görlitz und nach Weinhübel Masten mit einer Traverse. Vor dem Bau werden unter anderem Bodenuntersuchungen vorgenommen. Für die neuen Masten werden Baugruben ausgehoben und Betonfundamente hergestellt. Die Masten werden anschließend aus Einzelteilen vor Ort zusammengesetzt und mit einem Autokran aufgestellt. Nach Angaben von SachsenNetze dauert die Errichtung eines Mastes vom Beginn des Aushubs bis zur vollständigen Montage durchschnittlich etwa acht Wochen. Anschließend werden die Leiter- und Erdseile angebracht.
„Auch private Grundstücke können betroffen sein“
Während der Bauarbeiten werden Flächen für Zufahrten, Wege und Montageplätze benötigt. Auch private Grundstücke können durch neue Maststandorte oder die Überspannung mit Leitungsseilen betroffen sein. SachsenNetze kündigt dafür Entschädigungen an. Die betroffenen Eigentümer sollen nach Angaben des Unternehmens schriftlich über die Planung informiert werden. Für die vorübergehende Nutzung von Flächen während der Bauarbeiten sind ebenfalls Entschädigungen vorgesehen.
Nach Abschluss der Arbeiten sollen die durch den Bau beanspruchten Flächen wiederhergestellt werden. Das Vorhaben befindet sich derzeit in der Planungsphase. Am Netzknoten Horka laufen bereits Vermessungsarbeiten; außerdem sind Umweltuntersuchungen und bodenkundliche Erhebungen vorgesehen. Die Erkenntnisse sollen dann in die Festlegung der zukünftigen Maststandorte einfließen.
Ansprechpartnerin für die Öffentlichkeitsbeteiligung ist Viola Martin-Mönnich, Telefon: (0351) 5630 – 42936, E-Mail: Viola.Martin-Moennich@ SachsenEnergie.de.

